Wenn das Haus brennt

ich erlebte als Kind zweimal, wie ein Bauernhof abgebrannt ist. Das sprach sich sehr schnell herum und viele fuhren mit Auto, Moped oder Fahrrad schnell zum Brandherd, so schnell wie nur die Medien von heute. Noch vor der Feuerwehr waren sie da und unterhielten sich angeregt über die Sensation. Der Bauer beruhigte sein Vieh, die Bäuerin und die Kinder trugen von der Angst gehetzt aufs Feld hinaus,was noch zu retten war. Geschirr, Stühle, Sessel, Kleider, alles durcheinander.
Die Medien bestanden damals nur aus einem Zeitungs-Redakteur und seinem Volontär, der das Telefon bewachte und gerade noch die Schuhe putzte für seinen Chef.
So kam dieser, erst nachdem er seinen Rausch ausgeschlafen hatte und viel später, nach der Feuerwehr, an den Ort des Geschehens.
Eine ratlose Trauer herrschte bei den Bauern, im Publikum aber machte sich bald munteres Geschwätz und sogar Lachen breit, denn wann erlebte man eine solche Katastrophe im Leben schon einmal live.

Daran dachte ich jetzt bei den Bildern aus der Ukraine. Die Reporter servieren kluge Sprüche, die Politiker reisen an, legen in Eile ihre Kränze nieder und warnen vor den Folgen. Die Betroffenen selber aber schauen mit von der Angst gezeichneten Gesichtern stumm in all die vielen Kameras.
Die Verteidigung der Demokratie, von der an Feiertagen so gern geredet wird,ist jetzt die schönste Nebensache der Welt. Denn man muss den Brandstifter natürlich auch verstehen. Was dachte, was fühlte er, als er das Feuer legte?

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2 Gedanken zu “Wenn das Haus brennt

  1. Ich geriet als kleines Mädchen in einen Stadelbrand. Mich rettete ein Schüler meines Vaters. Er sprach bis zum Tode von ihm. Es muss schrecklich für meine Eltern gewesen sein. Mir kamen die Erinnerungen hoch bei einem ähnlichen Ereignis.
    Das muntere Lachen im Publikum, das du beschreibst, machte mir gerade Magenbeschwerden.
    So wie es bei dir die Erinnerungen hochholte, bekomme auch ich einen „flashback“, andere vielleicht auch und wenden sich ab. Die, die Lust verspüren am Grauen, ja ich weiß nicht..ist das Zeitgeist gewesen?

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  2. Nein, kein Zeitgeist, glaube ich, sondern die böse ewige Tatsache, dass der Mensch sich insgeheim gerne am Unglück des anderen erfreut. Da hilft wenig, dass Bayerm z.B., wie Sehofer stolz ausrief heute bei seiner politischen Aschermittwochshymne,suf sich selbst und sein Land, christlich geprägt sei.

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