Den Russen verstehen, bitte

Man muss den Russen verstehen, vor allem seine berühmte Seele, in der noch viel ursprüngliche Kindlichkeit vorherrscht. Ich denke an die jungen reichen Russen, die erfolgreich die Volks-und Bodenschätze ausraubten, um am Wochenende zum Shoppen nach New York, London und Paris zu fliegen. Aber auch die alten armen Russen muss man verstehen, die sich nach dem enormen Glanze des großen Imperiums zurück sehnen. Damals hatten sie zwar auch nichts zu fressen, dafür aber glanzvolle Aufmärsche, Paraden und grandiose Staatssymbole der gefürchteten Super-Macht. Der Abstieg seither kränkt und demütigt die russischen Seelen.
Nur Hollywood und Mcdonalds könnten Ersatz schaffen und den Russen trösten. So haben sie nur den kleinen schneidigen Zar, der sich nach Kräften bemüht und überall seine Muskeln zeigt. Dabei macht er ein verbissnenes Gesicht, denn er hat nichts zu lächeln. Doch wäre er nicht gerne bereit auch umzusatteln, wenn ihm die reichen und politischen Leute- Managertypen meistens- aus dem Westen nicht dauernd mit ihren Menschenrechten, Freiheit und Demokratie, pipapao in den Ohren lägen, statt ihn zu bestechen, ihn groß herauszubringen in News Week, New York Times, Le Monde, Stern, Spiegel usw. – anstatt ihn zu kritisieren, ihn immerzu gewinnen lassen, ein Musical mit ihm als Helden zu produzieren. Man ahnt doch, wie kindlich er ist. Von Honecker und Franz Josef Strauß heißt es auch, dass man eigens Hirsche, Rehe und Wildschweine zähmte vorher, dass jene Waldfürsten sie dann bequem und erfolgreich abschießen konnten. Bei Zar Putin geht das noch viel leichter, er dürstet nach Selbstfriedigung und Ehre. Gebt sie ihm doch, statt anstrengende Diskurse mit ihm zu führen, die ihn aus lauter logischer Not in alte Stalinschablonen zurückwirft. Geht mit ihm schwimmen, spendiert ihm Gottschalk als Imageberater. Positiv denken, das ist doch sonst eure Devise. Macht ihn positiv, lasst ihn leuchten. Denkt an Andy Warhol, den Imagekünstler. Der neue Zart wird’s euch vergelten.
Denn wer will denn Krieg? Leute, he, denkt doch mal. Die jungen Reichen sowenig wie die alten, armen Nationalisten. Gerd Schröder könnte tatsächlich auch einmal helfen, Schröder kennt sich aus in der Mode, er weiß wie man italienische Designeranzüge trägt. Auch Josef Fischer könnte eine Rolle spielen, in dem er dem Zaren abends vor dem Einschlafen alte sozial-revolutionäre Märchen vorliest. Oh, man muss die Sache nur anders angehen. Denn Demokratie, Menschenrechte sind gut für uns, die wir wissen wie man Austern schlürft und längst gelernt haben, welcher Schampus der beste ist, wo man sich am besten erholt in der Welt,welche Strände die schönsten sind. Usw.
Zar Putin braucht das nicht, ihn dürstet nach Anerkennung, Glanz und Ruhm seiner gnadenlosen Herrschaft. Warum gilt das denn nichts mehr in der Welt, fragt er sich täglich vor dem Spiegel.
Ihr müsst euch nur erinnern, wie er im großen prunkvollen Kremlsaal einlief, nachdem die goldenen Tore sich öffneten, auf einen Fanfarenstoß, und ein Masse von Leuten ihn huldvoll empfing. Das ist er, öffnet ihm also all eure goldenen Tore, statt viel zu diskutieren: Öffnet ihm den Louvre, die Walhalla, den Dogenpalast, das Wembleystadion. Lasst ihn auf Schloss New Schwanstein dinieren. Reserviert ihm Ehrenlogen in Bayreuth, an der Pariser Oper, im Konzertsaal von Rammstein. Dort überall vor tausenden von Fans lass ihm huldigen, lass ihn einmarschieren. Sir Lagerfeld soll ihn einkleiden, die besten Regisseure sollen mit ihm an seiner Körpersprache etwas feilen noch. Die besten Fotografen der Welt und die berühmtesten Filmregisseure mögen ihn groß herausbringen und ihn in einen wahren Rausch der Selbstherrlichkeit einwiegen, sodass die Seele seiner ganzen Russen-Nation wieder erhöht werde. Denn nur darum geht es, dann gibt’s keinen Krieg und es kommt nicht am Ende wieder ein russischer Hitler.

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Ein Gedanke zu “Den Russen verstehen, bitte

  1. … der muß aber auch mal auf’s Töpfchen wie Saddam Hussein!?

    Lieber @Quenzel, sie vergaßen Versai (D). Da macht aber Englands Elli Two, auf Einladung von* versteht sich , immer ihr Diné mit dem Scherenschnitt-Schatten von Hitler (laut BILD)… das ist das Problem.

    Wird es das Volk der Bundesregierung lösen, analysieren?
    Lysis, nach Platon? wo ja Ana nach Plato noch nicht gefunden ist.

    Wenn Sie dann auch einmal dabei mitessen dürfen (spart verdientes Haushaltsgeld!), neben den Stars und Großen dieser Welt, wie erwähnt, und dann da: „Linsensuppe mit Essig!“ laut sagen, bekommen Sie von mir nen Orden.

    Gruß,
    Mithrahee

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