Nett ausschauen und nett reden

das ist die Stylingdevise fürs Fernsehen, damit Oma und Opa gut mitkommen und nicht schockiert werden. Auch zum Mitreden von Tante Erna und Onkel Robert darf etwas Strittigeres dabei sein.
-Dort behandeln feminine Männer, die ästhetisch dem Schwulenideal entsprechen, die weichen Themen der Gesellschaft, während energische, härtere Damen den Rüpeln und Schwaflern von Industrie und Politik dazwischen funken und ihnen Einhalt gebieten und strenge Zeitdiktate verordnen. Es kann alles auch kürzer gesagt werden, wenn etwas auf den Punkt gebracht werden muss,bevor die ältere Generation ihren Gesundheitsschlaf antritt, noch vor 23 Uhr.

Danach ist Dschungeltime, dann kann experimentiert und Extremes zur Sprache kommen, mitunter. Diverses und Kurioses aus Film und Showbusiness, Mode, Sex und Erotik. Jetzt kommen die Jungen dran, die Girlies und Gays, die gerne die Nacht zum Tage machen und den flotten Spruch lieben und pflegen. So entsteht aus diesem Mischkalkül ein Abbild dessen,was Pfaller, der Philosoph aus Wien, das gesellschaftliche Imaginäre nennt.
Nett aber bleibt dennoch alles, vom Fundament des Netten werden die verschiedenen Etagen des Spaßes erklommen. Denn Spaß muss sein, sogar der neue Literaturpapst, der ein bisschen aussieht wie früher die Viehhändler oder die Sparkassenleiter, muss bei allem Bier-Ernst, den er zu verbreiten bereit ist, mit seinen harten klaren Urteilen von gut und falsch, sogar dieser Schnellsprecher muss für seine Inszenierungen rund ums Buch immer nah am Gaghaften und Pointierten sich entlang hangeln. Auch der Kabarettist Dieter Nur, der bei aller wortwörtlichen Schärfe, zu der er es manchmal bringt, seine betont nette Maske durchhalten muss, wirkt wie der brave Schwiegersohn von nebenan.
Denn wir sind alle nett, nett ist unsere Grundhaltung, der Konsens, der alle und alles zusammenhält. Bitte, selbst im Profisport tritt heute kein betrunkener Krakeeler mehr auf, wie früher ein Helmut Rahn oder ein Paul Breitner, nein. So moderiert der Fernseher die Rivalitäten und Härten des Wettbewerbs und gibt uns zu verstehen, was früher schon Axel Springers Haus-Parole gewesen ist: „seid nett zu einander“,.was immer euch sonst auch aufregt und schmerzt. Im Fernsehen kommt nur das Nette gut rüber, das Lächeln in allen Facetten des gesellschaftlich Imaginären.

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