Heideggers Fluch und Glück

Den Denker Heidegger, der sich zutiefst in die deutschen Sprachschätze verbuhlt hat, traf das Unglück von einer verderbten Literatur ausgehen zu müssen. Diese verführte ihn schließlich dazu, Vokabeln der Nazis – wie Blut oder der Führer- zu benutzen, die ihn, bevor die Barbaren an die Macht gelangten, kaum interessierten. Zu seiner Rettung konnte er die letzten Jahrzehnte, das begann mitten in der Nazizeit, beim Dichter Hölderlin Zuflucht finden. Dem edelsten und nobelsten der deutschen Sprachkünstler. Friedrich Hölderlin übersetzte und dachte das Deutsche übers Griechische zurück und verlieh der Sprache so den reinsten, ereignishaften, einmaligen Glanz.

„Rings um ruhet die Stadt; still wird die erleuchtete Gasse,
Und, mit Fackeln geschmückt, rauschen die Wagen hinweg.
Satt gehn heim von Freuden des Tags zu ruhen die Menschen,
Und Gewinn und Verlust wäget ein sinniges Haupt „

Daran, an diese Sprachhöhe und ihr Glück knüpfte Heidegger in seiner Rückkehr zu den Vorsokratikern sein deutsches etymologisches Deuten und Denken. Sein „Feldweg“ ist bukolische Fantasie, vom poetischen Geist erfüllt. Heidegger ist ein Denker für die Dichter geworden.Die anderen flicken ihm nur am Zeug oder vergötzen ihn immer von neuem..

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Ein Gedanke zu “Heideggers Fluch und Glück

  1. Heidegger u. die Barbarei. Warum Hölderlin?

    M.E. intuitiv richtig gesehen! Heidegger dachte wohl von Anfang an mehr als Dichter als als akademischer Philosoph. Dies ist wohl eines der Geheimnisse seiner Magie, aber auch seines Rufes ein kompletter Scharlatan zu sein.
    Was gab Hölderlin selbst als Anlass seiner Dichtung und seiner Weltflucht an?

    Hölderlin, Hyperion:
    „So kam ich unter die Deutschen. Ich forderte nicht viel und war gefaßt, noch weniger zu finden. (…)
    Barbaren von Alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark (…).

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