Peter Scholl Latour ist gestorben

ich kann die wahre Größe dieses Mannes nicht einschätzen, fühle mich dafür nicht kompetent als in der deutschen Provinz zu Hause Gebliebener. Was ich aber erkennen kann ist, dass er überhaupt kein Mann des Mainstreams war, kein Gruppenmensch, sondern ein tapferer Einzelner, der allein stehen konnte und sich durchzusetzen wusste, der oft quer zu allen anderen dachte und das auch sagte. Er hat als erster und einziger zu sehr früher Zeit erkannt, dass der Vietnamkrieg der Amerikaner falsch und sinnlos war, ähnlich urteilte er in Afghanistan und auch was er über den Iran und die Ukraine sagte, ist das Gegenteil dessen, was im großen Mainstream erzählt und geurteilt wird. Das sind nur einige Beispiele, man könnte 20, 30 andere hinzufügen.
Er hatte Glück oder seine Persönlichkeit war so charismatisch und außerordentlich, dass er Leute und Förderer fand, die immer hinter ihm standen, unabhängig davon, ob sie seiner Meinung waren oder nicht. Dazu gehörten die Intendanten Klaus von Bismarck in der ARD und Dieter Stolte, der Intendant des ZDF. Sie erkannten, dass dieser Mann sein eigenes Recht hatte, nicht mit dem Maß der allzuvielen Durchschnittsvertreter gemessen werden durfte.

Denn oft wurde von den Speichelleckern ohne Zahl und den vielen Angepassten gefordert, dass Scholl Latour abzusetzen und von seiner Position zu entfernen wäre. Es ist ihnen nicht gelungen. Er blieb all die Jahrzehnte führender Reporter und Abenteurer auf eigene Faust, er wurde zum Bestsellerautor mit seinen Büchern über die Welt der Krisen und Kriege, die so genau, mit eigenen Augen und aus der Nähe niemand kannte wie er.
Heute gibt es keine Figuren seines Formats mehr, sie sind auch nicht mehr erwünscht und sie werden von den obersten Schreibtischtätern auch gar nicht mehr zugelassen und gefördert. Beide öffentlichen Fernsehprogramme sind in ihrem einstigen Niveau, das auch durch solche Männer wie Scholl Latour mit erobert und geschaffen wurde, stark abgefallen, auf eine Katastrophe herunter gesunken, die man allgemein mit dem Unwort „Quote“ bezeichnet.

Natürlich ist die Haltung, die der große Reporter gegenüber der Welt einnahm, in der er Krieg und Gewalt überall erlebte und deshalb wenig wohlfeile Illusionen hegte über die Güte des Menschen, politisch alles andere als korrekt. Auch der Wille zur Macht war für ihn ein Begriff, der ihn lehrte, verteidigungsfähig zu bleiben, wo es nötig Härte und Stärke zu zeigen, statt nur therapeutischen Hochmut und immerzu billige Eierkuchengesinnung überall zu verbreiten. „Es wird immer Kriege geben“- das konnte er sagen, und machte sich damit sehr unbeliebt bei den „Gutmenschen“. Diese empfand er in ihrer Ahnungslosigkeit und in ihrem Wunschdenken nicht nur töricht, sondern als gefährlich.
Er fehlt uns jetzt mit seinen mutigen Einsprüchen gegen den Zeitgeist.

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2 Gedanken zu “Peter Scholl Latour ist gestorben

  1. Bonjour!

    Peter Scholl-Latour ist von Mama aus der Welterklärer gewesen und ich denke, nicht mal ungut zu tun, ihn als ihren „kleinen“ Wegweiser zu bezeichnen! Sie hat alles, was von ihm kam aufgesogen und dreimal gewendet. Man kann sagen, er hat Spuren hinterlassen, ohne im Raum anwesend zu sein. Dazu bedarf es Talent!

    Und ja, wenn wir uns Ukraine, Rußland, den Nahen Osten anschauen…da fehlt jetzt einer, der nicht nur provoziert, sondern auch sondiert, Lösungen anbietet…

    Beste Grübelgrüße
    Macha

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  2. Ich schätzte ihn in früheren Zeiten auch sehr. Ein sehr gebildeter Mensch. Was das Reporter Dasein angeht etwas sozusagen zu sehr gebildet. Nicht nur irgendwelche Leute aus ZDF und ARD schätzten ihn, sondern auch Leute wie Helmut Schmidt. Ich hatte gerne seine letzten Bemerkungen aus der V.R. China gesehen, etwas was sich viele Jahre so ergab. Das er von Khomeini nach der damaligen Revolution Persien -> Iran eingeladen wurde, wie ein Berhard Shaw von Mao Tsetung, fand ich überaus beachtlich.

    Ob uns ein solcher fehlt? Wer ist ´uns´? Meinte er wirklich den Zeitgeist, oder nicht doch jenen ´geschichlichen Übergeist´.

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