Die Gier

jahrhundertelang war sie als ein übles Laster, als eine Todsünde verschrien. Heute höre ich nur Gutes von ihr. Ohne sie kein Erfolg, keine Karriere, keine Wettbewerbsfähigkeit, kein Geld, keine Tore. Gier ist die treibende Kraft in allen Bereichen, von der Wirtschaft bis zum Sport, von der Schule bis zum Showbusiness. Die Gier, das zur Kardinaltugend umgewertete alte Laster, rückt jetzt alle Bereiche näher zusammen. Von der Kosmetik, oder von der Schönheitschirugie bis zum Sexbusiness ist es nur noch einen Katzensprung weit.
Darum steht heute z.B.schon in Bild am Sonntag das Angebot: „Testen Sie ihre Befähigung zur Domina“.
Beißhemmungen, Zurückhaltung, Schüchternheit – all diese Leistungsbremsen können jedoch heute durch enstprechende workshops und Therapien leicht behoben werden. Wer nicht angreift, kein Siegertyp sein will, muss sich nicht wundern. Jammern,Probleme und Problembeichten kriegen jetzt keine gute Presse, keinen Bonus mehr. Erfolgsstories, ob wahr oder erfunden, sind zielführend, gewinnbringend auf allen Märkten.
Jeder muss sich prüfen, welche spezielle Eigenschaft, Fähigkeit,Leistungschance er hat, um sie mit Gier zu betreiben. Wenn er nicht so intelligent ist, lässt sich vielleicht aus seinen Riesenfüßen etwas Originelles machen, ins Netz stellen und Rekorde brechen. Nichts ist unmöglich,sagte ein berühmter Marketingprofessor.

Gier ersetzt, vitalisiert, steigert grundsätzlich jede Motivationsstruktur. Bald wird es Gierkurse geben in den Hoch-und Volkshochschulen. Giercoaching wird ein top bezahlter Branchenrenner werden. Denn jeder hat die Gier in sich, er muss nur die alte Scham überwinden und sie rauslassen,in sich befreien wie einst den sprichwörtlichen „Schweinehund“( Volksmund.)
Aus alten Fehlern neue Alleinstellungsmerkmale kreieren, so heißt das Gebot der Stunde. Auf den Putz hauen ist eine neue Zier, ist Popp und top, immer auch quasi-ironisch abgefedert.
Das Christentum, die alte Wahrheitstante mit den tristen Formeln ist out, Gift für den Wettbewerb auf allen Ich-Märkten. Kein Ich ist heute mehr authentisch, auch wenn es so tönt, natürlich. Jedes und alles ist verkäuflich.
Wer dagegen anrennen will, muss sich nicht wundern, wenn er im Armenhaus landet. Und daraus zu entkommen ist bekanntlich sehr, sehr schwierig.

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8 Gedanken zu “Die Gier

  1. Ja, vieles erhält sich nur im aufgesetzten Trötwahn deren dumpfseliger Miststückheit. Selbstbetäubend deren eigener Worte, deren eigener Sinne, und immer die geifernde, brünftige, Weibergrotte als vermeintliche Vernunft. Bei derselbigen Benennung als „Rollbraten“ regt sich der gekaufte, ja vielmehr gedungene, Intellektualismus auf, bei Mystifizierung desselben als Wesensheit ebenso. Vermeintliche Wissenschaft hat mit dem entfesseltem Doofwahn deren selber neuerliche Dimensionen der Explikation geschaffen dessen alle anderen vermeintlich nachzufolgen bzw. deren eigentliche Arroganz des Kriminellen zu beantworten bzw.´zu denken´ hätten. Milliarden um Milliarden finanziert sich das übliche nazistische Verbrechertum seit ehedem und jeher.

    Das von Ihnen bemerkte Mysterium ist gar keines mehr, eigentlich war es auch noch nie eines, eines das wirklich bestand, sondern immer nur die verallgeminerte Verbrämung, die Arabeske der demütigen Wirklichkeit der Leute, Willkürlichkeit in schönen verwundenen Formen, vermeintlich Unbeschreibliches als Hinweis, als in Stein gemeißeltes, der Teilnahme. Diesem und solchem drängt sich das Pack auf, dem nächsten und nächsten Hit der Gewohnheit.

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  2. neib, ich behaupte nichts von Mysterium, die Gier war immer da, klar. Nur, dass sie jetzt ungeniert gerühmt und als wertvolles Rezept zum Erfolg behandelt wird, das scheint mir bemerkenswert. Der Müller vom FC Bayern sagte gestern, die Dortmunder hätten viel mehr Gier gezeigt und auch gehabt. Was mag Müllers katholische Oma wohl sagen,wenn sie das hörte?

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  3. War es nicht „Borussia Dortmund“ welche das ´Fußballverein-Konzept AG´ eingeführt hatten. Oder war es doch ´Schalke 04´. Zu Müller’s katholischer Oma müssen se die fragen ~hihi.
    Ja, Sie behaupten nichts vom Mysterium, überhaupt gar nicht. Ist wohl doch alles ne Liebäugelei auf der Promenade.
    „Gier, Gier, noch mehr Gier!“ etwa so der ungenierten Gerühmtheit?

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  4. ja ich weiß, ich bin auf der Promenade zu Haus, während Sie in den Stahlhüttenwerken des harten Ostblocks Ihre politischen Erfahrungen sammelten einst. Das macht den Reiz unseres Austausches aus. Sie der Veteran der Klassenkämpfe,ich der Liebhaber von Kurkonzerten.An der Oberfläche sieht das immer wieder so aus.Natürlich.

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  5. Outsch Kurkonzerte – grrr (ohne Kurschatten sowieso nicht). Tja, der gute Auguste Renoir, wie

    , nur der hat Wert auf die Interpretation´ gelegt, aus welchem Anspruch dessen auch immer, während dessen auch er nur, was denn insofern sinnfällig genug war, das Motiv abmalte. Durchaus, Renoir hatte schöne Bilder ´des Milieus´ gemalt, durchaus in kritzistischer Hinsicht der Bidermeierzeit, z.B. wo der Freier der Nutte diese dann auf die Promenade ausführte um die ´Beweisfähigkeit´ deren Schläferstündchens zu sichern. Insofern halte ich’s gewisser Maßen etwas mehr mit jenem Van Gogh Bild:
    . Sie wissen ja das LSD und die Pilze und so… obwohl ich die heute auch alle nur noch für Hirnverblödete halte/einschätze ~ was mithin mehr der Wahrheit entspricht. Nicht das Sie denken ich würde mir nicht ab und an mal nen anständige Haschisch-Zigarre gönnen.

    Dasmit dem Stahlhüttenwerken desharten Ostblockes stimmt so nicht. Meine dies bezügl. hatten verschiedentlichen Ursprung. Einmal ist das ´Eisen-Kohlenstoffdiagramm´ eine interessante Rechenaufgabe. Des weiteren war in China ja jener ´Große Sprung nach vorn´ was mich brennend interessierte inwiefern da damals das Problem der ´Eisegewinnung´ gelegen hatte. Und- Sie werden es wohl nicht glauben- politologisch hatte mich die ´Eisenhütten´-Fabrikationen in Amerika-USA besonders beeindruckt. Deren Stahlwerke waren mindestens doppelt so groß wie jegliche in Europa ~ das war das Problem. Sie haben überhaupt keinen blassen Schimmer- wie viele andere solcher – von all den ´Zumessungen´.

    Nur bitte was hat das mit dem Thema „Die Gier“ zu !???? der übliche bullshit, und selbst das nicht ~ natürlich. „Gier“, ziemlich „gear’ig“ ~ ich weiß „unser schönes Deutsch“ – gröhl. Für gierig halte ich all die neuerlichen „Tarifabschlüße“ für die Beschäftigung von dem anderen Material aus dem Zirkus für Arme ~ gehen wir nen Runde ficken, weil wir uns das Kulturprogramm nicht leisten können. Überhaupt, ist ja auch sinnvoller. Denn freilich, „wir leben in einer Konkurrenz-Wirtschaft des Kapitals“ ~irgendwie so. Dazu fragt sich was jenes des Darvinismus-Schwachsinn ist. Malthus-Gesellschaft? Das wäre noch mehr ´Kolonialistische Ideologie´ der übelsten Sorte. Nun – die Kindergarten-Provenienz ist in diesem Sinne überaus prekär … denn nur das ist denen der Fall. „Die Kinder!! und die Gier“, aber Sie umschreiben ja wieder in Ihrem lasziven Jargon jene ´biologische Angestammtheit´ des ´umzu Zweckes´ in, denn nicht, feuchtfröhlichen Transpositionen. Ein alter 146 IQ-ler vom Dorf, ein Thomas, warf mir vor einigen Jahren mal vor ich wäre „gierig“, seitdem sind wir prinzipiell geschiedene Leute ~ was für ein eigentlicher Vollidiot im Wahn. Schauen Sie sich den Saustall von allenthalben Dumpfschissen an. Auch erinnere ich mich an einen Uwe Grunewald, damals Genosse, der sofort loßbläkte als ich die Suppe auf dem Tisch verteilen wollte „Andreas muß natürlich wieder mit der Suppenkelle essen!“ gut 40 Jahre her, unvergessen. Und so ist die affektierte Unterscheißdreckstücktype auch in eigentlicher Wahrheit immer gewesen. Wirklich ein seltsames Wort „Gier, die Gier“ ~ richtig gierig die Gier.

    Nun ja, da werden sich aber Ihre z.Z. 44 Blog-Freunde wieder überaus reichlich zu äußern.

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  6. Ja ´die Gier´ ist etwas sehr zweifelhaft Scheußliches, ein widerliches Wort der zumal idiotischen, ja dumpfverblödeten, Bedeutung. So unsinnig wie kreatürlich gegeben, denn so unbestimmt und doch so hochgehalten als ´Achtung´ vermeintlicher Imperativität. So verdammt wie triebhaft. Das ist das üble, das Übel, dessen solchen.
    Es ist ja so das die sog. ´Sozialhilfeempfänger´ alle fast am verhungern sind, wärend sich die Medien-Ärscher die Plautze dick und fett fressen, dazu noch einen auf ´Killer´ machen, was die Weiber freilich umso mehr ´erregt´. Es ist ja so das die Leidenden den Hals nicht wirklich vollkriegen wollen, denn insofern deren Existenz von der Hand in den Mund lebt. Gier ist so übersteigert- und zwar durch Gutes wie Böses – das es eigentlich schon deshalb ein Unwort ist. Was unterscheidet schon ´Gier´ von ´Not´? Was unterscheidet den ´bunte Schein´ (auch bezügl. der Bilder) von dem unseligen Getriebe, ich meine Getreibe, was eigentlich verlassender Hintergrund der Ereignisse solchem ist?

    Eine angenehme Woche…
    Mithrahee

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