Marina Abramovic

Sie ist wohl die bedeutendste Performance-Künstlerin, weil sie in jeder ihrer Aktionen über die Grenze des Schreckens geht.
Dass Marina Abramovic letzte Woche auf der Basler Kunstmesse nackt am Kreuz hing, ist eine Meldung, die uns vergegenwärtigt, dass die Symbolkraft der Kreuzigung ästhetisch ihre Bedeutung gerade dadurch, dass die historischen Kontexte der einmaligen Opferhandlung wie ausgelöscht sind, erhalten hat. Der Gekreuzigte hat sein Geschlecht mit dem einer Frau vertauscht, die mit ihrer Nacktheit keine Schamgrenze mehr verletzt, wie das sonst in perversen SM- Studios der Fall sein mag, sondern sie hat mit ihrer Blöße nur das Kostüm gewechselt, das morgen schon wieder ein anderes sein kann.
Ich kann mir gut vorstellen, wie eine Gruppe von Nonnen die ästhetische Kreuzigung besucht und einige von ihnen sich an einen Traum erinnern, zu dem sie sich bisher nicht offen bekennen wollten. Außerdem warum soll die Frau durch die Kreuzigung nicht auch so nah an den Vater-Gott heranreichen wie der Mann, den trotz all seiner Sanftheit Jesus repräsentiert? Hier öffnen sich in dem symbolischen Akt jede Menge sexuelle und gendermäßige Assoziationen. Sexuelle und religiöse Symbolik werden untrennbar eins. Beide Momente transzendieren die Realien, auf sie sich entfernt beziehen.

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2 Gedanken zu “Marina Abramovic

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