Der Gott des Gemetzels

Gestern zeigte Roman Polanski im Fernsehen einmal mehr seine Meisterschaft als Regisseur des Boulevardstücks von Yazmina Resa „der Gott des Gemetzels“. Mit Jodi Foster und Christoph Waltz. Die Bankerin Nancy und ihr Mann Alan versuchen mit dem Ehepaar Longstreets einen Streit zu schlichten, der zwischen ihren beiden zehnjährigen Schul-Jungen ausgebrochen ist und bei dem der eine Sohn dem Söhnchen der Longstreets mit einem Stock zwei Zähne ausgeschlagen hat.
Im Laufe der scheinbar liberalen und äußerst toleranten Auseinandersetzung geraten sich die zwei Paare in die Haare. Sie gehen paarweise auf einander los zerfleischen und kränken sich aber auch untereinander. Alan fndet seine Frau Nancy ähnlich absurd und kitschig wie die beiden Longstreets. Alle vier spielen einander Gefühle vor, die allmählich einbrechen und ihnen ihre Charaktermasken von den Gesichtern reißen. Es geht nicht um die Kinder, die sie immer wieder idealisieren und verteidigen wollen und sich dabei immer mehr selbst entlarven. Penelope Longstreet ist eine politisch korrekte Missionarin, ihr Mann ist ein Waschlappen, der zu ihr halten muss, das aber nicht schafft,weil ihm seine Frau in Wahrheit ebenso wie Alan und Nancy grässlich auf die Nerven geht. Zwischendurch telefoniert er mit seiner Mutter, die die die Todkranke spielt und von ihm ein mitleidiges falsches Söhnchen -Getue erzwingt. Nancy, die Bankerin entschuldigt sich für ihren rabiaten Sohn. Als die Longstreets das aber allzu sehr genießen und den schlägernden bad boy immer mehr diffamieren, flippt sie aus und beleidigt Penelope, die dann ihre freundliche Maske auch nicht mehr zu halten weiß und ebenfalls ausfällig wird, während der Zyniker Alan, glänzend gespielt wird von Christoph Waltz, alle drei, auch seine Frau, mit immer neuen Sarkasmen peinigt, und ständig an seinem Handy hängt um irgendwelche Geschäfte mit dem Pharmakonzern, für den er arbeitet, abzuwickeln.
Die Longstreets genießen die Situation, dass sich die Eltern des bad boy immer von neuem entschuldigen, wollen sie nicht gehen lassen und bieten ihnen immer wieder neue köstliche Happen an, dazu großartigen Whisky, bis es Nancy schlecht wird und sie auf die edlen Kunstbände der kultur-beflissenen Penelope kotzt. Ein hochpeinliches Malheur, das Nancy und Alan, dessen Anzug es auch erwischt hat, ins Badezimmer zwingt, wo sie ihre fiesen, üblen Meinungen über ihre Gastgeber rauslassen. Diese, die im Wohnzimmer nun allein sind und sich mühen, den Schaden zu beheben, alles aufzuwischen und wieder zu reinigen, tun desgleichen und fallen in hässlichen Worten über ihre Gäste her. Als diese einigermaßen wieder hergestellt und erfrischt zurückkehren, beginnt das falsche Spiel der gegenseitigen Wertschätzung und Toleranz noch einmal von vorne . Doch es mischen sich immer mehr Misstöne in das Gespräch, bis sie bald wieder rabiat werden und sich immer schärfer attackieren, bis sie schließlich schreiend und sich verfluchend auseinander gehen.
Alle Gefühle, die sie einander vorspielten, waren von Grund auf verlogen und falsch.Zwei tod-unglückliche Ehepaar, die einander zu Treue und Solidarität zwingen, diese Verpflichtung aber nicht durchhalten und aufeinander einhauen. Nancy schmeißt das Handy ihres Mannes Alan in eine Vase, dass er sie nicht mehr mit seinen ständigen Telefonaten nerven kann. Penelope wirft die Handtasche Nancys in die Ecke, Nancy reißt die Tulpen aus der Vase und zerfetzt sie, der Mann Penelopes telefoniert nochmal mit seiner Mutter und versucht sich wieder bei seiner Frau einzuschmeicheln, es gelingt kein gutes Ende … es endet alles in Krach und Lärm. Zwei bürgerliche Ehen spiegeln einander in ihrer Trostlosigkeit und Verlogenheit. Der Gott des Gemetzels hat sich in ihren getürkten Gefühlen ausgetobt. Sie sind sich gründlich fremd und können auch durch das Massaker hindurch nicht auf das eigene, auf ihre echten Gefühle stoßen. Es gibt sie nicht.

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Ein Gedanke zu “Der Gott des Gemetzels

  1. Finde (auch) mehr und mehr das „Schauspieler“ alles entweder alle Nazisten, hirnlose Neurotiker, schwachsinnige Vollidioten sind. Dumpfgesabbel aus der Menschefresse wie versuchsübertod, hyperscheißig syncronisiert. So sind se…

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