Karl Kraus und die Salzburger Festspiele

Zur Premiere der „Letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus bei den Salzburger Festspielen schickte auch die Allgäuer Zeitung einen ihrer Kultur-Redakteure, der seine Rezension mit der headline krönte: „ Worte sind Waffen.“ Da drehte sich Karl Kraus zum ersten Mal im Grabe herum, bös fluchend, denn nichts hasste der Satiriker mehr als die Phrase vom „Wort als Waffe“. Freilich, wie könnte das ein Allgäuer Redakteur schon wissen?

Er verstieg sich deshalb in seiner leise jubelnden Besprechung auch noch zu dem Satz: „ Das Messer der Sprache führt man auf der Bühne eher geschmeidig als abgründig-schmerzhaft.“ Nun, „Messer der Sprache“, eine wahrhaft martialische Metapher, die ihm verzeihen mag, wer will, doch wer versteckt sich denn hinter dem „man“, das da führen konnte? Der Regisseur? Die Schauspieler? Karl Kraus ganz gewiss nicht. Anonyme Satzsubjekte waren ihm stets zuwider.

Nach der Pause sei das schreckliche Tragödienspiel vom 1-Weltkrieg dann noch schwärzer und bitterer geworden, sodass das Lachen des Publikum gar nichts Befreiendes mehr gehabt habe, lesen wir. Notfalls kann ich mir das noch vorstellen, doch der folgende Satz über die Inszenierung, in welcher „die gut konsumierbare Schutzhülle über dem nackten Grauen“ dann auch noch aufgerissen worden sei, geht mir gegen Sinn und Verstand. Da muss der Zeitungs-Dichter wohl zu stark ins Glas geschaut haben, sodass ich auch auf sein letztes Urteil keinen Pfifferling mehr gebe: Der ganze Theaterabend sei von „brennender Aktualität“ gewesen. Die schwüle Luft im Kopf des Schreibers hat hier endgültig auf den Text übergegriffen. Karl Kraus wird ihm den “Pallawatsch” gewiss nie verzeihen

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