Der Biermann, Wolf

ja, er ist noch immer munter, wie man ihn kennt. Beherzt und selbstbewusst gibt er der Südwestpresse heute ein Interview. Leider ist der Interviewer Herr Kanold, dem wie immer nicht sehr viel einfällt. Aber das ist bei Biermann nicht so schlimm, er sagt ohnehin von selber, was er uns erzählen will. Er ist seit 30 Jahren mit Pamela verheiratet, mit der er nun auch überall auftritt, singt, gröhlt und erzählt, predigt und herumalbert auf der Bühne, wie es seine Art ist. Pamela kann sehr gut singen,sagt er, sonst träte er doch nicht mit ihr auf. Der Herr Kanold kann wirklich doof fragen. Statt der anwesenden Muse vom Wolf ein artiges Kompliment zu machen, fragt er den Biermann, was er von seiner Frau musikalisch hält.

Pamela hat die Liebesgedichte doch heraus gesucht. Viele der Gedichte sind doch an sie adressiert. ((Mensch Kanold, das konnten Sie doch vorher wissen. ))

Die Premiere war übrigens im alten Brecht-Theater, dem Berliner Ensemble. Und Brecht und Heine dichten noch immer weiter in ihm, wenn er auch den strengen utopischen Kommunistenglauben nicht mehr  ganz hat. Biermann ist tatsächlich liberal geworden. Er lebt in Hamburg und glaubt nicht mehr, dass die Bundesrepublik aus lauter fiesen Kapitalisten-Knechten besteht. Jedenfalls würde er das heute nicht mehr so plump formuliert singen.
Vieles bleibt ja trotzdem richtig am Marxismus, darum plagen ihn auch keine Skrupel, das Nötige über den Schuft und Stalinisten Putin deutlich zu sagen. Ja, er verfertige noch immer politische Lieder und Balladen, aber mehr aus Gewohnheit, nicht mehr mit den Feuer von früher. Das Schlimmste sei für ihn jetzt, Prosa schreiben zu müssen, Memoiren,seine Frau gäbe damit keine Ruhe sonst. Prosa schreiben könne ja heute jeder Dussel, (ob es hier leicht in Kanold zuckte?), aber gleichzeitig sei es „ das Allerschwerste für einen, der gut Deutsch kann wie ich.“

Natürlich, Biermann ist ja schon seit Jahrzehnten in all unseren Schulbüchern vertreten, die Deutschlehrer meiner Generation lieben seine Texte, sie sind so gut zu interpretieren, für die Schule, sagen sie.
Schließlich kommt er noch auf die Legende mit seinen Eltern zu sprechen, die hier im Süden längst wieder in Vergessenheit geraten sein könnten. Biermann hat spielfilmreife, ideale Eltern gehabt. Seine Mutter war eine mutige kommunistische Priesterin, sein Vater ist als Widerstandskämpfer in Auschwitz zu Tode gekommen. Mit dieser Herkunft konnte er sich sehen lassen, hüben und drüben, im kalten Krieg, und viele Plus-Punkte einfahren. Sein Märtyrer-Vater spricht in ihm weiter. Immer noch, zu uns allen, als „moralische Instanz.“ Biermanns Leben ist eine dokumentarische Legende, er sollte seine Memoiren in Märchenform schreiben, finde ich. Es ist eigentlich kein Stoff für die reine, deutsche Prosa.
Aber seien wir mal gespannt!!

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