Sterben in Russland

Wie die Russen in ihrem Staat leben, erzählen uns weder die Politiker noch die Wissenschaftler, diese besorgen nur das geschönte, beruhigende Bild für uns und die Welt. Denn hart kann es bekanntlich überall sein, sagt man.
Die Erzähler aber liefern uns die entwaffnenden Fakten. So erfahre ich heute beim Erzähler Boris Schumatsky, dass es für Zahnbehandlungen und Abtreibungen im alten Sowjetsystem keine Betäubungsmittel gab. Das Geld dafür brauchte der Staat für Wichtigeres, für Raketen zum Beispiel und Weltraumflüge. Jetzt im System Putin erfuhr der Erzähler,als sein Vater kurz vor den kriegerischen Zuständen in der Ukraine, an Krebs gestorben ist, wie schwer, ja beinah unmöglich es war, für seinen Vater schmerzlinderndes Morphin zu erhalten.
Es ist fast nicht möglich, nicht erlaubt, ein solches Rauschmittel wie es heißt zu bekommen. Wer es trotzdem versucht, auch der ein solches Mittel verschreibender Arzt, bekommt 8 Jahre Lagerhaft. Selbst hohe Repräsentanten des Staates müssen die schlimmsten Schmerzen ertragen oder eben den Freitod wählen.
Wie es dem Erzähler dennoch schließlich gelang Morphin in der geringsten Dosis für seinen sterbenden Vater aufzutreiben, erzählt er heute in der FAZ in seinem Bericht: „Tod in Moskau“. Sehr sehr viele Formulare, Schikanen und Stempel waren auf diesem absurden Gang erforderlich bzw. unterwürfigst zu erbetteln. .
Man erkennt gut die imer noch funktionierenden Terrorstrukturen des Staates und denkt an all das Geschwätz unserer Journalisten und Politiker, die über Liberalisierung und beginnende Zivilgesellschaft in Russland schwafeln.
Die kurze Erzählung überführt sie alle der faustdicken Lügen.
Dennoch, klar: Man muss mit Putin reden, das wird wohl notwendig sein, doch will man ihn fürderhin beim Lügen bestätigen und ihm auch noch die Hand reichen, da man doch weiß dass Verträge für ihn nichts als Papier sind, das er zerreißt, wann und wenn es ihm gefällt. Sollen wir nicht lieber seinen Untertanen beim Sterben helfen, als ihm in seinem imperialen Größenwahn?
Wo einem beim Sterben nicht geholfen wird, dort kann man nur ganz schlecht leben.

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