Im Land der Sieger

Unser Wirtschaftssystem ist gewiss das effizienteste, das es gibt und gegenwärtig wird es von allen unsern Nachbarn lauthals in den Himmel gelobt, weil wir so gut und vorbildlich funktionieren damit. Im Innern aber belohnt es und lebt es von einigen Todsünden wie: Habgier, Neid und Hass, die man darin vor sich selber verbergen und gut tarnen kann. Diese Laster treiben es vorwärts, sie steigern das Bruttoprodukt, die Renditen und Marktgewinne. Insofern trifft das Wort von Papst Franziskus: „dieses Wirtschaftssystem tötet“ ins Schwarze. Insbesondere die Finanzwirtschaft rechtfertigt und prämiert ihre Profiteure und Gewinner mit immer noch größerem Erfolg und liefert auch die Ideologie dazu, mit der alles ins Reine geschrieben werden kann, und zwar möglichst in schwarzen Zahlen. Wer freilich abstürzt und scheitert, weil er entweder von Kriminellen gemobbt wird oder sich leichtsinnig verpokert, kommt kaum wieder auf die Beine. Er versucht es als Schicksalsschlag zu verstehen, als Pech, das in seiner Psyche wurzele, schon von früh an. Außerdem habe es immer schon Verlierer gegeben, das gehöre dazu, sie machen den Glanz der Erfolgreichen nur glänzender, sichtbarer noch.

Das Wirtschaftssystem macht die meisten, auch seine Sieger, dümmer und unmenschlicher, als sie jemals sein wollten. Doch es lenkt sie ab davon und wirft ständig kleine und größere Boni aus, mit welchen ihr Gewissen betäubt und getäuscht werden kann. Es bleibt nur der Weg nach Innen, zu Verzicht und Abkehr bisher. Doch jetzt dringen in dieses sanftere Reich der „schönen Seelen“ auch die Gewaltigen der Virtualität vor. Sie sind schon dabei und bauen den Menschen jetzt auch in seinem Inneren komplett um. Die Opfer bei Orwell wussten noch, was Freiheit ist und dass sie ihnen genommen wurde. Das wird jetzt bald nicht mehr so sein, die Opfer werden alle zu Marketern ihres Daseins umgekleidet und neu programmiert. Sie kaufen die Programme sogar selbst.

Man erkennt es heute schon an den Jungen, die sich vom technischen Fortschritt völlig versklaven und für immer dominieren lassen. Ob freiwillig oder nicht, über solche Fragen sind sie bereits hinaus und hinweg. Die Werte der Tradition reizen sie nicht mehr, bald werden sie sie überhaupt nicht mehr erkennen und verstehen.
Der Mensch darf nicht mehr zurückblicken, seiner Ursprünge nicht mehr gewahr werden wollen, das lindert seine Schmerzen, er nimmt sie nicht mehr wahr. Sein Los liegt in der Zukunft, dorthin muss er, in immer schnellerem Tempo. Dahin, nur dahin. Alles Vergangene bremst nur, hält auf und betrübt das Gemüt mit melancholischen, alten Bildern. Die Vergangenheit lasst sie doch, sie ist vergangen, verehrt jetzt nicht länger noch ihre Verstaubung. Der Hochkapitalismus baut ganz neue Räume, darin werdet ihr wie die Tiere im Luxus weiden und eure Erfolge genießen. Wie nichts.

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