Kultur an der Donau und überall

…Fußballprosa las ich heute schon irgendwo im Internet. Sehr schneidig, sehr geschmeidig und spannend fängt er an:

„Es lief die Nachspielzeit, Stuttgart führte 1:0 und 50.000 VfB-Fans sahen genau das, was sie in dieser Saison schon so oft gesehen hatten: Einer ihrer Spieler leistete sich einen schlimmen Fehler, ein anderer schaffte es nicht, den Ball aus der Gefahrenzone zu befördern, und das Verhängnis drohte, seinen Lauf zu nehmen.“

So wünscht ich mir das Kulturfeuilleton, wo leider stattdessen die Tantenhaftigkeit regiert.

Hier an der Donau haben die Stadträte beider Städte Ulm und Neu Ulm das Programm für das Donaufest am 4. Juli einstimmig begrüßt. Es ist ein normales Kunst-Programm, kann man sagen, ein Programm, das der Bürger und die Bürgerin sofort versteht. „Diamanten der Musikszene“ aus Rumänien sollen präsentiert werden. Auch auf die Ukraine wird wegen der Aktualitäten ein Schwerpunkt gelegt sein und viele Treffen des Miteinander in den Donauländern, wo neben dem Elend eben auch die Lebensfreude wieder weiter wächst. Ein Fest der Kooperationen, der wissenschaftlichen Referate und Theaterstücke aus dem Balkan. Und das alles nur für eine knappe Million. Die Rechnung hatte Hand und Fuß, die Buchhaltung der Donauchefin war 1 A. Preisgünstige Angebote mit internationalem Charakter. Tadellos. Europaflair selbst in den Dekorationen. Das wird auch der Bürger und die Bürgerin sofort verstehen. Die Stadträte hüben und drüben waren -für ihre Verhältnisse- schier begeistert.

Natürlich, lasst sie nur im Mittelmaß ertrinken, wir leben kulturmäßig bescheiden, wir wissen, dass wir Kultur für alle machen müssen, für Jung und Alt, besonders auch für die Frauen, ein politischer Schwerpunkt muss sein: Homophobie auf dem Balkan. Dazu muss es eine eigene Plattform geben und ein Forum für Diskussionen und Lesungen international moderner Homosexueller. Darauf liegt nicht nur ein Schwerpunkt auf der Plattform, sondern ein eigener und internationaler Focus.
Die Züge gehen jetzt allgemein in dieselbe Richtung. Minderheiten stellen sich vor. Die Mehrheit kann sie kennen lernen. Mehr als 23 Angebote.
Der gesellschaftliche Konsens wird kulturmäßig eingeprobt. Ich versteh das schon, aber ich kann mich geschmacklich daran nie gewöhnen.
Mir ist das alles viel zu bieder, zu gewöhnlich, abgeschmackt eigentlich, verwesende Kultur.

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