Gefährliche Liebschaften

Elke, die Bürokraft an unserem Institut, fragte mich eines Tages, ob ich ihr nicht Überstunden verschaffen könnte bei unserem Chef, da sie für ihre Freundin Geld verdienen möchte, die von Insolvenz bedroht sei, schlimmer, die von einer sog. Inkassofirma bedroht werde, die ihr , falls sie nicht bezahle, Russen schicken wollte, um ihr ein Leid anzutun, die sie möglicherweise sogar vergewaltigten. Ja, warum geht ihr denn nicht zur Polizei und zeigt diese Gangster an, fragte ich sie. Das hätten sie schon versucht, da die Freundin aber keine Adresse angeben konnte, nur telefonisch bedroht worden sei, könne die Polizei nichts unternehmen, solange nicht etwas passiert sei. Wie bitte? Das kann doch nicht sein, tatsächlich aber ist es so,denn ich rief die Polizei an und bekam dieselbe Auskunft. Ich redete mit unserem Chef, den der Fall sofort interessierte und der deshalb spontan einen privaten Securitymann finanzierte, um, falls die Gangster in flagranti erwischt würden, dann eine entsprechende Kampagne starten will, zu Werbezwecken für unser Institut. So kannte ich den Chef gar nicht, ich hielt ihn immer für einen trockenen, störrischen Mann. Vorgestern sagte er mir: Jetzt sind wir gespannt, mein lieber Heller, was der Securitysherif ausrichten und ob er die Dunkelmänner stellen kann.
Das zieht sich nun schon seit Wochen hin, in der Zeit verliebte sich die Freundin Elkes in ihren Beschützer, der inzwischen sogar bei ihr eingezogen ist. Man könnte das Glück im Unglück nennen, der Chef wartet täglich auf eine Erfolgsmeldung, denn er könnte den Fall für seinen nächsten Karriereschritt nach ganz oben nutzen, wie er mir gegenüber andeutete. Ich aber bin innerlich entsetzt über die Verhältnisse, in denen der Staat seine Bürger wohl nicht mehr vor den Verbrechern schützen kann. Der Chef gab mir den Sonder-Auftrag zu recherchieren, warum die versprochene Polizeireform nicht voran komme und ob eventuell gewisse Staatsbeamte von den Verbrechern bestochen werden. Das vermute er ganz stark. Für mich ist das ein gefährlicher Auftrag, schließlich bin ich kein Muskelprotz und mit einer Waffe kann ich auch nicht umgehen, ich habe lediglich ein Pfefferspray bei mir, für alle Fälle. Aber der Chef meinte, ich könnte mit einer gehörigen Gehaltserhöhung rechnen, wenn es mir gelänge, etwas Licht in das Dunkel dieser Tage zu bringen. Er klopfte mir auf die Schulter und sagte, er traue mir immer schon eine Menge zu. Schließlich sei ich einer der intelligentesten Mitarbeiter, und da will ich ihn natürlich auch nicht enttäuschen. Einerseits fühle ich mich natürlich davon geehrt, andererseits aber wird es mir oft bang, wenn ich gewisse Gänge in anscheinend leere Gebäude, oft an Sonn-und Feiertagen, unternehmen muss. Aber was soll ich machen, feige und ängstlich will ich nicht erscheinen, außerdem habe ich den Fall ja selbst ins Rollen gebracht,und das nur weil ich Elke so vertrauenswürdig erschienen bin, dass sie sich an mich wandte. Gut, ich war ein bisschen hinter ihr her, das gebe ich zu, aber das nützte sie aus, sodass ich mir fest vornehme, künftig alle erotischen Wünsche im Institut strikt zu vermeiden.

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