Gastfrei

In Ernst Jüngers Kriegstagebuch lese ich folgende Stelle: „ Ich wohne mit Rehm bei einer Wirtin, deren Mann in Deutschland gefangen ist. Sie mag wohl an die Vierzig sein, ist aber noch ansehnlich, von munterem Wesen, gastfrei und erzählt gern von ihrem Manne, für den sie eifrig sorgt. Dennoch möchte ich sie für zugänglich halten; sie ist von einer Munterkeit erfüllt, wie frische und lebhafte Erfahrungen sie hervorrufen..“
Ich höre natürlich sofort die feministische Fraktion beiderlei Geschlechts „Pfui“ rufen, an solcher Stelle, welch ein Macho, welche männliche Anmaßung. Dabei ist solche Einstellung nach meiner Erfahrung für Frauen, auf die es mir ankommt, durchweg erwünscht und auch die richtige.- Man tut freilich gut daran, solches nicht laut auszusprechen heutzutage.
An anderer Stelle, die er wenig später notiert, schildert er seine Begegnung mit einem weiblichen Molch, welches er an dem „stark angeschwollenen Venusberg“ erkennt, „ der als ein zarter Hügel den braungefleckten und wie mattem Rötel illuminiertem Bauch beschließt. Ich trug die kleine Frau, die sich in meinen Fingern gar zierlich wand, auf eine feuchte Wiese, wodurch ich ihr das Leben rettete.“Jünger tut sich stets leichter, seine erotischen Empfindungen im Tierreich zu schildern, als in der von den Moralwächtern und ihren Sitten verstellten Gesellschaft. Dort kann er auch ohne Herablassung von der kleinen Frau sprechen, die es in der Gesellschaft von heute natürlich nicht mehr geben darf.

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