Der Gleichheitswahn

ein Wahn realer oder nur wünschbarer Gleichheit unter den Menschen hat uns alle erfasst. Die Sprache, die wir sprechen, tut das kund. Wir funktionieren wie Maschinenrädchen, in flachen Hierarchien, wir reden frommes Zeug auf allen und jedem zugänglichen Augenhöhen, die Privilegierten sprechen plötzlich wie normale Fußgänger, die Vorrechte werden geschickt verborgen, der Konzernherr diskutiert lächelnd mit einem Piraten im Fernsehen. Es sieht alles gleich aus. Der Bungalow des Reifenhändlers sieht nicht anders aus als der Palast des Medienmoguls.

Leute, die das beklagen, die sogar laut von Heuchelei reden, werden übel gerüffelt, wie Spielverderber in Verruf gebracht und wenn das nicht hilft, sogar der faschistischen Eliteideologie verdächtigt. Ein Klima des Übelnehmens durchweht die Wellnessregionen. Doch in der Hatz auf die kritischen Kläger wird Betroffenheit spürbar. Der Spott der Gesinnungsjäger ist viel zu wütend, ihr überlegenes Lächeln ist schlecht inszeniert. Sie streiten alles ab, versuchen aber gleichzeitig die Leute davon abzuhalten, den Anklägern Gehör zu schenken. Das macht auch ihre Position verdächtig.

Dahinter steckt aber keineswegs die Frage,welche Seite hat nun mehr Recht, wer trifft den wahren Kern am besten? Sollen wir glauben, wir sind alle gleich oder steckt in diesem Glauben nicht schon der Anfang der schrecklichen Verderbnis? Nein,hinter den Argumenten und rationalen Fassaden steht die Frage: welche Verhüllungsstrategie ist die überlegene, um schneller an die Stellschrauben der Macht zu kommen. Dort angelangt, in einem entlegenen Keller der scheinbaren Welt, werden die Posten sichtbar, die sowohl mit der einen als auch mit der anderen Ideologie rasch zu besetzen sind. Es geht ein Riss durch die Versammlung,es bilden sich Gruppen, wie es bei Karl Kraus immer heißt, die einen wollen die Wiese täglich mähen, die andern sie wild in die Höhe wachsen lassen, nur an bestimmten Flecken mähen, von Zeit zu Zeit.

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2 Gedanken zu “Der Gleichheitswahn

  1. Flache Hierarchien sieht man auch im Zerfall der Sprache und im Kontext in der mangelnden Erkenntnisfähigkeit ihrer Leser. Ich erlaube mir sogar, noch weitergehend zu formulieren:wir beobachten eine eingeschränkte Reflexionswilligkeit, die um sich greift.
    Wer die Wiese nur beobachtet, wird aus beiden Gruppen ausgeschlossen, nicht wahr?Jener könnte sich z.B. etwas Neues überlegen-und: das ist das Entscheidende- es wagen, damit die anderen zu übertreffen.

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  2. ich denke, die Sozialwissenschaften mit ihrem Köhlerglauben an Zahlen und Statistiken haben den Gleichheitswahn überall implementiert, wir müssen ihn aus allem wieder heraus ziehen. Sicher, wie du schreibst, auch aus der verfallenden Sprache, dem Neusprech wie Orwell sagte. Ich höre auf dem Markt kaum mehr gutes, meistens nur verstümmeltes Baby-Deutsch. (super-supergeil, Wahnsinn alles ) Und in dieser Nacht der Bedeutungen klingt alles mögliche natürlich gleich.

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