Intelligenz contra Belesenheit

heute erklärte mir schon jemand, dass meine Belesenheit bzw. meine Anleserei nichts mit Intelligenz zu tun habe, Intelligenz sei etwas ganz anderes. Nämlich ein blitzschnelles logisches Erfassen einer Materie, ein rasches Verknüpfen logischer Schritte. Die Person wollte mir nicht direkt sagen, dass sie mich nicht für intelligent hält, aber es war schwer anders zu verstehen. Ich schwieg, nahm die Herabsetzung hin, weiß jedoch bis jetzt nicht, warum sie nötig war und verkniff mir auch jede Einrede. Aber ich musste natürlich sofort wieder an die von mir wahrscheinlich nur angelesene Heidegger-Formulierung von der Banalität des logischen Denkens denken. Logik versteht sich von selbst, sagt der Schwarzwälder Philosoph. Ich denke darüber nach, wodurch ich mir diese Schmähung verdient habe. Trumpfe ich zu sehr mit meiner Begeisterung über gewisse geistige Erlebnisse auf? Setze ich mit meiner Rede von gewissen Lektüre-Erlebnissen andere herab, die dazu weniger Gelegenheit oder Zeit finden? Ist Kontemplation arrogantes Hobby von Luxustieren? Hochmut? Überhebliches Getue? Sollte man Leuten gegenüber, die die Popmusik lieben, nicht von Wagners und Beethovens Musik reden, weil man damit unwillkürlich die leichtere Musik verunglimpft und abwertet? Ist es so?
Ich bin mir unsicher, sind Gespräche über „Geistesmenschen“, wie Thomas Bernhard immer sagt, nur in einem bestimmten Milieu noch ziemend? Stört es alle anderen Menschen in Milieus, wo es nur entweder Intelligenz oder Dummheit gibt? Wissenschaftlichen Anspruch oder Bildzeitungsniveau? Natürlich glaube ich daran nicht, aber ich muss wohl vorsichtiger sein mit Leuten, bei denen Belesenheit wie Arroganz wirkt, wie Angeberei.
Denn so will ich nicht gesehen werden bei Menschen, auf die ich durchaus Wert lege und die ich schätze. Irgendwie ahnte ich das aber auch schon immer und war für meine Verhältnisse immer vorsichtig mit namedropping und allzu viel Beredsamkeit in dieser Richtung. Das dachte ich bisher jedenfalls. Aber ich täuschte mich wohl, ich muss in Gesellschaft noch viel schweigsamer werden und nur in Dingen mitreden, wenn überhaupt, die allgemein gefragt und en vogue sind. Einiges davon bleibt ja auch mir nicht ganz verborgen. In Popmusik kenn ich mich nicht gut aus, aber im Fußball und in der Politik auch ein wenig.

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