In dubio pro Heidegger

jetzt sind die schwarzen Hefte des deutschen Denkers auf dem Markt, jetzt wissen sie alle Bescheid, ja, er neigte dem Nationalsozialismus zu, eindeutig, er war Antisemit sogar, das wissen sie alle jetzt ganz sicher. Und doch, wenn sie ihn zitieren, wie der fleißige Lutz Hachmeister in seinem lesenswerten Buch „Heideggers Testament“(gemeint ist des Philosophen Spiegel Interview von 1966), dann wird jedes Mal deutlich, das Zitat enthält viel mehr als der gute Lutz versteht und aus ihm heraus zu klauben weiß. Natürlich, das Drumherum, das journalistische Geschäft beschreibt er trefflich, auch Heideggers Finte, den berühmten Augstein hinters Licht zu führen, ist interessant, auch viel aufschlussreicher als alle Klagen gegen ihn, etwa, dass er die demokratische Öffentlichkeit verachte. Ja, das tut er, aber gehört das nicht zur Freiheit des Philosophen? Muss ein Denker auf den Boden der freiheitlichen Grundordnung verpflichtet werden? Muss ein Text von solcher Einmaligkeit wie der Heideggers in Haft genommen werden? Stiftet er sonst eines Tages neue Terroristen an? Sind die Demokraten ihrer selbst so unsicher?

Es ist lächerlich, Heidegger ist von außen nicht zu bekämpfen, nur zu verdächtigen. Also flicken sie ihm am Zeug. Wäre er nicht Denker, sondern nur normaler Mensch gewesen, dann hätte er sicher auch Juden umgebracht. Auf solche Plattitüde läuft die recherchierte Wahrheit hinaus. Wer den deutschen Originalen Philosophen widerlegen will, muss sich auf sein Terrain begeben. Dort ihn stellen, die journalistischen Tarnkappen und Winkelzüge ablegen.
Diese Widerlegung wäre gewiss zugleich eine neue Philosophie.

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3 Gedanken zu “In dubio pro Heidegger

  1. Hi @Quenzel,

    Wie geschätzt ein recht geistreiches Statement, nicht wirklich ganz insgeheim unter uns.

    Nationalsozialismus und Hitler ist voll meine Thema, wie Sie wissen. Als Tyrann und so muß man sich auskennen. Ein Pol Pot (Kambodscha) ist auch einmal vorher ein ´schwarzer Poet´ gewesen, das war das Gute in dem, wäre eine heiße Nummer gewesen, der und Teng Hasio Ping ~ huhu. Früher habe ich meine Privatkriege in Bremen geführt, nur logisch-(militärisch) versteht sich. „Darf ich denken?“ von Hanna Arendt an Heidegger ist auch so’n Ding dabei. Opportunismus des Weiblichen? der Natur …positiv (d)enken, bei denen die am goldenen Baum des seltsamen Todes ihres geschaffenen natürlichen Lebens … Poesie.

    „Ja, das tut er, aber gehört das nicht zur Freiheit des Philosophen? Muss ein Denker auf den Boden der freiheitlichen Grundordnung verpflichtet werden? Muss ein Text von solcher Einmaligkeit wie der Heideggers in Haft genommen werden? Stiftet er sonst eines Tages neue Terroristen an? Sind die Demokraten ihrer selbst so unsicher?“

    Zur ersten würde ich sagen, wenn Sie auf meinen Kommentar wert legen,: ja, es muß positive Grenzen für eine Ordnung der Welt geben „Von Nichts kommt nichts …oder doch?“.
    Irgendwie fragt sich doch, inwiefern das wirklich Richtige zu (S)ein (Leben)? wirklich das richtige ist, obwohl es sich das Recht anmaßt, in dem Paradoxon des ´letztlichen Rätsels´ vermittels des Positivismus.

    Inwiefern sollte „die Haft“ des Textes bzw. Textinhaltsbedeutung eine Rolle/Bedeutung spielen… journalistischer Schlenker?. Als das Vermittelnde Gluon der Gesellschaft und Anderem? Es wäre auch gegen einige Grundgesetze der Menschenrechte, insofern „wir diese Zeiten des Nationalsozialismus in Deutschland nie verg’essen? dürfen“ (Charta-UNO), „unendlich Wertvoll (GG)“ ~ wär‘ hätte es vermutet, ziemlich viel ´U.n~´ menschlicher Fehler dabei. Kein in dubio pro. Es ist nämlich genau, denn eben durchaus seelisch-nachweislich mit den besagten Dokumenten, daß Heidegger Ideologie durchaus sehr von einem politologischen Faschismus beeinflußt gewesen ist. Ich denke ein E. Husserl ist dies nciht gewesen, obgleich er auch wie E. Cassier, R. Carnap, große Leute der Wissenschaftstheorie und andere, im Dritten-Reich Deutschland gewesen sind. Ich denke diese Große Natur ist nicht von einem einzelnen Wesen zu be’denken, die Aussage wird immer ein Fiktion bleiben, die Große Natur bestimmt den Menschen, nicht der Mensch die Große Natur in einem philosophischen Sinne, Wir haben nur eine Vorstellung der Natur. So ist es gewisser Maßen prekär hinsichtlich, das spezifisch die Großen der Wissenschaften Vordenker späterer Folgen einer Wahrheit verfehlten Tastsächlichkeit sind. Heidegger stiftet meiner Ansicht überaus wesentlich neue Terroristen heran, waer als verboten ´und´ in Haft´verhaftung in Haft genommen werden …! oh heiliger Empfang der Selbstheiten ~.

    Welche Demokraten meinen Sie, die des Staates der Gesellschaft? Eine große Frage, zu ich hier nicht mehr schreiben möchte.
    Ich meine das die Faschisten als Art der Gesellschaftordnungs-(theorie), welche sich an eherne Gesezte der historischen Gesellschaften knüpfen („Natur und Reich/Sein“), in der Synthese der Gesellschaftstheorien verfehlt sind und sich wi(e)dersprechen. ´Gesellschafs-Soziologie und Religon´ werden sich nicht „als Fähigkeit zur Naturbewältigung“ (Nationalsozialismus) bewältigen lassen, wenngleich der Staat absolut an sich ein Nationalssozialimus ist. Das ist ja völlig klar, und eben so – so zumal das Demokratische des Politischen oder auch Transformation(en, seins) des Politischen. Allein die Politische Führer-Anbetung ist eine verfehlter Kult des Denkens, und dann machen die das auch noch dauernd! Der Staat hat meiner Ansicht völlig verfehlt einen Gesellschaftsorganisation aufzubauen, keine ´demokratische´ Selbstorganisation, welche den demokratischen Erkenntnissen der ´Betreiber des Spiels´ nicht entspricht. Die Ideologien sind möglicher Weise falsch verstanden, da auch die Erkenntnisse dessen nicht relevant waren.

    Ich meine Martin Heidegger versuchte nicht begrifflich zu diktieren, sondern war gewisser Maßen ´anthropologisch Philosophisch´ wie viele andere auch. Die Demokratie kann konservativistisch garnicht siegen, weil die Bedingungen deren Funktion in der Verhinderung gelegen ist. „Der Mensch ist aber geworfenes Gestühl!“ um mit Heideggers Weisheiten zu denken, welches gleichsam die Metatransposition des idesalistischen Gegenstandes respräsentiert, deren kein Einzelnes Wesen mächtig ist.

    Sorry, habe wieder viel geschrieben. Ich hoffe es macht für Sie Sinn,

    Gruß @Mithrahee

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  2. Heidegger – ein Kritiker der „rechnenden“ Moderne u. ihrer manipulierenden Öffentlichkeit
    H. war ein Kritiker der machtbesessenen, technisch denkenden Moderne, die allein dem naturwissenschaftlichen, „rechnenden“ Denken Wahrheit zugesteht. Mensch u. Umwelt würden bald als bloße Verfügungsmasse zur Machtsteigerung angesehen – dies würde in grausamen Kriegen enden. Er sah anfangs in totaler Verkennung in den Nazis eine Revolte gegen diese moderne Weltanschauung.Doch der sich behutsam-konservativ, einfach u. einfach gläubig gebende Bergbauer Hitler entpuppte sich schnell als gnadenloser moderner Machtpolitiker u. Technikfanatiker.
    H. kritisierte auch Teile der jüdischen Elite als führende Vertreter des modernen rein naturwissenschaftlichen „rechnenden Denkens“ u. hatte hier offensichtlich privat Vorurteile.
    Wichtig bleibt aber: Die Ermordung der Juden geschah nicht wegen ihrer starken Position in den modernen Naturwissenschaften u. des Geisteslebens. Die zumeist tiefgläubigen einfachen Juden wurden aufgrund des virulenten christlichen Antisemitismus als „teuflische Gottesmörder“ angeklagt u. aufgrund der „rechnenden“ Nazi-Rassebiologie als „Teufelsrasse“ verfolgt und umgebracht. Beides lehnte H. aber als primitiv ab.
    Manipulativ bringt man heute sein Denken und seine Kulturkritik mit dem primitiven Nazi-Gebräu in Verbindung. Nach dem Motto: „Er hat privat 2mal über „Verjudung“ an den Universitäten berichtet: Er muss ein beinharter Nazi sein!“ Wenn man so vorgeht, kann man z.B. auch die Sozialdemokratie, Thomas Mann, sogar Brecht als dem Nazi-Denken verfallen darstellen.

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  3. Ron, ich stimme ihnen bei dem meisten, das Sie vorbringen, zu. Nur zur Ehre der Bergbauern sei es gesagt, Hitler war gar nie ein Bergbauer, eher ein streunender Hund aus Linz. Und die meisten Juden waren gar nicht fromm, sondern sehr gut assimiliert ans Deutsche, an die deutsche Kultur, die sie anders als Heidegger, aber nicht weniger glühend liebten. Aber das ist für einen anderen Zusammengang deutlicher zu machen (Vgl auch mein blog gestern: Fluch udn Glück Heideggers)

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