Für meinen Freund Ralf

vor gut 11 Jahren hat sich mein Freund Ralf unter den Zug geworfen. Ich hätte seine Töne, die das Unglück ankündigten, ernster nehmen müssen. Aber er war fest entschlossen, ich fand in seiner Bibliothek entsprechende Schriften. Sein Dasein als Lohnschreiber bei der Südwestpresse, wo ihn die tumben Knechte, besonders der Maurermeister Neubeck, gequält und gedemütigt haben, bedrückte ihn oft und mehr als er zugeben wollte. Andererseits schrieb er doch auch schmucke, geistreiche Essays beim SWR 2. Als ich seine grässliche Mutter und seinen zahmen Vater nach seinem Tode kennen lernen musste, ging mir noch ein anderes Licht auf. Sie beschwerten sich bei mir, dass sie ihren Sohn nie besuchen durften. Das habe ich sehr gut verstanden. Sie erinnerten ihn an seine Hölle, an die Quelle seines Unglücks im Leben.
Dennoch schade, ich denke oft an ihn, an sein geheimes Lächeln, das er immer zu verbergen suchte, an die guten Gespräche, die ich mit ihm hatte. An seine poetischen Texte, mit welchen er sich herumquälte. Ich habe sie noch, ich werde sie eines Tages wieder vornehmen.
Er war nie mit ihnen zufrieden und wollte doch, dass sie gehört werden. Er ließ sie ein paarmal von einem miserablen Schauspieler vorlesen, im Kreise seiner Bekannten und Freunde. Dann saß er in der Ecke, bereute es und genierte sich, als die Zuhörer ihn dafür loben wollten und allerhand dummes Zeug dazu vorbrachten. Dann floh er schnell in eine düstere Kneipe und betrank sich fürchterlich.

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