Diskurs der Tugendbolzen

Sarrazins neues Buch ist da, und zwar gleich in einer Startauflage von 100 000 Exemplaren. Also der Rubel rollt. Bald werden die ersten Talkshows anlaufen, mit Sarrazin mitten drin und um ihn herum 5 bis 6 seiner Feinde. Sarrazin klagt darüber, zwischen Sachbuch, Statistik und Polemik, dass ein neuer Tugendterror herrsche, der die Meinungsfreiheit einschränke, in dem die Tugendwächter,meist linke oder halblinke Moralisten, die deutsche Sprache planmäßig verfälschten und gewisse Meinungen, wie etwa die Seinigen, ausgrenzten und tabuisierten.
Natürlich wird eine gewissse Elite, die Sarrazin nicht anerkennen und ihn keinesfalls bei sich aufnehmen will, die Großzügigkeit besitzen, ihn als verdächtigen Gegner zwar zu brand-marken, aber dabei mehr denn je gleichzeitig zu lächeln. Nicht dass Sarrazin nicht intelligent und alles nur falsch wäre,was er anbringt, werden ihm seine Gegner mit seriöser Gestik konzedieren, nur, werden sie schmunzelnd sagen, er rennt alten Idealen nach, er versteht die Modernität der neuen Epoche einfach nicht.(Irgendwie tragisch..)

Diese gewisse liberale Elite, die sich um die Zeitungen: die ZEIT,FAZ, Spiegel, die SZ usw. herum schart, wird Sarrazin nicht den Gefallen tun, sein Buch neuerdings zu skandalisieren.Und dieses Mal bei dem angeschlagenen Tugendthema-Ton wird Sarrazin kein Volk mehr hinter sich haben, denn der moralische Diskurs interessiert und tangierte noch nie ein breites Volk. Das Buch rührt kaum an nationale oder nationalistische Instinkte, wie bei seinem letzten Coup:„Deutschland schafft sich ab.“ Ich erinnere mich, das war für drei Sekunden eine nationale Aufregung, die sicher unwiederholbar ist. Die außerdem überraschend kam. Das Tugendthema jetzt, das lästige Problem mit der „politischen Korrektheit“ und der Gesundheitsideologie hat schon etwas Verjährtes, etwas von der gestrigen Zeitung im Singsang der Klage, die ja selbst keinesfalls anti-moralisch sein darf. Hier klagt ein Moralist gegen tausend andere, die eisern zusammen halten. Übrigens lächelnd. Ich denke: Nur die Satire könnte das Peinliche auf beiden Seiten aufdecken. Den beiden Lagern, früher einmal links und rechts, geht es um die Quoten und die Millionen, die mit jenen zu machen sind.
Also werden sie die geplanten Talkshows wieder herunter fahren, Sarrazin mit anderen Themen und anderen, bunten Gästen einladen und seine neue Buchsensation als ein Medienhäppchen unter anderen servieren. Dass es bei der 100- Tausenderauflage bleibt und sie nicht wieder in die Millionenhöhe hinauf wächst. Denn auch der Meinungsmarkt ist ein Markt, wo die Geschäftstypen herrschen, die dieses Mal dafür sorgen werden, dass Sarrazin nicht wieder – via Medien- die Volksmassen ergreifen kann.

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