Putin und der Hitler

Bundesfinanzminister Schäuble holte diesen klassischen Vergleich heute vor Berliner Schülern aus der historischen Mottenkiste. Aber nicht warnend, wie Helmut Kohl einst vor Gorbatschow warnte, denn dieser könne sich noch als Wiedergänger von Josef Goebbels erweisen, nein. Schäuble ging locker an diesen Vergleich heran: „Das kennen wir doch alles schon, aus der Geschichte“, sagt er. Hitler hat das ganz ähnlich gemacht, damals, als er die Sudetendeutschen angeblich schützen musste.

Es ist, als ob er Putins plumpe Politik als reine Farce belächelte, den falschen Zaren als Epigonen und geltungssüchtigen Emporkömmling betrachtete, dessen Herrschaft bald zu Ende sein wird. So darf man doch in den Prunksälen der Weltgeschichte nicht stolpern. Aber natürlich, die Balten, die Ungarn, die Polen, sagt Schäuble, die haben alle jetzt totalen Schiss und sie erhöhten darum jetzt ihre Verteidigungsetats. Einmal unter dem Joch des Stalinismus schmachten, das hat ihnen gereicht. Nicht so die Russen, die kennen nichts anderes, seit fast 100 Jahren. Die Idee der Freiheit ist ihnen noch ganz wesensfremd.

Wir aber in Deutschland, wir kennen das alles, Schäuble hat selbst schon in den 70er Jahren ein Seminar besucht über die „offene Gesellschaft“ (K.Popper) damals noch in der alten Adenauerstiftung. Wir haben den Hitler gehabt, sind hart im Nehmen, wir geben wegen dieses Amateurs Putin keinen Pfifferling mehr als üblich für Rüstung aus. Wir denken gar nicht daran. Wenn es sein muss, zwingen wir den Burschen rein finanztechnisch zu Boden. Schäuble gibt auf leise, post-ironische Weise den starken Maxen, ohne seine Stimme zu erheben. Nein, nein, ganz beiläufig, wir haben das alles längst hinter uns. Kein echter Kerl tritt heute mehr in den alten Gamaschen des typischen Machos auf.

Verständlich deshalb, dass Frau Merkel und ihr Steinmeier auf Distanz zu diesen Äußerungen Schäubles gehen, sie müssen noch höflich und gesittet an den Hinter-Türen der Diplomatie bange Wartestunden verbringen. Hitler als Wort, oder als Name halten sie für ein Tabu in der modernen Politik. Sie brauchen den Unhold nicht mehr für ihre operativen Strukturen.

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Die Jungen und Alten- ihre Kultur

Das Zeitalter der Revolutionen, in welchen die Jungen die älteren schockierten und aufmischten, stürmische Bewegung in die Generationen brachten, scheint vorbei, so klagen die älteren Experten und Kulturverweser. Heute bespaßen die in Kulturausbildungen hoch gewachsenen jungen Kulturveranstalter und Künstler das stets älter werdende Publikum. Kultur ist wesentlich Verwaltung und Betreuung geworden. Zumindest in den klassischen Medien wie Theater, Museum, Konzertsaal. Die Mittelschicht hat kaum noch Zeit für kulturelle Anstrengungen und Ereignisse, das Publikum der Jungen bleibt aus und sucht sich andere Schauplätze ihres Vergnügens: Partymeilen, Rockkonzerte, Comedyhallen, Sportarenen.
So wird die Kultur zum Service, zum Betreuungsdienst für die Pflege- und Altenheime. Auch an den Universitäten stellen in den Sprachen und Geisteswissenschaften die Alten die Mehrheit der Studierenden.
Die Alten und Älteren, auch die Bestagers freuen sich, endlich nach harten, langen Malocherjahren und Bürozeiten auch noch die Moderne kennen zu lernen, mit ihren vielen Nackten auf den Bühnen, mit ihren riskanten Aktionen im Museum und mit dieser ungewöhnlich dissonanten, klagenden Musik. Diese Alten verlassen nicht mehr türen-knallend die Theater, sie sind einiges gewöhnt und auch wenn ein Goethestück massakriert, oder die Gestalt Jesu Christi verhöhnt wird, bleiben sie sitzen und klatschen tapfer ihren Beifall. Man hält Frieden,es dreht sich ja nur um Kultur, die ernst aber doch nicht zu ernst zu nehmen ist. Überhaupt verschwinden die Grenzen zwischen Kunst und Kultur. Sind nicht bedeutende Regisseure und großartige Kuratoren auch Künstler, wie in der Technomusik sich jeder DJ auch als Komponist versteht? Sind die Begriffe nicht selbst alle im Wandel? Findet die Revolution von heute nicht in der Semantik statt? Im Virtuellen eher als im Realen? Gewaltlos doch mit anglo-vielem Drive.
Anders, jenseits von alt und Jung, revolutionär oder tradtionsgebunden verhält es sich beim Publikum der Leser. Dort waren die buchstäblichen Revolten immer nur Episode, allein für bloße Wortkünstler gedacht. Der allgemeine Wille am Buch festzuhalten, die Qualität einer gut gemachten Geschichte, die treffliche Konstruktion eines spannenden Schicksals erforderte immer altmeisterliche Könnerschaft. Nicht nur eine sog. Genialität? Der Rest der aktuellen Nachgeburten und Postproduktionen von Ich-Erlebnissen und sogenannter freier Prosa ist immer nur für eine Saison der Abwechslungen gut.
Dort auf dem Gebiet der Prosa reüssieren die Jungen entweder als Sternschnuppen oder als ewige Talente mit Gold im Mund.

Es ist nicht gesagt, dass, wenn die Jugend sich in der Kunst nicht mehr selbst herausfordern will, da das ältere Publikum, inzwischen weltreisend erfahren, auch gerne frisst, was es noch gar nicht kennt, dass unter diesen Umständen eines faulen Kulturfriedens mit vielen Events, Filmen, Diskussionen, überhaupt noch einmal Kunst entsteht, wie man sie früher emphatisch vertreten und verstanden hat.

Vielleicht hat sich das Thema Revolution und Kunst wirklich von selbst erledigt, ähnlich wie die Philosophie und die Religion, wie das ja oft schon vorausgesagt wurde.
Vielleicht kann sie nur durch die Sprünge der übermächtigen Technik noch einmal geboren werden. Auf alle Fälle aber, das lässt sich tatsächlich schon sagen, geht die Epoche der Moderne zu Grunde zur Zeit.. Die Jugend, wie sie heute noch ganz fälschlich verstanden wird, gehört wahrscheinlich selbst schon ins Museum.

Das verwundete Herz

Sie war die Seele im Rechnungswesen unserer Firma: Frau Brigitte Schreier. Sie war unzufrieden mit dem Chef Dr. Vater, dem sie soeben grobe Vorwürfe machte wegen seines liederlichen und unmöglichen Umgangs mit Zahlen. Erst neulich habe sie entscheidende Belege in der Besucherlounge der Firma auflesen müssen.

Dr. Vater wunderte sich über ihren Tonfall und sah darin nichts als ein Ablenkungsmanöver. Aha, sie will mir zuvorkommen, dachte er sich, denn er hatte doch erfahren, während sie in ihrem Urlaubsdomizil in Rio de Janeiro weilte, dass sie über die sozialen Medien einen äußerst dubiosen Kontakt zu seinem kleinen Sohn Fabian pflegte. Was stellte sie sich vor, sein Sohn war doch viel zu jung für ein Verhältnis zu einer solch erfahrenen Frau wie der Schreierin. Er suchte in ihrem Gesicht nach Spuren eines schlechten Gewissens, aber sie hörte nicht auf mit ihrer Zahlenpredigt. Ihn plagten ganz andere Sorgen, sein verwöhnter kleiner Sohn könnte in eine diabolische Gefangenschaft geraten, hatte er doch früh seine Mama verloren und käme nun in die Fänge einer Dämonin. Ja Dämonin, das Wort rutschte ihm eben durch den Kopf, als die Schreier ihm eine unverschämte Behauptung und Anschuldigung nach der anderen präsentierte. Ihre Sätze klangen wie drohende, peinliche Rechnungen. Er würde doch die Firma, die seine Firma schließlich ist, nicht in den Ruin treiben, wegen ein paar lächerlicher Zahlen, die durcheinander gekommen sind. So etwas kommt bei Geschäften immer wieder vor.
Plante sie, ihn in den seelischen Zusammenbruch zu treiben, um sich dann seinen Sohn zu krallen und das Erbe anzutreten. Ja dann könnte sie ihren Zahlenterror auf die Spitze treiben, natürlich, auch die Lieferanten und die Lageristen bedrängen und sich nebenher, sozusagen für die freien Stunden, noch einen Lustknaben halten. So sah sie aus jetzt, er fing fast an, sie zu hassen. Sah er nicht in der bürgerlichen Verkleidung plötzlich die Fratze eines Höllenweibs?
Dr. Vater raffte seinen Mut zusammen und polterte gerade heraus: Sie missbrauchen mir mein Kind nicht, Sie nicht.
Von welchen Kind reden Sie, entgegnete sie ihm etwas verwundert. Wovon sprechen Sie denn?
Hier, Dr Vater zog ein paar Kopien aus der Tasche, bitte- haben Sie das nicht in den sozialen Medien an meinen Sohn adressiert?
Wollen Sie das leugnen?
Die Schreier lachte höhnisch auf, ach ja aber die Kopie seines Schreibens, ihres ach so unschuldigen Winzlings haben sie nicht? Dass Sie ein schlechter Rechner sind, weiß ich ja, wie oft musste ich ihre Firma schon retten, haben Sie mitgezählt? Aber dass Sie auch noch ein Schnüffler sind und in völlig unschuldigen, erotischen Beziehungen-
Erotisch, platzte, prustete es aus Dr. Vater heraus, Sie geben also zu?
Nichts, gar nichts habe ich zuzugeben, nur ihren zarten Sohn und mich vor ihrer Zudringlichkeit zu schützen.

Ich habe Sie überführt, dachte Vater und verließ schnell das Büro der Frau Schreier. Was glaubte diese Brigitte denn? Mit ihrem verdammten, brünetten Charakter? Meint Sie, sie kann mir meinen Sohn wegnehmen, der gerade einmal 17 Jahre alt geworden ist. Er fasste einen Plan, er würde seinen Sohn Marco Fabian Heinrich( Heinrich hieß schon der Vater Dr. Vaters) weit weg in ein teures Internat verpflanzen irgendwo in Amerika oder Australien und ihm vorher noch eine kleine Weltreise schenken. Auf dieser würde er ihm mit unsichtbarer Hand ein paar junge Damen zuführen lassen, die ihn in die ars amatoria einführten. Mit ihm jetzt über alles zu reden hätte keinen Zweck, das würde ihn nur noch sturer machen, starrsinnig werden lassen. Oh ja. Er kannte seinen süßen kleinen Sohn Fabi.
Der Plan war gut durchdacht, da würde die gute Frau Schreier, die ja schon an die Mitte Vierzig gelangt war, schön dumm in die Leere schauen. Er lachte, das geschieht ihr recht, dieser Hexe.

Doch Dr. Vater hatte Pech. Bevor die ausgebufften jungen Verführerinnen, die er insgeheim engagierte, an seinen Sohn geraten konnten, war schon ein anderer an ihm dran. Ein gerissener Schöngeist und Homosexueller, der Fabian in eine ganz andere Richtung lenken sollte.

Als Dr. Vater dies erfuhr, trübte sich sein Geist vollkommen, er hatte sich mehr als jemals zuvor jetzt auf Frau Schreier und ihren untrüglichen Zahleninstinkt zu verlassen. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, er hätte sich aus allem herausgehalten, so dachte er öfter jetzt. Geschäftlich hätte die Schreier bestimmt aus Fabian mehr machen können als dieser schwule Mensch dort in den USA, der seinen guten Sohn auf sehr unappetitlichen Abwegen begleitete, jetzt schon ganze sieben Jahre lang. Er durfte gar nicht daran denken, sein Verhältnis zu Frau Schreier besserte sich inzwischen wieder. Später brachte sie ihn ins Pflegeheim, leitete allein die Firma und organisierte zuletzt noch das Sterben des Dr. Joachim Heinrich Vater.

5 Herren und 1 Abwesende

Versuche seit Jahren das, was sie um mich herum real nennen, zu verzeichnen. Es gelingt mir nicht genügend. Ich möchte so schreiben wie Romane Holderied zeichnet, warum nicht fünf Männer in verschiedenen Größen in immer demselben Dress, in eine Küche setzen? Die Hüte säßen auf ihren Köpfen wie halbe Naturereignisse.
Die Frau ist noch nicht anwesend, es ist auch nicht gesagt, dass überhaupt eine Frau im Kommen ist. Wie sollte sich eine Frau mit 5 Männern in einer Küche arrangieren können? Gut, Frauen haben einen starken Charakter, das sagt man allgemein. Aber wenn sie schon käme, dann müsste sie mindestens eine grüne Nase haben und sagen wir: ein himmelblaues Herz. Ja, warum nicht himmelblau, die Kinderfarbe. Wozu im Farbkasten den Geschmäckler geben? Die 5 Männer in dieser mit Schränken voll gestellten Küche fragen sich auch nicht, ob ihre Anzüge schick genug sind.
Sie sind ordentlich, den Konventionen angemessen, unvorstellbar dass sie ihre Sachen jemals auszögen. Als nackte Menschen sind diese Herren gar nicht auszudenken.
Bei der Frau, käme sie etwa doch noch, ist das naturgemäß etwas anderes. Eine Frau in den besten Jahren ist als nacktes Modell immer in Hochform. Das ist seit Luther bis Picasso so. Das haben die alten Griechen schon gewusst, die sich keineswegs genierten auch Knaben für ihre Lust zu gebrauchen. Das empört die ganze Christenheit wie die Ungläubigen auch, bis heute. Nicht so bei der Frau, sie weiß aus ihrer Nutzung ihrerseits Vorteile zu ziehen oder sie genießt sogar ihr Genutzt- und Gebrauchtwerden. Auch solches wird ihr nachgesagt.

Aber wie spräche sie dann? Gut durch ein paar obszöne, überraschende Gesten, wäre das Gröbste leicht zu erledigen, aber irgendwann käme dann doch das erste Wort an die Reihe. Bitte, welche Reihe? Hab ich Reihe gesagt? Ich könnte verrückt werden, wie komm ich denn auf Reihe? Nehme ich denn alles,was aus der Wortkiste fliegt? Muss ich meine Ansprüche nicht erhöhen, da jetzt doch die Zukunft naht, wie allgemein gesagt wird. Die Zukunft ist wie ein Luftballon, kann jederzeit platzen.

Ich frage mich noch immer, ob diese 5 Männer in der Küche tatsächlich warten? Manchmal denke ich, sie überwintern nur, treiben sich nachts, wer weiß, in einem verschollenen Spielfilm von F.Kafka herum.
Wer weiß, aber angenommen, die Frau käme jetzt wirklich herein, müsste sie dann nicht einer der 5 Männer, und sei es der Kleinste unter ihnen, ansprechen? Eine Frage stellen, wie : warum kommst du jetzt erst?

Nein, eine solche gewöhnliche Frage störte sofort die ganze Atmosphäre der Ahnung, der Zweideutigkeit und führte logischerweise in die unsagbare Irre. In die Wüste der getürkten Wörter. So einfach, wie die typischen Realisten sich das immer vorstellen, ist die Sprachlosigkeit nicht zu überwinden. Mann kann ja auch den Frost in der Welt nicht mit Tabletten heilen.
Wer spricht, müsste die Bedeutungen wenigstens kennen, die er verwendet oder wissen, was er sagen will. Das ist aber in dieser Epoche nicht möglich, wo sich alle vor der Zukunft fürchten. Keiner außer den Millionären weiß mehr,wann ihm das Geld ausgehen wird. Ob er je eine Chance bekommt, fair am Ende nicht wahr, Sie wissen was ich meine–. Das macht die meisten schlaflos.
Anders gefragt: würde sie sich wundern, die besagte Frau, wenn sie hereinkäme, dass es gleich 5 Männer sind, in die sich ihr Gatte plötzlich verwandelt hat? Aber sie ahnte das Theater wohl. Sie kam an diesem Abend nicht.

Wortakrobaten

Wolf Biermann, der Barde, behauptet,Prosa schreiben könne jeder Dussel heute, er hingegen täte sich damit schwerer, da er doch gutes Deutsch könne.
Arno Schmidt meinte immer wieder, gute Prosa zeuge von großer Kunst, Lyrik hingegen, Gedichte zu schreiben, sei kaum der Rede wert. Eine Sache für poetische Federgewichtler.
Welcher Unsinn treibt die Literaten um, aus lauter Brotneid und verrückter Ruhmsucht.
Oder hat man schon einmal einen Kugelstoßer gehört, der den Hochsprung für Mumpitz hielt?
Nein, die Sportler sind fairer als die Schwergewichtler des Literatenbetriebs.

Die DAX-Manager fallen um

..und Frau Merkel somit in den Rücken.Denn sie fürchten um ihren Riesen-Reibach. Klar. Man kennt die Schildbürger doch, auf ihre Motivation aus Gier und politischer Blindheit ist immer Verlass.
Doch das Grinsen des Siemensmanager Kaeser im Interview mit dem forsch nachfragenden ZDF Moderator Kleber war schrecklich und wird mir nie mehr aus dem Kopf gehen. Es gehört ins Bilderbuch der Medusenhäupter in der Finanzwelt. Es war grauenhaft.
Aber er ist natürlich nicht der einzige Topmanager, den der Kurs des Westens in der Ukraine-Krise stört. Deutschlands Wirtschaft macht seit Jahren Super- Geschäfte mit den Russen. Da dürfen uns die armen Schlucker der Ukraine doch nicht stören. Wozu machen die eine Revolution, wozu? Wem bringt das je was?
Auch Adidas Chef Herbert Hainer gab sich tolldreist auf die Frage, ob man den Eroberer Putin nicht besser jetzt zu stoppen versuche, bevor er sich noch andere Gebiete einverleibt :“Ich würde es umdrehen: Man muss sich fragen, ob man jemanden wie Putin nicht wesentlich früher hätte in den Prozess einbinden sollen – statt die Gespräche erst dann zu beginnen, wenn es zu spät ist.“
In welchen Prozess? Hat Putin sich nicht selbst eingebunden in den ukrainischen Aufstand und zwar mit roher, brutaler Gewalt?
Aber auch dafür hat der DAX-Typ Herbert ein großes Verständnis, gerade als Top- Manager. Denn schließlich sei doch abzusehen gewesen, dass der russische Präsident sich nicht einfach bieten lasse, was in der Ukraine geschehe. Ach so, er kann sich die souveräne Entscheidung eines anderen Staates über sein Schicksal nicht bieten lassen? Welcher Alzheimer-Irrsinn reitet den Manager? Wo lebt er, wie denkt er wirklich? Ist die Ukraine für ihn ein Land der dritten Welt, mit dem man umspringen kann, wie es Managern wie ihm und Diktatoren wie Putin gerade passt?
Natürlich schüttet er gleich wieder billigsten Sand über seinen Zynismus:
„Man hätte früher in Kontakt mit Putin treten sollen, um den Umsturz in der Ukraine gemeinsam zu begleiten.“
Solches Gerede kann nicht nur politisch naiv sein. Begleiten? Den Umsturz begleiten, in der VIP Lounge am Maidan, oder was könnte das denn wohl heißen? Das sagt er natürlich nicht. Das können wir uns gottlob selber ausdenken.

Auch der Thyssen Krupp Chef Heisinger scheut sich nicht, wohlfeilen Quark von der Qualität eines Anton von Tirol zu verzapfen: „Wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass gewaltige Veränderungen möglich sind, wenn man sie gemeinsam mit Russland angeht.“ Man muss auf ihre Wortwahl achten, Veränderungen angehen. Sie verderben und vernichten unser schönstes Deutsch mit ihrer miesen Gier, die sie auch noch mit Kompetenz bezeichnen.
Früher mag er etwas gesehen haben, der Heisinger, das weiß ich nicht, jetzt aber ist er wohl total blind und taub geworden.
Zu allem Ãœberfluss des feigen, zweideutigen Geredes aus der Wirtschaft muss natürlich auch Post-Chef Appel noch seinen Senf auftragen, bei den politischen Würstchen, als die sich die feinen Herren allesamt entpuppen: „Da wir in Europa nun einmal über keine großen Rohstoffquellen verfügen, werden wir immer von anderen abhängig sein“.
Natürlich: „nun einmal“. Die Herrn haben außer Gewinnverlusten nun einmal nichts zu fürchten, keinen Ehrverlust, keine Blamage, keine Schande, nichts.
Und weil das billigste Blech, das sie reden dürfen, so austauschbar ist, noch ein paar Worthülsen des Adidas Chef Hainer:
„Wir müssen miteinander reden, um den anderen zu verstehen und zu politischen Lösungen zu kommen.“ Außer ihm und seinen Kollegen unter diesen Wirtschaftsbossen, haben wir eigentlich alle verstanden, was der andere, nämlich Putin will und sich wohl auch von deutschen DAX Managern nicht ausreden lässt. Oder wollten sie ihm die Krim und die ganze Ukraine abkaufen? Ist das der Sinn ihrer Leerformeln?

Das Geschwätz unserer Oligarchen und Topmanager
belegt nur ein weiteres Mal, dass von ihnen und ihrer Händlernatur politisch nichts zu erwarten ist. Ihre Lügen und ihre Feigheit sind so durchsichtig, wie das Papier, auf das sie auch noch gedruckt werden. Für ein gutes Geschäft verkaufen sie ihr eigenen Kinder samt Großmutter. Ihre Gier und ihre schlechten Charaktere haben die modernste Tradition bei uns, sie lieferten schon für Hitler, warum denn nicht auch für Zar Putin? Auch sein Rubel stinkt ihnen nicht genug.
Ich aber werde keinen Adidasartikel, kein Siemensangebot mehr beachten und schon gar keine Postbank mehr betreten.
Es ist immer dasselbe mit diesen feinen Pinkeln, sie sind weder aufzuklären noch zu bessern. Sie wirken wie ein Alpdruck über dem Land.

Das Wort von der freien Rede

frei reden heißt in einer tieferen Traditionsschicht auch: ehrlich, wahrhaftig sein, gerade dort, wo frei gesprochen werden soll. Jeder erinnert sich an mindestens eine Filmszene, wo der Protagonist die Fenster und Türen schließt, um nach einer gravierenden Pause plötzlich herauszubrechen. „Kann ich frei reden?“ Eine Urszene, es ist die eine Richtung, von der die freie Rede bis zur Beichte, bis zum Geständnis reichen kann.

Doch die freie Rede im rein-rhetorischen, technischen Sinn meint etwas anderes. Sie versteht sich, unabhängig von jedem Inhalt, auf die Macht des Auftritts, wo Wort und Geste, Mimik und Dynamik, Rhythmus im Wortfluss und gedämpfte, gesteigerte Begeisterung des Redners für sein Thema zu einer einzigen Solo-Leistung sich bündeln. Steigerung und Dehnung des Tempos, Tonfälle, die aus der Reihe tanzen und wieder dahin zurückfinden, Wiederholungen und Variationen dieser Wiederholungen, all das gehört zur freien Rede, zur Souveränität des Redners über sein Thema. Mit diesem scheint er willkürlich wie regelgerecht zu verfahren. Überraschung und ihr Gegenteil, als Sicherheit und Wohlbegründetheit der Aussagen, wechseln sich ab. Eine Rede ist nur das Hauptmoment eines freien Auftritts, also ein Ereignis. Anders zählt sie nicht, sie gilt nicht als reiner Text. Sie ist an die Freiheit einer bestimmten Person, die jener gewachsen, die mit jener sogar zu spielen versteht, fest gebunden.
Das alles lernt man am besten bei Friedrich Schiller, dem Dramatiker und Rhetoriker. In seinen Dialogen bringt die Situation und die Stimmung darin die härtesten Argumente plötzlich ins Schwanken. Seine schwärmerischen Figuren rühren bis heute das Publikum, wenn sie klarer Kontrast bleiben zu den Verstandesriesen, die die Staatsmaschine lenken wollen. Das missglückt, aber nicht wegen der Schwärmer, sie sind nur Beiwerk, sondern aus Leistungsfehlern menschlicher Logik. Diese, streng genommen, ist dem Leben nirgends adäquat. Sie wirkt dysfunktional mitten im Dasein. Eine stille Katastrophe der Aufklärung, die das mythische Sein überwinden wollte.
Dieses Unglück aber erklärt Schiller nicht, er drückt sie mit rein-rhetorischen Regeln und Finten aus.
Stimmung und Wort, Grund und Zierde, Gesten, die aus rhetorischen Setzungen hervorgehen, Sprache ist alles, Körpersprache, Mienensprache, Fechtersprache, redendes Schweigen.

Zur freien Rede braucht man handwerkliche Kunst und einen unabhängigen Geist. Lohnabhängige oder überhaupt Abhängige und Angestellte sollten sich also in der Kunst nicht versuchen. Sie rutschen nur aus. In der Rede fliegt immer auf, wie frei jemand ist und wie ungebunden er reden kann.
Die größten Redner und Talente nehmen sich nicht selten die Freiheit, die Idee der Freiheit selbst vor, von der sie naturgemäß dann frei reden wollen. Das aber glückt in jedem Jahrhundert höchstens ein- oder zweimal.
Das ist zu bedauern und erhebt zugleich die Herzen des Publikums. .