Unsere Kulturbürgermeisterin ist eine Gute

Eine junge Politikerin, Kulturbürgermeisterin hier, erzählt heute in der Zeitung, dass sie von den Stadträten beauftragt wurde, eine Idee für ein Kulturfestival zu entwickeln, und zwar in einer alten, riesigen Kaserne über der Stadt. Sie ist schlau und ahnt sofort, dass das eine Falle für sie sein könnte, wenn sie einfach drauf los dächte und ihren eigenen Kopf zunächst befragte. Außerdem, wer weiß, denkt sie,was der Zeitungsfritze, der sie interviewt, im Schilde führt, wie er möglicherweise alles sofort an die falschen Leute weiter erzählt und dann auch noch verkehrt und sinnwidrig, wie so oft. Nein, sie stellt ihm also einen ganzen Katalog von Bedenken vor, sodass es schier unmöglich erscheint, eine solche Idee überhaupt jemals realisieren zu können. Es gibt ja nun schon soviele Festivals überall und dann das Problem der Finanzierung, dann die Zielgruppen alle, die eingebunden und berücksichtigt werden müssen. Schließlich schiebt sie den Auftrag ganz von sich weg und sagt, sie lade zuerst einmal Experten in dieser Frage aus allen möglichen Bereichen, aus Kulturverwaltungen größerer Städte, Professoren aus Universitäten und Hochschulen etc. ein, mit denen sie das Thema intensiv diskutiere. Der Journalist ihr gegenüber scheint so verblüfft über diese Bedenken, dass er ganz vergisst, danach zu fragen, was diese Einladungen allein schon alle kosteten und wie sie das denn finanzieren wolle. Aber wer die Kommunalpolitiker kennt, weiß eh, dass bevor das Kind in den Brunnen geworfen wird, die Kosten für die Vorbereitungen zu diesem schlimmen Akt nie genauer geprüft und kontrolliert werden. Da läppert sich die große Summe immer aus so vielen einzelnen Posten zusammen, dass niemand einen größeren Verdacht auf Verschwendung und Untreue schöpft.
Wer soll das denn alles im einzelnen nachrechnen?
Also lässt sie natürlich keine Katze aus dem Sack, sie schließt ihre Auskünfte damit ab, dass natürlich auch die Bürgerin und der Bürger in diesen Diskussionen und Ãœberlegungen fest mit eingebunden werden müsse. Nicht dass sie nicht wüsste, dass von diesen Bürgerinnen und Bürgern fast noch nie so etwas Ähnliches wie eine gute, brauchbare Idee zu uns gekommen ist. Aber der demokratische Schein muss naturgemäß gewahrt werden, das gehört sich einfach so. Ja, sie ist sehr schlau, unsere Kulturbürgermeisterin, und gut damit beraten, keinem Lokaljournalisten ganz ehrlich zu sagen,was sie wirklich vor hat und was sie tatsächlich plant, in den nächsten Tagen womöglich schon. Außerdem, es hat alles Zeit, ob nun in 5 Jahren oder erst gegen Ende ihrer ersten Amtszeit nach – sagen wir- 10 Jahren solch ein Planungskind die öffentliche Welt erblickt, wen alteriert das schon? Hauptsache, sie bleibt immer im Gespräch und die Stadt hat den Eindruck, die Kultur ist bei ihr in guten, Maß haltenden Händen. So macht man heute professionelle Politik, man macht viel weniger, als man immerzu zu tun und zu planen scheint, telefoniert aber viel und hält viele, viele Besprechungen ab.
Denn wer einen prall-voll gefüllten Terminkalender vorzuweisen hat, kann sich sehen lassen und hat sich einigen Urlaub pro Jahr verdient.

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