Die todkranken Seelen

Glaubt man dem erschütternden Bericht der russischen Schriftstellerin Svetlana Alexijewitsch, dann steht es ganz schlecht um das russische Volk. Es fühlt sich, ähnlich wie die Deutschen nach dem ersten Weltkrieg, gedemütigt, verleumdet und herab gewürdigt vom Westen. Die Staatspropaganda Putins führt seinem Untertanen-Volk die Schuldigen vor, vergiftet es mit nationalistischen Lügen über die bösen Amerikaner und ihre europäischen Satelliten , die Putin deshalb vernichten soll. Denn nur die Wiederherstellung der einst im Sowjetreich so hohe und mächtige Bedeutung kann die russischen Seelen heilen und trösten. Dafür sind sie bereit Opfer zu bringen, denn die nationale Ehre ist den Russen weitaus wichtiger als die Wurst im Kühlschrank, schreibt die Svetlana. Ähnlich wie bei dem Muslimen Arabiens, – aber auch bei ins hierzulande, man muss den Migranten nur gut zuhören, – wütet in Russland wie in Teilen des ehemaligen Ostblocks die alte Pest des Nationalismus, die im letzten Jahrhundert
überall Tod und Verderben über Europa brachte. Natürlich steht der Feind der Russen, den die Lügenpropaganda täglich ausmalt und in die Gemüter bringt, nicht nur außen, sondern auch im Innern scheinen die Verräter überall am Werke zu sein. Besonders unter den Intellektuellen,den Liberalen und Homosexuellen sind sie aufzustöbern und am besten alle sofort zu erschießen. Schreibt die Svetlana. Der Schatten des Mörders Stalins geht wieder um in den todkranken Seelen..

Dazu passt, dass Putin jetzt gegenüber Frau Merkel die ukrainische Regierung anklagt, mit Gewalt über die unschuldigen, vollkommen friedfertigen Russen im Osten der Ukraine herzufallen und sie an ihrem demokratischen Protest zu hindern. Es ist grotesk, was ihm am Majdan als faschistisch galt, verteidigt er jetzt im Osten der Ukraine als demokratisch, friedlich und den Menschenrechten verpflichtet. Er dreht die Dinge einfach so um und hin, wie sie ihm ins imperiale Eroberer-Konzept passen und man spürt, er bastelt bereits an der Konstruktion eines Hilferufs, der ihn seine Kampf-Truppen losschicken heißt. Putin warnt Kanzlerin Merkel vor der Gefahr des Bürgerkriegs in der Ukraine.

Nicht dass ich jetzt glaube, der post-heroische Westen sage dagegen nichts als die Wahrheit, er lege seine Karten offen auf den Tisch, er habe sich nie eingemischt ,mit seinen handfesten, wirtschaftlichen Interessen. Nein. Doch dünkt er sich mit seiner Rhetorik der Demokratie und der Freiheit, gegen die offenbaren Lügen Putins als haushoch überlegen. Was hilft ihm das? Auch das ist nur gefährlich. Deshalb besteht er auf seinen Fallstricken der Verhandlung, die für morgen angesetzt ist und es ist geradezu rührend, wenn Steinmeier heute verkündet, morgen am Verhandlungstisch nicht zu erschienen, sei nicht erlaubt. Wer ist er, der Hausmeister Europas, der einen unschuldigen Kindergeburtstag ausrichtet? Man sieht jetzt das Unheil herannahen, ich sehe schon wieder blutige Operettenfiguren und maskierte Helden der Vorzeit wie sie Weltgeschichte spielen. Und in 100 Jahren wird wieder ein Historiker wie Christopher Clark kommen und schreiben, sie sind alle nur hinein gerutscht, niemand war schuldig, niemand wollte das Schreckliche wirklich verantworten. Sogar der Ex-Freak und rot-grüne Außenminister Joschka Fischer meldete jetzt sich wieder zu Wort. Er wolle kein Öl zur Weltfeuersbrunst tragen, doch müsse der Westen jetzt gewissermaßen schon auch Stärke signalisieren, Konsequenzen andeuten und dürfe nicht nur therapeutisch handeln.
Mein Gott Joschka, denke an Saddam, denk an Milosowicz, gegen zu allem entschlossene Heroen hilft kein liberales Gerede, das wissen die Amerikaner wenigstens besser als Du . Da es aber um die kranke gedemütigte Seele der Russen geht, die Putins Stärke bejubelt und ihn als Retter aus der Schmach anfleht, notfalls Krieg zu führen, müsste man wohl die Staatsprogaganda überlisten, um die Russen anders, noch viel viel besser aufzuwerten. Sie loben, ehren und sie, wenn es sein muss, sogar im Fußball gewinnen lassen. Ihnen irgend ein Siegergefühl zukommen lassen, das ihren verletzten Stolz wieder aufrichtet. Den alten stalinistischen Betondeppen haben sie doch auch immerzu gezähmtes Wild vor die Flinten geführt, damit sie sich über möglichst viele Abschüsse freuen und bis ins Greisenalter triumphieren konnten.
Nicht Diplomatie, nicht Therapie, nicht Krieg, nicht Gewalt- FANTASIE müsste man, müsste irgendeiner haben, der sie mit Macht ins vergiftete Spiel bringen kann. . .

Advertisements

Ein Gedanke zu “Die todkranken Seelen

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s