Der richtige Zeitpunkt kommt nie zu spät

keiner kennt ihn, den richtigen Zeitpunkt, einige aber treffen ihn an, instinktsicher und genau. Ich habe ihm meistens verfehlt, mir sagt man nach, ich baute stets etwas auf mit Begeisterung und Schwung, um es kurz danach wieder einzureißen. Daran kann etwas wahr sein, und es hat keinen Sinn, mich davor zu drücken, Ausreden zu suchen und Rechtfertigungen. Vermutlich war es aber auch so, dass ich, erst als ich eine Sache unternahm, bemerkte, das es dafür zu spät war. Dass ich mich in der Zeit geirrt und vertan hatte. Dass ich selbst ein typischer Spätling bin und war, dass ich mich von einer Sache anziehen ließ, als deren Hochsaison soeben zu Ende ging und als ich meinen Vorbildern folgte, diese bereits verblassten im Ahnensaal, sie kaum einer noch kannte und die Hochzeiten schon wieder ganz woanders stattfanden, die ich natürlich auch versäumte jedes Mal. Ich bemerke das auch jetzt noch, wie skeptisch und zögerlich ich jedes Mal bin, wenn etwas Neues ausgerufen wird. Erst wenn die dümmsten Argumente gegen das Neuste vorgebracht werden, fange ich an, es zu verteidigen und dann ist es wieder zu spät. Das hat etwas Komisches, etwas Nacheiferndes, etwas zutiefst Lächerliches. Es ist die Geschichte des Ritters von der traurigen Gestalt. Ich muss nachsehen, ob ich den Schlüssel zu diesem Märchen noch in mir finden kann. Vermutlich aber wird es wieder zu spät sein.

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