Der Untergang der Linken

Frau Lötzsch von der Linken hat SS-Runen auf der Kleidung rechter Gruppen des Majdan wahrgenommen und nun dem ZDF vorgeworfen, darüber nicht ausreichend und objektiv berichtet zu haben, Der Chefredakteur des ZDF aber lobte seine Crew, die sehr objektiv immer berichte über die Ukraine und auch einiges über diese rechtsradikale Gruppe angedeutet habe. Im Rundfunkrat sei das zur Sprache gekommen und man sei sich quer durch die Parteien einig gewesen, dass die Andeutung genügt habe, um das objektive Bild zur Ukraine zu vervollständigen.
Diese Rechtfertigung genügte der Frau Lötzsch von der Linken keineswegs und sie beschwerte sich deshalb bei der Bundesregierung, offenbar noch immer in der alten Vorstellung verhaftet, die Regierung könne über öffentlich rechtliche Sender jederzeit den Stab brechen, wenn die journalistische Meldepflicht sich zu weit von der objektiven, gewiss auch rein-russischen Sicht der Dinge entferne. Putin und seine Propagandisten erkennen in den ukrainischen Europafans und Rebellen ganz klar eine faschistische Bewegung. Das ist bekannt.
Nun, soweit würde die Linke und auch Frau Lötsch vielleicht nicht ganz gehen. Doch sei an der russischen Angst gewiss einiges sehr wahr, zumal eben diese SS Runen auf der Kleidung gewisser rechter Gruppen zu sehen waren, worüber das ZDF nicht objektiv genug, sondern eben nur andeutend berichtet hat, wie der Chefredakteur Frey sagte. .
Die antifaschistische Linke erwartete deshalb einen Eklat, der aber nicht stattfand
und sie gewahrt auch deshalb im Ausbleiben eines Skandals in unserer Gesellschaft eine gewisse Blindheit gegenüber rechtsradikalen Kräften, deren Begehren nach Europa zu kommen, doch nichts als eine Tarnung sein könne, um hier bei uns ihre Wühlarbeit im Sinne der brutalen SS schon bald wieder aufzunehmen.
„Wehret den Anfängen, in der Ukraine und überall, also auch bei uns.“
Das ist die Parole, aus der Frau Lötsch für die Linke den alten Markenkern aufmöbeln will. Doch niemand reagierte darauf, das wollte ich hier wenigstens nicht ganz untergehen lassen in der Flut, in der die Linke schon bald verschwinden wird. Denn es ist an der Zeit.

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Deutsche Bußandacht mit Frau Jelinek

Die Nazimorde des NSU- Trios haben erwiesen, wie schlecht und dilettantisch der Staat gegen die braune Gefahr aufgestellt ist. Das hat ihm aggressive Kritik und Spott eingebracht. Das ist gerecht und genug Anlass für das grimmigste Kabarett. Aber ist es auch Stoff für die großen Bühnen , den ihnen Elfriede Jelinek, die Nobelpreisträgerin, mit ihren sog. Textflächenvorlagen auf 220 Seiten Papier dazu geliefert hat ? Wohlgemerkt Stoff, Sprech -und Spruchmaterial, kein Theaterstück, keine Handlung.
Johan Simons, Intendant und Regisseur der Kammerspiele München, meint ja und bastelt daraus so etwas wie dürre Bühnengespenster, deren endloses Gerede man nun bei der Premiere am Samstag zwei sehr lange Stunden zu ertragen hatte. Sieben Schauspieler der ersten Garnitur ( Benny Claessens, Hans Kremer, Annette Paulmann, Wiebke Puls, Steven Scharf, Risto Kübar und Thomas Schmauser) sitzen auf der Bühne und lesen aus dem auf 40 Seiten zusammengekürzten Original-Text vor. Hinter ihnen eine Combo, die zwischen den künstlichen und verbalen Aufgeregtheiten sich müht, etwas schrille neu-tönerische Dramatik in das Ganze zu bringen. Auch das ziemlich vergebens und überflüssig.

Man fragt sich, ohne das NSU-Thema in seiner Bedeutung zu relativieren, und angesichts der höchst realen Tragödie der IS-Barbarei und Menschenschlachterei in der Welt, wie weit darf sich Theater von solch bedrängender Aktualität entfernen, wo es dazu doch weit treffendere Stücke, etwa von Shakespeare gäbe, als die immergleiche Suada Frau Jelineks zu der gewiss grauenhaften Misere mit der kleinen verblödeten Nazigruppe, die sie auch noch metaphysisch zum Ausdruck der „deutschen Seele“ erhöhen möchte. Sie liefert bloßen Stoff, statt diesen zur Form einer entsprechenden Handlung zu läutern. Das Versagen der staatlichen Ermittler und Geheimdienstleute ist viel beschämender, viel skandalöser, als es in den abstrakten Anklagen Jelineks zum Vorschein kommt. Hat sie völlig die Nerven verloren und hält ihre Materialsammlung zum Thema inzwischen schon für Kunst?

Die Aufführung fängt schon völlig schräg an, in dem der Schauspieler Hunstein vom Zuschauerraum aus im hell erleuchteten Saal sich als fuchtelnder und herum brüllender Zeuge gebärdet, der irgendeine abstrakte Mordsache beklagt, von der nichts Konkretes zu Tage kommt, nur eine Melange aus banalen und
hoch pathetischen Phrasen einer in die totale Sinnfinsternis katapultierten Rede.
Verlegenes, krampfhaftes Lachen einiger Zuschauer, das rasch verklingt, denn das Ganze scheint doch tief ernst gemeint.
Danach, wenn er endlich aufhört mit seinem wirren Gebrüll, entsteht eine diffuse Gerichtszene, in deren Mitte ein Richter seinen mit und neben ihm Platz nehmenden Lesungsteilnehmern mehrmals „guten Morgen“ wünscht und nun vergebens Licht in die dunkle Angelegenheit zu bringen sucht. Vergebens, denn die Angeklagte Zschäpe schweigt beharrlich, wie wir wissen, und auch die sich als unsichtbar- sichtbare Propheten vorstellenden Akteure an den Lesepulten, die sich hin und wieder ihre schwarzen Kapuzen über den Kopf ziehen, bringen nur Sprachmüll zu Gehör; bestehend aus Zeitungsberichten, vermengt mit Zitaten aus der Bibel, aus Celangedichten und Brechtsprüchen. Das Ganze nennt man apologetisch Textmontage, aus der hervorgehen soll, dass die Bühnenfiguren längst Sprechautomaten geworden sind, die nie mehr wissen können,was sie sagen. Denn die Wahrheit existiert nicht mehr, sie ist von der Lüge nicht mehr zu unterscheiden. Das ist eine der Botschaften Frau Jelineks, in die sie ihr düsteres,apokalyptisch gefärbtes Ressentiment gegen Deutschland mischt, das Land,das noch immer der Humus sei, aus dem die Nazibrut immer von neuem aufersteht und mordet. Denn der Schoß der Jungfrau, die als Mord und Totschlag bringender Archetypus an der deutschen Unheilsquelle immer wieder im Text auftaucht, ist, wie es bei Brecht heißt, fruchtbar noch und wird es ewig bleiben. Wenn Frau Jelinek das tatsächlich meint, dann hätte sie das in einer dramatischen Handlung plausibel zu machen, statt es immerzu nur monoton , in symbolisch verquaster Rede zu behaupten. Der Regisseur Simons bemüht sich, ihr brav zu folgen und aus der Textflächenvorlage halbe, blut- und fleischlose Rollen zu schaffen, denen die Worte, die sie zu deklamieren haben, keine Konturen geben, sondern ihnen ständig über den Kopf wuchern, sodass nie klar wird, wer was warum vertritt und gegen oder für wen Stellung nimmt. Es existiert eben nur eine einzige geschwätzige und immer wieder schwülstig- pathetische Rede, die beliebig unter den sieben Sprechern aufgeteilt wird. Das ist weder amüsant noch irgend eine Sache, ein Problem oder sonst etwas erhellend. Wir hören nur immer wieder, dass Frau Jelinek unter Deutschland leidet, das sie darum hasst und verachtet und auf den Fluch des Christentums zurückführt,gegen das sie mit allen Kalauern, die sie in dem ihr zuhandenen Sprachmüll finden kann, zu Felde zieht. Dabei unterlaufen ihr Sätze, die die Avantgardistin der Lächerlichkeit preisgibt, zum Beispiel, wenn sie im Lied „Sein und Wahrheit“ in zynisch sentimentaler Verstellung das schweigsame Mädchen Zschäpe bedauern lässt: „ Alle werden es mögen/ ach, wohin wird es gehen?/ Gewissheit darüber ist schwer zu erlangen/ Der Geist der Wahrheit hat die Welt nicht empfangen.“
Solchen Lyrikdreck ließe sich ein aufgeklärtes Theaterpublikum wohl nicht gefallen. In München aber weiß man, das Ganze ist eine deutsche Bußandacht, der man sich fügen muss und applaudierte darum beinah frenetisch.

Tagebuch – 27.9. – mittags

denke an eine Erfindung, habe aber erst den Leim und die Fäden, zwei drei Konturen, das Bild steckt noch ganz im Nebel. Nächste Woche organisiere ich zwei Helfer, die mit mir den Nebel verscheuchen werden. Mehr kann ich noch kaum sagen, es bleibt ja ohnehin geheim bis alles fertig ist. Natürlich werde ich zur Premiere eine Sängerin bestellen, die meine Lieblingslieder schmettern wird. An der Pforte werde ich zwei zahme Löwen vom Zirkus engagieren und überhaupt ein buntes Programm rund um meine Erfindung herum garnieren. Die Präsentation kommt ohne festliche Stimmung nicht aus, denn nichts ist Beiwerk obschon nur das Zentrum Zentrum sein darf. Ich selber werde mit meiner Lebensgefährtin den ganzen Abend hinter den Kulissen verbringen und mir von den Kellnerinnen und Helfern ab und zu berichten lassen, wie die Sache vorne läuft. Ich bin heute schon sehr aufgeregt, obwohl ich wie gesagt meine Erfindung noch gar nicht aus dem Nebeln meiner Einbildungskräfte befreien konnte. Aber darüber mache ich mir jetzt gar keine besonderen Gedanken, sondern bin konzentriert auf die neuen Trainingsmethoden und Nahrungsmittel für mein Gemüt, die ich mir teils aus fernen Gebieten zukommen lasse bzw. mir wie immer aus den alten vertrauten Verließen meines Gedächtnisses besorge.
Zuerst aber muss ich auf den Zug nach München ins Theater. Ungünstiger Termin, denn heute werden unzählige Bierdimpel mitreisen aufs Oktoberfest.

Flucht in die Krise

Man spricht gerne von Politikverdrosssenheit des Volkes, die Wähler gehen nicht mehr gerne in großen Mengen zur Wahl, doch auch die Abgeordneten kommen nicht mehr gerne ins Parlament, selbst die Kanzlerin lässt sich sehr selten im Parlament sehen, wenn nicht wenigstens das Fernsehen da ist. Die Debatten finden meistens vor vielen leeren Sitzen statt. Die Politiker nehmen dafür lieber Talkshowtermine wahr, die Kanzlerin fehlt auch dort in den Studio meistens, sie geht am liebsten zu Pressekonferenzen. Da können die Journalisten mitschreiben, wenn sie redet.
In den Talkrunden erscheint es mir oft ein bischen peinlich, wenn dort die wohl genährten Volksvertreter über die armen Flüchtlinge reden, die man doch nicht alle aufnehmen könne. Freilich sei es auch ein Skandal, wenn man die Armen einfach im Meer ertrinken lasse. Die anderen Politiker, die Grünen und Linken, beklagen wortreich den mangelnden Humanismus und die mangelhafte Solidarität des Staates, sie verweisen auf unsere Vergangenheit, denn sie nähmen viel mehr Flüchtlinge auf, aber sie sind leider nicht am Ruder. So bleibt alles sehr schwierig und jeder gibt zu, man müsste viel mehr differenzieren. Denn ehrlich gesagt, Europa und besonders auch Deutschland könne nicht die ganze Welt retten. Aber man wolle natürlich beraten, wie man mehr Geld flüssig machen könne, um den Armen dort zu helfen, wo sie sind und wo es ihnen so schlecht geht. Freilich könne man ihnen nicht gleich schwere Waffen geben, mit denen sie sich vor ihren Peinigern verteidigen könnten. Die Lage ist sinnlos und brutal, deswegen müssen unsere Diplomaten mit den Verbrechern und Peinigern reden. Viel reden, das helfe oft, wenn man mit Ausdauer hart verhandele. Das sei im Grunde alternativlos. Politik kann da so wenig wie das Militär die ultima Ratio sein. Darin besteht wenigsten ein breiter Konsens.

Politisches Kasperletheater

Der Peter Handke ist doch ein Narr, das ist sogar liebenswürdig an ihm, fand ich immer. Was mischt er sich auch in die Politik ein, von der er doch keine Ahnung hat, seien wir getrost ehrlich, einmal ganz ehrlich. Und wenn dann Rückschläge kommen wie jetzt in Norwegen bei der Verleihung des Ibsenpreises an ihn, wenn sie zurückballern, die politisch Super- Korrekten, dann ist er beleidigt und gibt das ganze schöne Geld von 300 000 €, das er schon für einen guten Zweck im Balkan versprochen hat, zurück. Das ist doch jammerschade. Warum verliert er schon wieder die Nerven wegen der vergänglichen Schar dieser Krakeeler? Sie sind es doch nicht wert. Sie sind doch nur die Hooligans der Demokratie.

Außerdem, hat er nicht schon beim Heinepreis-es ist noch nicht lange her, als sie ihn auch wieder attackierten in Düsseldorf,- versprochen, er nehme in Zukunft keinen Preis mehr an? Er redet halt immer zuviel in seiner Narrheit, der Gute. Warum erschrickt er jedes Mal, wenn andere ihn anfeinden, er hat doch auch schon viele Leute aus der politischen Szene angefeindet. Warum ermannt er sich nicht und nimmt sich ein Vorbild bei dem tapferen Ernst Jünger, den sie auch fürchterlich beschimpften einst, die Grünen und die Gutmenschen, als er die Goethemedaille erhielt. Jünger ging damals erhobenen Hauptes durch das Spalier der ihn Schmähenden und ihn als Faschist Verschimpfenden, würdigte seine Peiniger keines Blickes und verlor kein Wort über sie, sondern referierte stattdessen über Autor und Autorschaft. Davon hat doch der politische Pöbel keine Ahnung, wusste er, sub specie aternitatis.

Peter Handke ist sich wohl seiner Unsterblichkeit nicht mehr ganz sicher. Er ist schon wieder zornig, warum nur? Er kann einem leid tun, aber seine Busenfreunde beim Spiegel, der Zeit und der Süddeutschen, auch der Peymann werden ihn schon wieder raushauen und sein Mäzen, der Hubert Burda, wird ihn sicher mit einem größeren Scheck wieder trösten.
Was lernen wir daraus? Ein deutscher Dichter sollte sich niemals in die politischen Niederungen begeben. Dafür sind wir dann zum Ausgleich auch dankbar, wenn die Abgeordneten aus dem Vogtland oder aus Niedersachsen Müller&Schulz sich der Stimme enthalten, wenn es darum geht, ob der moderne Roman in einer Formkrise ist oder ob diese Krise nicht sogar die Form des modernen Romans sein könnte?

Peter Handke und das poetische Nihil

als ich vor zwei Tagen das Gespräch mit dem deutschen Dichter in der Zeit las, fragte ich mich, was will er mit seiner Rede eigentlich Bedeutsames sagen? Nichts?
Ich denke: ja, ohne dass ich das abwertend meine. Denn er sagt das Nichtige äußerst kunstvoll. Er scheint lediglich anhand einiger Stichworte, die ihm der Schmock Kümmel von der Zeit reicht, Bedeutungen hin und her zu schieben. Das Wesentliche gilt nur ihm, seiner Haltung gegenüber dem „In der Welt-Sein“, er übt sich in Gesten der Bescheidenheit, um seinen eingewurzelten Hochmut zu dämpfen. Ja, er bekämpft seinen Hochmut mit seiner beredten Bescheidenheit. Wenn er zum Beispiel den Filmkünstler Haneke schmäht und attackiert, dann bemüht er sich nicht im geringsten, sein hartes Urteil zu begründen, er setzt es einfach nur absolut. Wie ein alter Indianer, sagt er bloß: Hughes, ich habe gesprochen. Das dürft ihr jetzt deuten. Oder er zitiert einen Fotografen, der ihm immer wieder gesagt hat: „ Man muss so tun, als ob nix wär, sonst kann man überhaupt nicht mehr leben.“Das Zitat charakterisiert, meint ihn selbst. Seine Kunst, sagt er auch noch, und da ist es wieder sein volles Pathos der Bescheidenheit: Kunst ist ein Seinlassen, er lässt sie einfach sein. Als wär nix. „Kunst bedeutet: Tun,was man nicht kann.“ Das klingt wie ein altes Rätsel, ist aber nur eine Simulation, ein Sotun, als wollte er etwas sagen. Versuchte er das zu erklären, was er meint, käme das einem Selbstverrat gleich. Kümmel von der Zeit weiß das und bemüht sich, die Andacht mit seinen Fragen nicht zu stören. Er ist ein Stichwortgeber, kein schnöder Journalist. Hier gilt es nichts aufzuklären, sondern das Nichts als Bedeutungsaura um die einzelnen Aussagen herum weihevoll zu respektieren. Es gibt kein anderes Organ, in welchem Handke, so seiner Würde angemessen, zu Wort kommen kann wie in dieser Zeit, die denkwürdigerwesie von einem so schlicht pragmatischen Politiker wie Helmut Schmidt herausgegeben wird.
Manchmal spricht oft sogar die sog, Realität in Rätseln.

Unsere Kulturbürgermeisterin ist eine Gute

Eine junge Politikerin, Kulturbürgermeisterin hier, erzählt heute in der Zeitung, dass sie von den Stadträten beauftragt wurde, eine Idee für ein Kulturfestival zu entwickeln, und zwar in einer alten, riesigen Kaserne über der Stadt. Sie ist schlau und ahnt sofort, dass das eine Falle für sie sein könnte, wenn sie einfach drauf los dächte und ihren eigenen Kopf zunächst befragte. Außerdem, wer weiß, denkt sie,was der Zeitungsfritze, der sie interviewt, im Schilde führt, wie er möglicherweise alles sofort an die falschen Leute weiter erzählt und dann auch noch verkehrt und sinnwidrig, wie so oft. Nein, sie stellt ihm also einen ganzen Katalog von Bedenken vor, sodass es schier unmöglich erscheint, eine solche Idee überhaupt jemals realisieren zu können. Es gibt ja nun schon soviele Festivals überall und dann das Problem der Finanzierung, dann die Zielgruppen alle, die eingebunden und berücksichtigt werden müssen. Schließlich schiebt sie den Auftrag ganz von sich weg und sagt, sie lade zuerst einmal Experten in dieser Frage aus allen möglichen Bereichen, aus Kulturverwaltungen größerer Städte, Professoren aus Universitäten und Hochschulen etc. ein, mit denen sie das Thema intensiv diskutiere. Der Journalist ihr gegenüber scheint so verblüfft über diese Bedenken, dass er ganz vergisst, danach zu fragen, was diese Einladungen allein schon alle kosteten und wie sie das denn finanzieren wolle. Aber wer die Kommunalpolitiker kennt, weiß eh, dass bevor das Kind in den Brunnen geworfen wird, die Kosten für die Vorbereitungen zu diesem schlimmen Akt nie genauer geprüft und kontrolliert werden. Da läppert sich die große Summe immer aus so vielen einzelnen Posten zusammen, dass niemand einen größeren Verdacht auf Verschwendung und Untreue schöpft.
Wer soll das denn alles im einzelnen nachrechnen?
Also lässt sie natürlich keine Katze aus dem Sack, sie schließt ihre Auskünfte damit ab, dass natürlich auch die Bürgerin und der Bürger in diesen Diskussionen und Ãœberlegungen fest mit eingebunden werden müsse. Nicht dass sie nicht wüsste, dass von diesen Bürgerinnen und Bürgern fast noch nie so etwas Ähnliches wie eine gute, brauchbare Idee zu uns gekommen ist. Aber der demokratische Schein muss naturgemäß gewahrt werden, das gehört sich einfach so. Ja, sie ist sehr schlau, unsere Kulturbürgermeisterin, und gut damit beraten, keinem Lokaljournalisten ganz ehrlich zu sagen,was sie wirklich vor hat und was sie tatsächlich plant, in den nächsten Tagen womöglich schon. Außerdem, es hat alles Zeit, ob nun in 5 Jahren oder erst gegen Ende ihrer ersten Amtszeit nach – sagen wir- 10 Jahren solch ein Planungskind die öffentliche Welt erblickt, wen alteriert das schon? Hauptsache, sie bleibt immer im Gespräch und die Stadt hat den Eindruck, die Kultur ist bei ihr in guten, Maß haltenden Händen. So macht man heute professionelle Politik, man macht viel weniger, als man immerzu zu tun und zu planen scheint, telefoniert aber viel und hält viele, viele Besprechungen ab.
Denn wer einen prall-voll gefüllten Terminkalender vorzuweisen hat, kann sich sehen lassen und hat sich einigen Urlaub pro Jahr verdient.