Vom Donau-Kommunismus bis zum Vilja-Lied

Ende der 70er Jahre sollen die Sozialdemokraten Wehner und Brandt sich sehr amüsiert haben, als die wie alte Kommunisten verkleideten Studenten auf Anstellung beim zahmen Staat der Bundesrepublik Deutschland pochten, den sie mit der faschistischen Diktatur Hitlers verwechselten und darum mit „Gewalt gegen Sachen“ sogar umstürzen wollten. Einer dieser politischen Romantiker startete kurz darauf eine Schulkarriere als Realschul-Referendar für Geschichte und Deutsch und wurde von einem strikt bürgerlichen Schulleiter prompt bei der Agitation der Schüler ertappt und entlassen; aufgrund des damals sogenannten Radikalenerlasses, der Kommunisten grundsätzlich den Aufstieg im Lehramt verwehren sollte . Daraufhin brach sich eine gewaltige Solidarisierungswelle los, von der Lokalzeitung befeuert und von zahllosen Liberalen unterstützt, die auch einmal Flagge zeigen wollten, um bei dieser Gelegenheit ihre verwaschene Toleranz zur Schau zu tragen, die sie auch heute noch gegen radikale Islamisten und andere Vertreter der Verschrobenheit gerne pflegen. Man konnte glauben, ein neues Märtyrertum sei eingetroffen, so eifrig und fanatisch zitierten liberale und radikale Mitläufer den Thomas Man, der bekanntlich einst in den 50er Jahren schon vom Antikommunismus als von einer „Grundtorheit der Epoche“ gesprochen hatte.

Kurz, der als Kommunist und als radikal linker Humanist enttarnte Mann genoss über Nacht eine Zuneigung und Sympathie, die er sonst auf anderem Wege als dem der Verfolgung wohl nie im Leben hätte erreichen können. Man hätschelte ihn, fing ihn sanft auf und gab ihm neue Ämter bei der Stadt, zumal er mit dem damaligen SPD Oppositionsführer, der 10 Jahre später schon zum OB gekürt wurde, von Jugend an eng befreundet war.
Der gute geschasste Kommunist wandelte sich bald und aus Dankbarkeit zum damals gerade in Mode gekommenen Kandidaten der Grünen und zog wenig später in den Stadtrat ein, wo er mit seinem Soziologenjargon den vierschrötigen, schwäbischen Provinzlern mächtig Eindruck zu machen verstand. („I verstand ihn zwar oft nicht, aber ich glaub gescheid isch der scho.“)

Er vollführte noch ein paar steile Kurven im politisch schütteren Aufbruchsgelände der 80er Jahre und landete wenig später dann zunächst als linker Flügelmann bei der SPD seines alten Studienfreundes und Gönners. Nebenher gründete er das alternative Jugenkulturzentrum Roxy und legte von da an eine kommerzielle Pleite nach der anderen aufs spektakuläre Lokal-Parkett. Da er sich seit seiner Vertreibung und Verfolgung als Schulmann viele Freunde bei der Südwestpresse zulegen konnte, vertuschten diese, noch immer soldarisch mit ihm, seine Inkompetenz als Geschäftsführer, und zwar stets mit der bald legendär werdenden Ausrede, er mag finanztechnisch nicht das größte Talent sein, aber als Ideengeber sei er aus der Stadt, die ihm große kulturelle Perspektiven verdanke, einfach nie mehr wegzudenken. Was wäre eine Stadt wie Ulm ohne einen Kulturmacher wie ihn, hieß es jetzt überall, er sei in der schwäbischen Provinz solch ein Leuchtturm wie der große Hilmar Hoffmann für Frankfurt am Main, sodass er mit starker Rückendeckung seinem von ihm angerichteten Roxy-Schuldenberg glücklich entfliehen konnte, hin zu seiner nächsten Idee, aus der Donau mehr zu machen als einen bloßen Freizeit-Fluss. Die Donau könne man „super“ vermarkten und sozusagen von Ulm aus eine kleine regionale Außenpolitik mit allen Donauländern, bis hinunter zum schwarzen Meer initiieren. Unter seiner Federführung natürlich. Seine Idee schlug ein, bis ins rechte konservative Lager und so stampfte er bald eine großes Festival aus dem Boden und lud alle möglichen Berühmtheiten vom Balkan, wo damals noch ein blutiger Bürgerkrieg tobte, und aus Ungarn, den ewigen Jadgründen großer Operetten und Filmen, hierher nach Ulm ein. Und obschon er von den beiden Städten Ulm und Neu Ulm mit einem großen Etat unterstützt wurde und auch führende Industrielle und Marktführer der Region ihm ihre Geldschleusen öffneten, machte er sich bald schon wieder einen Namen als Schuldenkönig und Etat-Greenhorn, das einfach mit keiner noch so enormen Summe klar kam und jedes Mal die Budgetgrenzen überschritt. Das ging so weit, dass man einmal sogar einen anderen Kulturmacher von auswärts bestellte. Doch da überschätzte man unseren einstigen Märtyrer in seinen Fertigkeiten zur Intrige gröblich. Denn es gelang ihm sofort, im Bunde mit seinen Zeitungsfreunden und anderen grün-roten Sympathisantenzirkeln, den guten Fremden wieder aus dem Sattel zu werfen, noch bevor dieser recht anfangen konnte mit seinen Plänen und Konzepten, und wieder seine alte Position als Donaubürodirektor und Festivalleiter einzunehmen. Natürlich konnte er sich inzwischen durch seine vielen Reisen in das internationale Donaugebiet viele Bekanntschaften und Freundschaften erwerben, vornehmlich unter den alten Kommunistenkadern in diesen Ländern, weil diese ehemaligen Appartschiks nun ein ähnliches Problem hatten, wie er es doch auch gut kannte. Sie mussten sich neu einkleiden und als frisch gebackene Demokraten tarnen, um ihre alten Schweinerein im kalten Krieg so gut wie unsichtbar zu machen. Dadurch entstand mancher Deal, der unserem Mann von der Donau zupass kam. Durch diese neuen Beziehungen mit den versteckten Altkommunisten auf dem Balkan, in Bulgarien und Rumänien kam er nun zum Schnäppchenpreis an manchen internationalen Star und Artisten heran, welche er sich ohne seine Codekenntnisse und Verbindungen mit der Terrorwelt von vorgestern wohl niemals hätte leisten können. Aber trotz dieses Vorteils vertat er sich wieder und wieder in den Finanzen, die man ihm anvertraute, sodass allmählich ein großer Unmut vor allem in der Stadtverwaltung gegen ihn aufkam, und auch die Zeitung es immer schwerer hatte mit ihrer Unterstützung seiner Rolle und Person. Im Stadtrat kam es immer öfter zu Geschrei und Gezänk, sodass auch sein alter Freund und Gönner allmählich in eine Bredouille hinein geriet, die sein Amt und seine große Popularität „bei seine Leit“, wie er gerne sagt, hätte am Ende noch beschädigen können. Das musste verhindert werden, also gab er dem Drängen in seiner Verwaltung nach, dem guten Mann, der wohl nie ein gutes und getreues Verhältnis zum Geld bekommen würde, einen Finanzvorstand vor die Nase zu setzen, der die Ausgaben und Einnahmen einer strengen Kontrolle unterwerfen sollte. Und wer war da wohl geigneter als der Finanzbürgermeister selbst, ein schlichter Mann aus der Provinz mit Aufsteigerambitionen, und naturgemäß von engem kleinbürgerlichem Geiste, wofern das Wort Geist hier überhaupt einen Sinn haben könnte. Dieser Ordnungsmann würde jedenfalls schon dafür sorgen, dass die ständige Verschwendung ein Ende nähme. Doch auch das gelang nicht auf Anhieb, denn der Kämmerer hatte so enorm viele Aufgaben zu bewältigen und konnte nicht täglich nach den Rechten sehen und beobachten, welche Rechnung und welchen deal unser Donaudirektor wieder irgendwo unter einem der Teppiche oder in einer Amts-Schublade verschwinden lassen würde. Also beschloss er noch einen Vorposten zu besetzen und zwar durch eine äußerst biedere Frau vom Lande, die bisher schon gut im Industriellenverband an der Iller irgendwo als Sekretärin und Buchhalterin fungierte. Diese Weibs-Person instruierte der Kämmerer folgendermaßen: „Jetzt passens auf, es spielt keine große Rolle, was Sie von der Kultur an der Donau verstandet, ich weiß do auch nicht ganz viel, aber das kommt schon mit der Zeit, sondern ich brauche Sie, dass sie das Finanzgebaren unserer Sorgenkindes genau beobachten und schauen welche Verträge und Geschäfte er abschließt, ob er Rechnungen verschwinden lässt und anderes mehr, dessen ich ihn schon lange verdächtige, ehrlich gsagt, gell. Und wenn sie sowas beobachten, sie können ja gern, wenn er wieder außer Haus ist, auch einmal genauer seinen Schreibtisch inspizieren, das würde ich ihnen sogar raten, dass Sie mir jedes Mol sofort melden..was da passiert. Sie vesrabndet nie scho richtig..oder?
Ich stelle Sie jetzt mal auf Probe ein, ein halbes Jahr und wenn Sie mir entsprechende Ergebnisse bringen, dann sorge ich dafür dass sie eine feste Anstellung bei uns in der Stadt bekommen, na ist das ein Angebot?“ Sie strahlte, die kleine brave Frau, die soeben als Spitzeline engagiert wurde. „Ach, ja und was Sie noch wissen sollten, ist das, dass der gute Mann ein Busenfreund unseres Obs ist, der ihn bisher jedes Mal aus jeder Schlappe wieder rausgerettet hat, und des sttinkt nicht nir mir..Alte Amigo-Connections, verstehen Sie,“ zwinkerte er und die Frau vom Land schaute treuherzig zu ihm auf, was hatte der ihr gerade für ein großartiges Angebot gemacht, sie brauchte nur ein bisschen den Dienst eine Aufsicht versehen und schon wäre sie in einer Stellung, die ihr am Ende ein gehörige Pension einbrächte. So nach und nach kapierte sie ihr künftiges Glück und richtete gleich ihrem Amtssitz erst einmal gemütlich ein.
„Aber das bleibt unter uns“, sagte der Kämmerer und verabschiedete sie mit seinem wie immer etwas laschen Händedruck.
Hier an dieser Stelle ging unser Mann in die Falle, nicht zuletzt deshalb, weil er als Alt-68er Kommunist schon immer ein so fatales sentimentales Verhältnis zu allem Weiblichen unterhielt. Erotisch drohte ihm von dieser etwas altbacken daher kommenden Kleinbürgerin mit Dauerwelle zwar keine große Gefahr, aber er glaubte sie mit seinem verquasten Soziologen-Gelaber einwickeln zu können wie all die anderen jüngeren Miezen, bei dem ihm das oft gelang. Die neue Spitzelfrau aber verstand ihn gar nicht und nahm alsbald ihre Wühlarbeit auf. Sie täuschte ihn, tat sehr harmlos und zuckersüß zu ihrem Bürovorsteher und kam ihm bald erfolgreich auf die Schliche. Jede Woche erschiien sie mit neuen Beweisstücken gegen ihren Donau-Chef vor dem Kämmerer und durfte bald hoffen, in wenigen Monaten am Ziel einer Festanstellung bei der Stadt anzukommen. Dass sie aber, nachdem sie ihr Objekt zu Fall brachte, gleich seine Stelle einnehmen durfte, davon hatte sie noch nicht einmal geträumt. Jetzt war der Spik zu Ende der Pleitegeier vom Dach des Donaubüros endlich vertrieben. Jetzt wurden die kulturellen Sprüche herunter gefahren auf das volksdümmliche Niveau, das die Leute auch gut ästimieren und verstehen konnten. Volksmusik und Fresstempel, das Vilja-Lied zum Cevapcici war zu organisieren, das war machbar zu soliden Kosten. Überall lobte man jetzt die biedere Frau, die demnächst mit vielen gleichgesinnten Frauen den Verlauf der Donau sogar mir der Stricknadel nachschaffen will. Das kommt sicher gut an.
Doch der OB und sein Liebling mussten sich neue Dinge ausdenken Sein Amigo musste sein Ant aufgeben und dafür ein neues erhalten, ganz allein für sich ein Büro im Rathaus erhalten, wo er viel telefonieren könnte mit Brüssel, den Donaustädten und Berlin, und als politischer Donauberater beider Donaustädte und ihrer Bürgermeister. So wird seine Karriere sanft zu Ende kommen, die einmal so stürmisch und die Massen bewegend begonnen hatte.

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