Die Schweiz, Gerd Schröder, Max Frisch

Die Schweiz schottet sich ab, die Angst der -Funktionäre, das könnte auch hierzulande ansteckend sein, die Sehnsucht der Bürger wieder mehr unter sich zu bleiben. Den Zuzug der Fremden stark zu beschränken.

Dann Gerd Schröder gestern bei Beckmann. Der Gerd sättigte ihn mit seinen Verkaufsformeln der Politik. Sein Lachen gehört zu seinen Werbetricks. Er führt kein Handy bei sich, wozu? Sein Verständnis für Freund Putin lautet kurz:  die Russen brauchen Zeit, die Demokratie ist etwas Fremdes für sie.Gebt ihnen doch Zeit, die Schwulen und die vielen Gefangenen in den Lagern dort werden das nicht einsehen, denke ich. Sie haben auch nur die eine Lebenszeit.
Er geht Beckmanns süßer Anmache nicht auf den Leim, er gibt nichts preis, er hat immer Recht, zum stillen Beweis dafür kritisiert er sich an ein paar Stellen sogar selbst. Er beherrscht seine Selbstlegende aus dem FF. Vergeblich ihm zuzuhören, er sagt viel mehr, als er denkt. Vermutlich verwechselt er selber sein Reden oft mit seinem Denken. Er denkt, er denke, weil er den Größen der Welt schon die Hände geschüttelt hat, mit Jacques Chirac aus Paris schon einige Bierchen getrunken hat in Hannover. Mit Bill Clinton in Berlin Mitte schon einmal über Günter Grass diskutiert hat. Usw.

Heute Nacht noch länger im Berliner Journal von Max Frisch geschmökert. Mein Gott, schreibt der schlecht und ungenau. Er badet in seinen Selbstzweifeln, die nobel klingen, aber nichts wert sind. Er zeigt sich großmächtig in den Begegnungen mit den kleinkarierten Kollegen aus der DDR: Biermann gefällt ihm, aber er kann nicht sagen warum, ebenso sein verstecktes Mitleid mit den DDR-Offiziellen und Spitzeln in dem Verlag, der ihn hofiert aber er hat eben doch ideologische Krämpfe dabei zu überwinden . Na bitte. Wenigstens das.Sie wollen ihn und seine Schriften für ihre politischen Winkelzuge instrumentalisieren. Er merkt es nicht und ist überhaupt ohne Humor.
Er versucht darum dauernd die Ironie als literarische Methode madig zu machen.Sie diene z.B. bei Thomas Mann nur dazu, dass dieser sich über seine geistige Flachheit hinwegzutäuschen vermag. Diese These wäre indes nur glaubhaft, wenn er den ironisch verpackten Flachsinn wenigstens einmal zitieren und uns mit seiner geistigen Brillanz überraschen könnte. Wenigstens da und dort. Nein,er missversteht seinen eigenen Tiefsinn mit der Düsternis, die ihn trotz Luxus, Wohlstand und Ruhm alle Augenblicke überfallen kann. Er ist doch weit gereist, er kennt doch die Welt, er war überall schon. Er bedauert, dass seine DDR Kollegen nicht wie er Paris mit London, Berlin mit New York vergleichen können. In dieser Weltbeflissenheit erinnerte er mich an Gerd Schröder, der gegenüber Beckmann ebenfalls Paris mit New York verglich.
Er ist gerne in New York, der Gerd Sch., aber nicht zu lange, die Stadt ist ihm irgendwo zu massiv. Oder so ähnlich, während seine Frau Doris eine begeisterte New Yorkerin sei.
Anders als unser Gerd wiederum vermisst Frisch in den Gesprächen mit den DDR-Kollegen, etwa mit Christa Wolf, Kunert, Schlesinger, die Probleme des Schreibens als Thema. Die DDR-Intellektuellen reden lieber über den Staat, ihr kritisches Verhältnis zu ihm, auch über ihre Loyalität dennoch zu ihm, denn sie wissen nicht genau, wer unter ihnen der Spitzel sein könnte. Frisch macht dieses Fass aber nicht auf, er scheint die Bosheit und Erpressung des Systems nicht recht zu bemerken, obschon er doch von der hiesigen Literaturkritik als der große Beobachter gerühmt wird. Ich stelle das Gegenteil fest, eine große Unbeholfenheit und Blindheit in seinen Schilderungen.
Aber wer sich für die Geschichten im Literaturbetrieb von 1970 und den folgenden Jahren interessiert, der findet hier natürlich auch ein wenig Klatsch und Prominenten-Lesefutter. Damals gab es noch keine Talkshows, deshalb brauchte man solche Literatur.

Eigentlich wollte ich jetzt noch ein paar Artikel zum digitalen Welt- Untergang bzw. zu den Fallen des Internets lesen, aber ich glaub es auch so, Algorithmen sind mir nicht vertraut, überhaupt das Technische, ich meide es, wo ich kann. Ich weiß, dass auch mein Internetgebrauch immer ein Ritt über den Bodensee ist. Als Reiter bin ich doch aufgeklärt. Als Opfer einer heimtückischen großen Macht so arm dran, wie die meisten meiner Nebenmenschen.
Im Briefkasten eine Propagandabroschüre der Naturmedizin. Sie will mich über die billigsten Naturmittel informieren, sodass ich mein gesundes Leben nicht den Gift-Mischern der chemischen Industrie hingeben müsse. Wäre doch schade. Aber die geben mir die billigen Tipps nur, wenn ich die Zeitschrift abonniere, wo ich genau alles serviert bekomme,was mir gut tun werde..
Die Schlacht der Verkäufer um die Kunden. Ich erwarte demnächst ein Gewinnspiel der chemischen Industrie, die auch als Hauptsponsor von Schalke Null 4 auftritt, nein nicht Schalke, Leverkusen war es, o Gott – Leverkusen.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Die Schweiz, Gerd Schröder, Max Frisch

  1. Die Schweiz hat 24% Ausländeranteil, von Abschottung kann hier wohl keine Rede sein. Die meisten Ausländer sind vorbildlich integriert (ich bin auch einer von denen).

    Ich möchte nicht wissen, was in Deutschland, Frankreich oder anderen EU-Ländern los wäre bei einem 3-4 Mal so hohem Ausländeranteil als dort heute leben …

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s