Wagnerdämmerung in Bayreuth

heute in der Sonntags-Zeitung erblicke ich die Stoibers, Karin und Edmund, auf dem roten Prominententeppich in Bayreuth. Karin im nacht-blauen Abendkleid, Edmund im Smoking samt Mascherl. Neben ihnen Roberto Blanco mit Lebensgefährtin. Diese in bunt gestreifter langer Abendrobe. Roberto strahlend wie immer mit roter Weste unterm Gehrock. Sonst erschienen wohl nicht mehr so viele Promis wie üblich. Frau Merkel ließ sich fürs erste entschuldigen, auch Beckenbauer ist die Wagnerei schon seit Jahren zu langatmig und außerdem ist es auch für die meisten zu kompliziert, was einem die deutschen Regieberserker da alljährlich für schwere Bildkost vorsetzen. Skandalregisseur Castorf beschwerte sich erst jüngst im Spiegel, wie pietätlos man in Bayreuth mit seinen Abbruchideen vom Schrottplatz der Geschichte umgehe. Das lasse er sich nicht länger gefallen, er habe schon Rechtsanwalt Gregor Gysi gebeten, notfalls Klage zu erheben vor Gericht, wenn das so weitergehe. Castorf wollte mitten in seine Neugermanen-Ring-Parabel ein NPD-Plakat platzieren. Das akzeptierte die Prinzipalin Katharina Wagner nicht.
Vielleicht zieht die Karawane der Festivalbesucher eh lieber nach Salzburg weiter, wo man bei aller Modernität doch etwas gemäßigter mit Mozart und seinen Epigonen umspringt. Außerdem führt von Mozart keine Spur zu neuen und alten Nazis, auch ist in Salzburg der Stoff leichter, auch das Essen besser, um von den großartig austriakischen Original-Kaffeehäusern erst gar nicht zu reden. Bayreuth verliert an Boden, seit der ur-männliche Kult-Tempel von zwei Frauen regiert wird. Außerdem sterben die knorrigen Deutschnationalen allmählich aus und der Kommunismus, der stets seine extra-Wagnerwürste mitbriet, im Publikum sowohl als auch am Regiepult, ist auch mausetot. Die alten Politfronten sind verglüht, die ideologischen Heilslehren inzwischen unverständlich und out, sodass fraglich ist, ob der Wunsch Katharinas mit Wim Wenders als Wagnerregisseur eine neue Ästhetik zu kreieren, überhaupt geglückt wäre. Wim sagte vorsichtshalber ab, denn das urdeutsche Thema ist wohl nicht nach seinem Gusto. Er wäre dazu wohl erst bereit, wenn Katharina dem Peter Handke den Auftrag erteilte, die alten Wagnerverse etwas umzufrisieren. Man ahnt, die eminent deutsche Oper stirbt langsam ab. Die neuen Kids wären erst wieder zu erwärmen, wenn die toten Hosen oder der Grönemeyer auch die alte Musik etwas aufpeppen dürften. Aber das kann sich Katharina W. nicht leisten, sie muss schon Rücksicht auf die Familientradition nehmen, diese ist aber eher politisch als musikalisch und drum nie mehr zu retten. Wann wird sie das wohl einsehen können?

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4 Gedanken zu “Wagnerdämmerung in Bayreuth

  1. Nun die Wagnerianer werden Bayreuth auch weiterhin die Treue halten. Die Bayreuther Festspiele wurden schon oft totgesagt und sie leben immer noch. Salzburg sehe ich nicht als Konkurrent für Bayreuth. Dort kommen andere Opern auf die Bühne, oftmals sind es die Einstiegsopern. Dann schon eher Baden-Baden dort bemüht man sich seit Jahren um bessere Wagner-Inszenierungen. Doch letztendlich wird es das Publikum entscheiden, wer die bessere Inszenierung hat.

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  2. ich spielte auf die fragwürdige politische Tradition im Wagnerianismus an, die mit der allgemeinen Entpolitisierung allmählich verschwindet..aber Ironie ist im bierernsten Medium Internet wohl zu schwer verständlich..

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  3. Die Streitereien innerhalb der Familie tun Wagners Kunst nicht gut. Die ständige Diskussion über Nazis in Zusammenhang mit seinem Namen ist selbst mir allmählich zu viel, zumal ich nicht gerade Wagner zugeneigt gewesen bin (wo auch ich doch früher sogar auch ein Hetzer war. mea culpa). Irgendwann muss aber Schluss sein.

    Dass du allerdings Grönemeyer auch nur in die Nähe von Wagner bringst (Späßle gmacht?) und dass Castorf ein NPD-Plakat platzieren wollte- ja mei, was soll man dazu sagen?Kasperlestheater?

    Diese Nazileier kann ich wirklich nicht mehr ertragen- auch wenn sie vom selbstgefälligen Castorf stammt.Ich war noch nie in Bayreuth, würd als Fränggin auch nimmer hingehn. Hat sich kaputtgelaufen. Warum Beckenbauer da nicht mehr hingeht, ist mir klar. Er hat’s noch nie begriffen. Das werf‘ ich ihm aber auch nicht vor. Aber er hätte seine Karten dir geben können, werter Quenzel.

    Und so wünsch ich allen ihre Ruh.
    Vor allem der Allgäuer Kuh.

    Das Mizzilein

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  4. ja weißt du, Politik war im Wagnerianismus von Anfang an im mythischen Spiel, die wollte der Meister auch. Fragt sich nur, wie politisch klug man darauf heute reagiert? Sowohl Katharina als auch ihre Regisseure aber sind leider politische Greenhorns oder oft nur dämliche Eiferer. In jedem Fall völlig überfordert und fehl am Platze. Papa Wolfgang, wahrlich kein Genie, eher ein jovialer alt-fränkischer Herbergsvater hat sein hübsches, fesches Töchterlein wie so üblich maßlos überschätzt.

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