Medien-Politik als Staats- Spektakel

Nein, die Regierungskrise ist nicht so ernst wie sie gespielt wird. Die Krise, das Drama wird mit Hilfe der Medien, die das Futter begierig aufschnappen, auf eine gewisse Fallhöhe gebracht, auf der die Designer des Zeitwindes dann hohe Töne anschlagen können, wie: Die CSU dürstet nach Revanche, sie fordert ein Opfer auf Seiten der SPD. Denn diese Partei, des Vertrauensbruchs schuldig geworden, habe ein Bauernopfer auf Seiten der Christsozialen erzwungen. Dafür müsse nun auf der anderen Seite ebenfalls ein Opfer gebracht werden. Seehofer fordert das nicht direkt, er lässt immer mit sich handeln, aber er will aus dem geopferten Hans Peter Friedrich noch einen politischen Profit heraus schlagen. Und sei es nur die volle Zustimmung Gabriels für die Ausländermaut. Etwas Nennenswertes an Gewinn muss für die CSU herausspringen aus dem Fehlverhalten der SPD.
Während Gabriel heute Abend noch überlegt,was er dem Seehofer anbieten könnte und Mutti Merkel auf ein Ergebnis des Deals drängt, diktieren draußen Scharen von Juristen ihr Fachchinesisch in die Notizblöcke der Journalisten. Diese werden versuchen auch daraus ein größeres Feuerchen zu machen,und für manchen Juristen wird sogar eine Einladung zur Talkshow (Lanz oder Will) abspringen dabei..
Dann gehen die Türen auf, Gabriel gibt sich sachlich und würdigt noch einmal das Bauernopfer Friedrich, das sich anständig verhalten habe. Seehofer wird süffisant und etwas verkrampft lachend seinen Gewinn im Spiel andeuten. Frau Merkel wird in ihrem kühlen Küchendeutsch die Staatskrise wieder auf Minimalmaß herunter fahren. Ende.
Der skandalöse Kinderpornograf sucht inzwischen im Ausland einen neuen Wohnsitz. In einem halben Jahr besuchen ihn dort der Stern, Bild und RTL, um eine letzte Fortsetzung des peinlichen Falles noch einmal aufzukochen. Dann eventuell nochmal in der Jahresreview „Menschen 2014“.
Morgen schon wird Präsident Gauck mit seinen Beratern und Redenschreibern zusammen kommen,um aus der Staatskrise und ihrer Behebung eine Imagebroschüre für Freiheit und Demokratie zu verfassen.Regisseur Wedel wird dem ZDF einen Dreiteiler vorschlagen, zum Drama der Vertreibung eines Kinderpornografen aus dem Staate.

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3 Gedanken zu “Medien-Politik als Staats- Spektakel

  1. glaube ich auch, dass das alles so zutrifft (außer dem süffisanten schluss vielleicht), ich frage mich nur: bin ich gezwungen als bürger, mich genau in diesem sinne intelligent zu geben (was ich sicherlich bin, wenn ich das alles eben in diesem sinne durchschaue und ent-spinne) oder darf ich auch naiv an die führungsrolle von politikern glauben? und wenn ja oder nein: was ist letzten endes am sinnvollsten: nicht wählen zu gehen wie ich oder fleißig weiterhin das wahlrecht zu nutzen und sich voll demokratisch zu geben wie die meisten anderen, die politische meinungen abgeben?

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  2. gewissensbisse auf keinen fall, ich bin mit mir im reinen. aber solange ich in einem staat lebe, von dem ich finanziell und kulturell profitiere (wie jeder, egal wie), möchte ich stolz sein auf die politische führung des ganzen. kann ich aber nicht, wenn ich begreife, dass es den spitzenpolitikern weniger um eine gut funktionierende demokratie geht sondern scheinbar immer nur um die aufstellungsstrategien der einzelnen parteigruppierungen. und das ist nicht witzig. selbst dann nicht, wenn ich am rande stehe und das nur beobachte. verstehst du das?

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