Der kleine Burda

Der Hubert Burda hat jetzt den Focus-Chef geschasst und für ihn einen alten Hut aus dem Schrank geholt. Den Reitz, nicht den Heimat-Film-Reitz nein, den Zeitungsreiz, den wir alle schon lange kennen, mein Gott, wir sind doch bei seinen lauwarmen Artikeln schon so oft eingeschlafen. Wie im Fußball holen sie immer wieder den alten Hub Stevens, damit hinten und vorne die Null steht.
Aber aufs Schreiben kommt es eh nicht mehr an, eher aufs Telefonieren, Emailschreiben und Netzwerken. Doch was hilft das alles noch? Die crux liegt wo anders, seit der SPIEGEL, das alte Kriegsschiff des kalten Krieges, jetzt am Samstag herauskommt. Das ist natürlich eine abgemachte Sache, damit die Sonntagszeitungen gegen Pauschalhonorar von ihm abschreiben können. Und am Montag dann steht der Focus wieder alleine da, und wer will am Montag dann die abgefressenen Lesefrüchte vom Wochenende nochmal in sich reinschlingen? Ehrlich, seien wir ehrlich, kein Schwein.
Also statt den ollen Reitz aus dem Schrank zu holen, wäre es doch besser gewesen dem SPIEGEL zuvorzukommen und am Freitag zu erscheinen. Da ist die Konkurrenz mager, da bringt nur der kleine Augstein seine linke Krakelergazette heraus. Aber das begreift der Hubert Burda einfach noch nicht. Er soll man den Vettel fragen, wie man überholt, da muss zur Not dem Gegner ein Reifen abgefahren werden. Klar. Und das Kartellamt schläft eh, von ihm ist nichts zu erhoffen. Außerdem finden die Gefechte der nächsten Zukunft eh online statt. Und da ist die Konkurrenz der Facebook-Freunde und Twitterraubritter die größte. Also gleich dort einkaufen. Das wird sich jetzt abspielen, jetzt wird der Wald nach Wilderern im Digitalen abgesucht. Dort herrschen ganz neue Regeln, wenn man von Regeln sprechen will und nicht von der Anarchie der Bauchgefühle.

Natürlich, die Zeitungswelt wird ihre seriösen Fassaden allmählich abbauen und sich dem Chaos der Leser-und Userwünsche anpassen müssen. Und diese neue Spezies will alles gerne kurz gebraten, ein stündliches Menü von Sex, Autoanzeigen, Promisensationen, Urlaubstipps und Sport, jede Menge Sport. Die Mcdonaldisierung der Informationsware hat längst begonnen. Kommentare überflüssig, eher mal einen kräftigen säuischen Kalauer zwischendrin zur Begrünung des asch-grauen Alltags und natürlich Nackedeis, Pornografie statt Hintergrundberichte. Diese sollen sich die Besserwisser und der Bildungsdünkel doch selber schreiben.
Natürlich sagt das niemand so drastisch wie ich hier. Aber es wird so kommen, ich erinnere nur an das Geschwafel, das die Politiker bei der Einführung und Lizenzierung der privaten Medien anstimmten. Von größerer Vielfalt faselten sie, was aber kam? Die aller-größte Einfalt und Seichtigkeit, in der alle Nachwuchs-Intelligenz jetzt versandet.

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