Die digitale Transformation

Die digitale Transformation der analogen Welt in eine vollkommen neue Dimension, gleicht einem Wunder. Es hat keinen menschlichen Urheber, es entsprang durch die Träume und Hände der Techniker hindurch, das bedeutet: die Technik als übermenschliches Subjekt eines wie von selbst tätigen Fortschritts hat sich ihrer Bediener und Hebammen bemächtigt, die das Wunder aus der Maschine entbanden. Das Wunder ist so groß, dass es selbst seine gekränktesten Skeptiker und Protestanten mit seinen Verführungskräften überwinden wird. Die Vorteile, die die Digitalisierung und ihre technischen Instrumente den Konsumenten bieten, sind unumkehrbar und durch Verbotsmaßnahmen, nach welchen besonders diejenigen nach Staat und Staatsanwälten rufen, die um den Verlust ihrer Macht und Deutungshoheit rufen, weder einzuschränken noch jemals wieder aus der Welt zu schaffen. Der Zukunftsmotor der Geschichte, die zum ersten Mal und vorrangig als Technikgeschichte begriffen werden muss, nach der sich alles um sie herum verändern und verwandeln wird, läuft bereits auf vollen Touren. Wer die Maschine aufhalten will, kommt unter die Räder. Der Mensch als User aber verweigert sich den Geschenken neuer Freiheiten und Angebote nicht. Er braucht sein Wissen nicht mehr selbst mühsam zu erlernen und zu erwerben, er holt es, wie er es braucht und zu nutzen versteht, aus der Wolke (Cloud), er folgt dem Diskurs der Maschinen untereinander, sie sind in der Lage seine Bedürfnisse und Wünsche zu lesen, sie organisieren und verwalten sein Leben, indem er nun als Konsument und Nutznießer seines Lebens, auf dem er nun ohne Prestigeverlust und Egokränkung nicht mehr als einem ureigenen zu beharren hat. Er gibt die alteuropäischen Ansprüche auf Autonomie und Originalität auf und gewinnt dabei nur an Bequemlichkeit, Chancen und Freiheit, die ihm einst nur die Märchen vom Schlaraffenland und vom Tischlein deck dich verhießen. Auch die Sicherheit im Straßen-Verkehr, in der Diagnostik im Gesundheitswesen, im persönlichen Haushalt und überall, wo es im analogen Dasein zu Staus und unlösbaren Problemen kam, wächst und schreitet fort ohne sein Zutun, ohne sein Votum und Selbstdenkenmüssen. Das Superhirn des Mensch gewordenen Computers regelt alles für ihn, verwirklicht seine Wünsche und Pläne. Er hat nichts mehr zu tun, er kann sich seinen Bedürfnissen und Wünschen hingeben, ohne Schuld, ohne Gewissensnöte und psychische Zwänge. Das Paradies ist zum Greifen nahe, täglich kommt es näher, er lebt schon in den Vorzimmern der Seligkeit.
Er braucht sich keine Geräte mehr kaufen, muss sich keine Kultur-Konserven, wie Musiken, Bücher und Filme, mehr anschaffen und behüten, es ist und steht alles auf Abruf bereit in der Wolke, er muss es nur ordern oder ordern lassen. Der Mensch als Arbeiter, als Unternehmer , als Träger und Intrigant der Dinge rückt in mythische Ferne, in die Vorzeit, als er es noch nötig hatte seinen Nachbarn als Rivalen zu bekämpfen, aus Neid und aus Gründen der Knappheit.

Der Preis für diese verwirklichbare, machbare Utopie scheint gering. Der Mensch muss sich der größeren Intelligenz, der Macht des Superhirns überantworten, ihm seine Daten ausliefern, seine Erlebnisse, Wünsche und Pläne. Das macht manchem Angst und bange, die romantischen Propheten des Zurück, die Kulturpessimisten rühren an allen Ecken und Enden ihre Trommeln, sie wiegeln zum Spielverderben auf, als wäre der archaische homo ludens nun auf ihrer Seite. Denn sie verwechseln die Gaben und Geschenke des technischen Fortschritts mit dessen utopischen Propagandisten und Deutern. Diese sind noch so betäubt von den Wirkungen des Wunders und dem Tempo, das der technische Fortschritt nun annimmt, dass sie den Bedeutungswandel, der in der Sprache sich mitzuvollziehen scheint, missdeuten und noch sehr dilettantisch erst verstehen, was in dem anthropo-technisch veränderten Begriff vom Menschen vor sich geht. Dass er trotz aller Erlöstheit von früheren Lasten dennoch nicht vollends aufgeht in den umfassenderen Bild vom Menschen, den man als Sterblichen oder im Christentum als Sünder verstanden hat. Über diesen vollkommene Transparenz herzustellen ist so unmöglich wie die Idee, Kafkas Prototyp des Landmannes nackt auftreten zu lassen, und sei es nur im Film. Der homo ludens ist als Repräsentant nicht verfügbar, und im Gegensatz zu allen menschlichen Typen, in welchen er auftauchen und mitspielen kann, nicht zu vermessen. Er bleibt bestehen als Brückenfigur zu allem wie immer überwindlichen Vergangenen. Der homo ludens inspiriert unter alle Umständen, auch denen der Digitalität, den einzelnen Menschen, der mehr will und kann als der Schwarm, der im Ja-Nein Schema gefangen bleibt und entweder schwärmt oder schmäht. So dem rohen Freiheitsmuster der Demokratie folgend. Denn hier darf er im Gegensatz zur Diktatur, wo der Jubel zur Pflicht wird, auch nein sagen, schmähen und schimpfen.-

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