Wo geht’s zum Ausgang der Komplexität?

Wie kommen wir nur aus dem Unernst wieder heraus, in den wir hinein geboren wurden, nach einer Katastrophe, wo das Schlimmste keine Steigerung mehr vorstellbar machte. Brauchen wir eine neue Katastrophe, einen Krieg, der uns den Spaß verscheucht, dessen Gefangene wir inzwischen sind? Ich studierte heute wieder einmal die BILD-Zeitung und entdeckte hinter all dem schrägen Deutsch, den Oberflächen und Sensationen der Welt eine tiefe Ratlosigkeit, eine Stimmung, dass alles umsonst sei. Alles, vom tragischen Verbrechen bis zum Fußball, Stoff fürs Zuschauen und Abwarten. Keine innere Zukunft scheint mehr darin. Kein Wille zur eigenen Form.
Mit einer großen Kultur hinter uns, haben wir nichts mehr vor. Nur Nachahmung, Wiederholung, nichts, das auf Neues hindeutet, außer der blendenden Technik, die uns Menschlein jedoch nicht mehr braucht. Denn wie öde wird es mir jedes Mal, wenn ich einen Kultur-Guru nach dem anderen wie einen Verkäufer von Goethe, Shakespeare, Dostojewski, die großen Erfindern des Menschlichen, schwärmen und mit beliebigen Superlativen anpreisen höre, so als bräuchten wir sie als Geschmacksberater, als riesige Krücken, mit welchen wir wenigstens etwas über unsere Geld-und Gierprobleme hinaus sehen können?

Alles schon da gewesen, unsere Lage erkennen wir nur im Vergangenen, nicht etwa aus den Turbulenzen unserer Gegenwart. Diese hat uns mit ihrer Komplexität über den Haufen gerannt, abgestumpft und müde gemacht.
Aber man höre, es wird erzählt: Wir gut therapierten Konsensdeutschen hätten wieder eine gewisse Größe erreicht, wären erneut ein Machtfaktor in Europa.
Aber Moment, ruft ein Störenfreid, dazu haben wir weder die richtige Kleidung, noch ein taugliches Rollenbuch. Geschweige denn Wörter, die Berge versetzten.
Man bringt den Kerl unsanft hinaus.

Lange Zeit haben wir den Unernst mit Schauspielerei übertüncht. Der Feind leih uns dazu sein grimmes grobes Pathos. Heute noch denke ich, wenn ich einen Staatsmann oder eine offizielle Quotenfrau auftreten sehe, wo steckt der Mensch in den Rollen von gestern? In den Fernsehstudios entzieht und beschränkt man ihm nicht nur die Zeit, sondern beraubt die Darsteller auch ihres Geruchs. Man sieht weder, noch riecht man den Menschen in den hypertrophen Masken.
Ich hatte Glück, dass ich noch einige Male die originalen Schauspieler wie Will Quadflieg oder auch Martin Held und Agnes Fink erleben konnte, sie brachten ein altes Pathos zurück, bis in die 70 er Jahre hinein, dass ich ganz klar hören konnte, hier atmet der Ernst der Vorzeit zum letzten Mal. Hier endet die Zukunft einer Vergangenheit, jetzt beginnt die endlose Müdigkeit, die viel Ablenkung braucht, Spaßkultur und Amerkanismus.
Das heißt wir müssen, um zurückzufinden, ich sage jetzt nicht zu uns, denn „uns“ ist ein hohles Wort geworden, -ich erinnere nur an den letzten SPD Wahlkampf mit der Parole WIR. Kein Hund wurde mehr hinter dem Ofen gesehen- Augenblick, wo war ich stehen geblieben? Ach ja, es wäre wohl notwendig, auf das Amerikanische in der deutschen Mentalität zu reflektieren, und mit diesen albernen, anti-amerikanischen Ressentiments aufzuhören. Denn wer wären wir denn noch, wären wir nicht halbwegs zu deutschen Amis geworden?

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s