Der Alptraum von Silicon Valley

Der neue Roman von Dave Eggers, von dem ein Google-Mitarbeiter bemerkte, es ist schwer zu erkennen, ob das Buch nun das Silicon Valley parodieren will oder die Klischees seiner Kritiker, gleicht jedenfalls ums Haar der Vorstellung, die man von einem Freundschaftstreffen der Face-book-Fans haben muss.
Die Circler sprechen alle mit verstellter Stimme, bestätigen einander ununterbrochen, sie simulieren menschliche Gefühle und lügen sich die Hucke voll. Wenn diese getürkte Utopie die Welt von morgen sein soll, dann möchte man das lieber nicht mehr erleben. Der Freund der Hauptdarstellerin Mae Holland, die überglücklich ist in dem Konzern eine Stelle gefunden zu haben, sagt ihr, ohne ihr neues Paradiso je betreten oder gesehen zu haben: „ Ich meine, dieses ganze Zeug, mit dem du zu tun hast, das ist alles Klatsch und Tratsch. Da reden Leute hinterrücks übereinander. Das gilt für die überwiegende Mehrheit von diesen Social Media, alle diesen Bewertungen, all diesen Kommentaren. (und)Beurteilungen wie ‚gefällt mir‘ und ‚Gefällt mir nicht‘ und Smile und Frown das war (früher) was für Pubertierende… .Aber jetzt machen das nicht nur Teenager, sondern alle, und es kommt mir manchmal so vor, als wäre ich in eine Zone geraten, in der alles seitenverkehrt ist, eine Spiegelwelt, wo der dämlichste Mist der Welt alles beherrscht. Die Welt hat sich verdämlicht.“

In der Tat wird in Circle alles Echte nur simuliert, auch kontrolliert dort jeder jeden, ein enormer Konformitätsdruck liegt auf den Beziehungen, die man kaum noch im alten Sinne so nennen kann.Und wenn ein Kunde nicht die Höchstzahl 100 Punkte an seinen Circle-Betreuer vergibt, setzt dieser nach, schickt sofort ein follow up, damit der Kunde seine minimale Kritik äußert und diese sofort wieder in volle Zufriedenheit, also die volle Punktzahl verwandelt werden kann. Absolute Übereinstimmung und Kundenzufriedenheit zu erzielen ist höchste Pflicht, der totalitäre Alptraum, von welchem jene, die ihn bewirtschaften, nichts zu spüren, nichts zu ahnen scheinen. In diesen Zwängen soll die Verbesserung der Welt fortschreiten. Das machen sie sich 24 Stunden täglich vor. Niemand hat mehr ein Refugium, in das er sich zurückziehen kann, vollkommene Transparenz ist das Ziel, an dem nichts Böses mehr geschehen kann, ohne sofort geahndet und verhindert zu werden. Kleinen Kindern werden deshalb Chips in die Knochen eingepflanzt, damit ihre Eltern jederzeit wissen, wo sie sind, sodass kein Verbrechen an ihnen mehr verübt werden kann. Absolute Sicherheit, absolute Kontrolle- schöne gesunde Welt?
Wie grauenhaft, vermessen und verlogen ist diese Utopie aus Silicon Valley.

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