Muttis Laden

Mutti, das gleichnamige Kasperletheater über Kanzlerin Merkel hat- na wer wohl?-die beflissen spätbürgerliche Frau Julie Zeh geschrieben und Hasko Weber, der Intendant des Weimarer Nationaltheaters, hat es inszeniert, in Recklinghausen. Das Stück ist durchaus kinderfreundlich gehalten,auch in einer braven Sprache, ohne Nacktszenen, ohne den guten Geschmack verletzende Szenen und in einer Hausfrauen-Art irgednwie doch auch satirisch gemeint. Nett, es geht nämlich auch um Fußball,auch Jogi Löw kommt vor, wenn er von der Trainerbank in Brasilien bei der Weltmeisterschaft mit Mutti telefoniert. Sie konnte nämlich nicht dabei sein, da daheim in Berlin gerade wieder eine Krise anbrach. Die Griechen brauchen ein neues Rettungspaket, Horst Seehofer wird vom Heimweh nach Bayern gequält, der dicke Gabriel hat Angst vor einem burnout, so sehr schwitzt er. Nett, wirklich oft zum Schmunzeln. Und überhaupt im Ganzen geht es, geht alles wie in Hausbackenhausen einigermaßen gesittet zu. Das muss man zugeben. Kein Skandalstück, nein, nein, Frau Zeh ist wirklich nicht Frau Jelinek, die sicher gleich wieder Ulrike Meinhof, Maria Stuart und das Nazimädchen Tschäppe mitten in Muttis Gemüse-Laden hineingestellt hätte. Bei Frau Zeh kommt immerhin nicht ein einziges Mal das Wort „ficken“ vor, auch kein Analverkehr, nichts Unanständiges in Muttis Regierungskreisen, Frau Zeh will- Satire hin und her- das Staatsheater wieder in die berühmte Bürgernähe rücken. Sie berät schließlich im Nebenberuf sowohl die Friedrich Ebert– wie auch die Adenauerstiftung in kulturellen Hoheitsfragen.
Es fehlten nur leider Heino, Boris Becker, Nena, die toten Hosen, Dieter Bohlen,usf. sodass der Event nicht von RTL II live übertragen werden konnte. Zu politisch, fand man dort, zu kopflastig, auch zu hoch-kulturell, nicht quotentauglich genug im Ansatz. Immerhin aber traten die Großkritiker der über-regionalen Presse alle an und mäkelten etwas geschmäcklerisch daran herum. Gut gemeint, meinten sie, aber im Ganzen zu wenig tragisch,auch nicht komödiantisch genug. Als reality-Theater fiel es ebenfalls durch, denn dazu hätte man einen anderen Regisseur gebraucht,etwa den beliebten Hugo Egon Balder oder wenigstens Hansi Hinterseer. Dann wäre vielleicht eine Unterschichten-Authentizität dabei herausgekommen. So aber badete man das künstliche Kind nur wieder im gereinigten Brackwasser von gestern. Sodass sogar die Jury des Theatertreffens von Berlin nur müde abwinkte. Aber ich denke, für den Friedrich Schiller -Preis im nächsten Jahr wird es für Frau Zeh – unter uns Schwestern und Brüdern- sicher noch reichen.

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