Entführt mit Heino Ferch

Ich habe keine Ahnung,warum der Schauspieler Heino Ferch so populär ist, ein solcher Quotenhengst werden konnte. Der ewig schlecht gelaunte, einsilbige, bescheiden tuende Hauptkommissar ist andererseits zu Frauen sehr langmütig, geduldig und verständnisvoll. Vielleicht ist es das und dann schmeißt er am Ende des Thrillers „Entführt“ auch noch seine hübsche Freundin, die ihn doch so liebt, aus der Wohnung, man weiß nicht warum. Hat er eine schwere Kindheit gehabt, der Ferch? Leidet er unter Depressionen? Er ist der reumütige, in sich zurück gestaute Macho von früher.Jetzt bußfertig,phallisch verhüllt. Und wie konzentriert er immer schaut, als könnte er im Unsichtbaren ein Geheimnis sehen und auflösen, wer weiß das schon.. Wahrscheinlich leidet er sehr darunter, ein Mann zu sein in dieser Zeit, in der sich seine Geschlechtsgenossen so schwach benehmen, wie der Hans Zischler, der einen fiesen, intriganten Verbrecher spielt. Freilich gibt er jede Rolle ganz zischlerhaft, leicht zerknirscht, ein wenig chabrolmäßig, französisch angehaucht, als wäre er sein eigenes Markenzeichen. Der Literaturkritiker Mangold von der „Zeit“ würde sagen, er gibt die Rollen ohne inneren Reichtum, ohne Ambivalenz. Man ahnt zwar, dass er die Finger im Spiel der Entführer hat, aber er hat weder etwas besonders Böses an sich, noch fürchtet man ihn. Auch die Damen der Handlung haben zwar große Namen in der Schauspielerszene, etwa die Nina Kunzendorf, die die etwas spröde Ärztin und Mutter gibt, deren Kind und Mann entführt werden. Als man ihr ihren Mann ermordet vor die Tür karrt, erschrickt sie sehr und gerät etwas theaterhaft schrill in Panik, dann aber erledigt sich die Trauer sehr rasch. Ihr Groll gegen ihren reichen Vater, dem das Rachespiel eigentlich gilt, hat etwas Trotziges an sich. Der reiche Mann wird verkörpert durch den unvermeidlichen Friedrich von Thun, den allezeit noblen Granden, der im Blick auf seine beiden Töchter und sein Enkelkind sich wie stets auch in Frau Rosalinde Pilchers Filmen sehr sentimental gerieren und äußern kann.
Die ganze RAF Hintergrundstory wirkt sehr konstruiert, sehr abgebraucht.
Frau Suzanne von Borsody, die sich schon so oft für zartherbe, ätherische TV-Rollen eignete, soll diesmal die knallharte Kidnapperin und Revolverheldin sein, man sieht dass sie das Gangsterfach nachahmt, das bereits Gespielte noch einmal spielt. Vollends aus dem Ruder läuft dann die eigentlich letzte Szene, als der Drahtzieher der Entführung aus dem New Yorker Hintergrund plötzlich erscheint und unbewaffnet den Tod des Superreichen, also von Thuns fordert, der ihm müde von seinen Enttäuschungen im Leben sein Gewehr hin schiebt und ihn ermutigt, seinen Plan jetzt zu vollenden.
Aber siehe da, der Mörder ist zu schwach zum Schießen.
Hier wird die Handlung ganz unfreiwillig komisch. Der Mörder als Versager, wer möchte das sehen.
Kessler alias Hans Zischler bringt sich am Ende, als man sein Intrigenspiel aufdeckt, selber um. Naja, reichlich konstruiert alles, der Kulissenzauber aber ist gekonnt und aufwendig gemacht. Ich fragte mich am Ende, lag der Fehler im Drehbuch und seiner nicht ganz niet- und nagelfesten Dramaturgie oder konnten die Schauspieler sich nicht genügend empathisch in den Gang der Dinge einfügen? Abgesehen von Ferch, dessen mürrische Art nun mal Kult und Publikumsgeschmack ist, egal wo und wann er als Quotenheld agiert.
Hauptsache Spannung, die gab es durchaus, seien wir gerecht: auch schon deswegen, weil man ständig die Handlungsfäden zusammenhalten musste und damit sehr beschäftigt war.
Ach so der Zischler will an die Vera (Andrea Sawatzki) ran, die andere Tochter von Thuns, die momentweise die Herrscherin spielt, dann wieder ins konventionelle Liebesspiel abfällt, denn Zischler fordert ihr nichts ab, imponiert ihr nicht wirklich, er kann sie nicht fesseln, nur ein bisschen trösten, weil sie im Geschäftsleben Pech hat, an dem Max Kessler, also Zischler freilich planvoll mitwirkt. Diese Doppelrolle muss man mühsam erahnen, bevor sie deutlicher wird. Zischler ist mit ihr überfordert, doch der Regisseur hilft ihm auch gar nicht dabei.
Eine Szene aber haben die beiden, die Sawatzki und Zischer, im Spielkasino, da
knistert es leicht, wenn die Sawatzki ihn kühl abfertigt und er gekränkt und verstört von ihr ablassen muss. Da kommt Verzerrung in sein Gesicht.Er stört sie in ihren Geschäften. Das war die Quelle, aus der Zischler hätte seine Rolle weiter spinnen und schöpfen müssen. Doch daraus wurde nichts. Die Erotik und ihre Fallstricke kam nur andeutungsweise zum Zuge, wurde auch da, wo sie fällig war, nicht herausgespielt. Schade. Der Ferch nahm einfach viel zu viel Raum ein mit seinem mürrischen, finsteren Charakter, der nicht so abendfüllend ist wie die Handlung es hätte werden können.

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