Gerechtigkeit und Rechthaberei

Die Zeitungen, auch die mit der sog. Qualität, gehen unter, weil sie meistens zu spät kommen und im Stil so antiquiert, sehr steif und zu umständlich wirken. Also eigentlich unzeitgemäß. Sie reden vom heute wie von einer bereits vergangenen Zeit. Den größten Nutzen ziehe ich noch aus dem, was sie so nebenher absondern, in Halb-und Nebensätzen. So teilt uns heute in der FAZ der Herr Prof. Gumbrecht in seiner langen Epistel über seinen jüngst verstorbenen Freund Schirrmacher mit, dass der einst so mächtige Verleger S. Unseld (Suhrkamp) den Frankyboy lange für einen kommenden Dichter gehalten habe. „Werch ein Illtum!! „(Jandl) Und wie bezeichnend.
Frank Schirrmacher war gewiss ein umtriebiger, kurioser, auch intelligenter Hansdampf in sämtlichen Gassen, auch ein intellektueller Rädelsführer gewiss, aber ein Dichter? Darauf kann nur ein auf Sensationen und Profit abonnierter Verleger kommen, der seinen kundigeren Lektoren nicht über den Weg traut.
Dichtung auch poetische Prosa von morgen sieht eben niemals wie die von gestern aus. Das zu erkennen ist offenbar sehr viel komplizierter als wichtige Termine wahrzunehmen mit hoch prominenten Rollenträgern im Weltspektakel. Ich wollte lange glauben, das Beispiel des unscheinbaren Kafka hätte sie klüger gemacht. Doch Fehlanzeige. Die nachgemachten Sachen verdecken und überlärmen das Gold der Poesie, wie gehabt, wie gestern, als sie den Hans Henny Jahnn beinahe verhungern ließen.
Geborene Dichter wissen oft vor lauter Demut selbst nicht, wie wichtig sie sind und können darum auch nicht so tun. Sie hüten den Schatz der Gerechtigkeit und
haben es schwer in der Gesellschaft der Rechthaberei. Als Honoratior, als Star und Fernsehdirektor wird man schnell erkannt, als Dichter nur selten zur Lebenszeit.

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3 Gedanken zu “Gerechtigkeit und Rechthaberei

  1. Ich finde, dass sie dem Siegfried Unseld Unrecht tun, wenn Sie sich einen Einblick verschaffen wollen, wie sehr Siegfried Unseld sich um seine Autorenm kümmerte, mit wie viel Hingabe und Leidenschaften er Autoren ( und nicht Bücher…) verlegte, so schauen Sie sich doch mal den Briefwechsel Siegfried Unseld – Peter Handke an…

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  2. dass ein Verleger sich um die Autoren kümmert, die ihm große Einnahmen bringen, wie Handke und Bernhard, nennt man Kundenpflege. Sonst sind mir diese Briefwechsel eher ideale Vorlagen für Satiren. Auch der Lebenslauf des flinken Ulmers, der als junger Mann das Fähnlein 9 durch die Hirschstraße führte und nach der Katastrophe sich zum glühenden Philosemiten wandelte, sogar einen jüdischen Verlag gründete, überzeugt mich nicht vollkommen. Aber lassen wir das.
    Andere Frage: welchen wirklich bedeutenden Dichter hat der Hermann Hesse-Fan Siegfried Unseld denn wirklich entdeckt? Seien Sie so freundlich und nennen Sie mir einen: (Handke hat er nicht entdeckt, auch Bernhard nicht) wen also? Walser? Den Schwafler Reich Ranicki?
    Bitte nennen Sie mir eine oder einen!!eine Größe, keine Modepuppe oder Sternschnuppe..

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  3. Bei Siegfried Unseld geht es mir weniger um „Entdeckungen“ sondern darum, wie Siegfried Unseld sich um seine Autoren bemüht hat, dafür steht eben der Briefwechsel Unseld – Handke. Dass Handks Manuskript „Die Hornissen“ vom Suhrkampverlag angenommen wurde, war die Voraussetzung dafür, dass Handke sein JuraStudium abbrach und sich ganz aufs Schreiben konzentrierte. Und zu dieser Zeit war es alles andere als ausgemacht, dass Handke dem Verlag einmal große Einnahmen bringen würden,. Unselds Einsatz für die Autoren war sehr viel mehr als Kundenpflege…

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