Der Gysi

Gregor Gysi, der kleine Große in der Manege, hat eine gut sichtbare Schwäche für die Frauen. Er vergisst sie nie, lässt ihnen immerzu den Vortritt : Den Verbraucherinnen, den Demokratinnen, den Sportlerinnen. Das Dumme ist, dass er nicht weiß, dass die Frauen sich im deutschen Plural nicht gut schmeicheln lassen. Sie fühlen sich in der Vielzahl nicht besonders wohl. Männer sind es gewohnt in Gruppen aufzutreten, im Kollektiv aufgerufen und bezeichnet zu werden.
Doch woher kommt es, dass selbst im Frauensport von Mannschaft geredet wird und nicht etwa von Frauenschaft. (Eh nur ein Naziwort.) Ist hier eine Gender-Reform notwendig?

Gysi müsste also schon den Schneid haben, die einzelne Frau herauszuheben, der Verbraucherin typische Farben zu verleihen, ein schöneres Kleid anzuziehen oder die Zuschauerin direkt vom Studio aus anzusprechen, statt immer nur von den Zuschauerinnen zu reden. Das verpufft, versendet sich rasch.

Natürlich gefällt er den Müttern und Tanten trotzdem sehr gut. Wegen seiner Bubenhaftigkeit, seiner Keckheit und Schläue. Aber er will ja auch dem Rest der Frauen gefallen, den Schauspielerinnen, den Arbeiterinnen und Verkäuferinnen. Den Damen der Intelligenzia.
Sie sehen ihn gewiss ganz gerne, auch wenn sie oft die Geduld verlieren für seine Winkelzüge, irgendwie ist er doch erfrischend anders. Sagt man. Sagen viele Frauen, die in Männern nicht ausschließlich die Hengstnaturen suchen und verehren.
Auch die normalen Männer in den Medien versuchen ihn zu umgarnen, sie wissen mit Gysi als Gast kommen auch sie besser rüber bei der Masse der Frauen.

Die größte Ehre indes widerfuhr Gysi, als ihm der DDR Dramatiker Heiner Müller sein letztes düsteres Wort-Requiem widmete. „Mommsens Block“. In dieser Widmung schaut Gregor Gysi schon aus der Ewigkeit zu uns herüber. Da konnte er als Gestalt der historischen Zukunft sogar Helmut Kohl übertreffen, der bis heute im nassen-Wind der Geschichte herumsteht und nur von einem kolossalen Mantel träumt.
Das Spiel mit geschichtlichen Bildern ist längst zu einer win win Situation geworden, bei der das Marketing in den vordersten Reihen Platz nimmt.
Wir warten auf den Festakt, bei dem Gregor Gysi von der internationalen Frauenbewegung als besonderer Mann in ihren Reihen aufgenommen und gewürdigt wird. Er bekommt eine kreisrunde Bronze-Medaille.
Es wird höchste Zeit, dass die Kämpferinnen ihre Rüstung ablegen und das original Weibliche auch in einigen Männern wieder deutlich erspüren.

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