Dichter des Tao

Ich habe hier schon zweimal auf den neuen Gedichtband von Johannes Kühn hingewiesen. „Und hab am Gras mein Leben gemessen.“ Erschienen bei Hanser jetzt. Das Buch ist so schön und so vollendet wie alle seine Bände bisher und doch ist es neu, manchmal scheint mir ausgereifter denn je. Aber das ist mehr mein Gefühl als ein Urteil, das ich hinreichend zu begründen wüsste.
Johannes Kühn erlebt auf seinen Rundgängen im Stillen das harmonische Tao, er ist der Gegenwarts-Dichter des Tao. Gesellschaftsfern, am Rande des Universums, dessen Ursinn im Gedicht erfüllend, das Wunder im Kleinsten und Unscheinbarsten gewahrend, wie von ihm erzählend. Zum Beispiel von der Dämmerung:

“ Spät frisst ein Pferd das Gras im Tal,
ich meine,
es weidet alles Licht mit ab.“

Unverhofft die Bedeutung des Meinens, das ein Sehen, Beobachten einschließt, wenn das Licht abnimmt,immer schwächer wird.

Doch auch Angriffe, Bedrohliches ereignet sich immer wieder, wie in diesen kühnen ersten Zeilen des Gedichts Finsternis:

“ Mit schwarzer Wolfsschnauze kommt die Finsternis
ins Dorf, durchstöbert alle Gassen.“

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