Klage und Jammer

Die meisten Leute kennen den Unterschied nicht mehr, der groß ist zwischen den beiden Begriffen. Die Klage erreicht in ihrer höchsten Form poetischen Rang, gerinnt zur reinen Form, aber auch sonst versucht sie das Elend zu objektivieren, den Missstand zu begründen, während derjenige, der sich im Jammer zufrieden stellt, schiebt alles nach außen, auf von außen einwirkende missliche Umstände, auf schlechte Menschen, die ihm übel wollen und ihn ungerecht behandeln. Dass ihn das Schicksal wie ein Verschwörungsmotiv darnieder wirft. Der Selbstgenuss ist in beiden Fällen zu beobachten. In der Klage wird dieser Genuss zur Haltung, zur Figur, die des Inhalts gewahr wird und ihn genau beschrieben lässt. Im Jammer aber überwiegt das Formlose, die Verallgemeinerung, das Selbstmitleid.
Eine Zeit lang war das Jammern schick, sogar in der sog. schönen Literatur, verband sich oft mit anklagenden Reden, denn das Problem, das als ein gesellschaftlich bedeutsames galt, adelte den tristen Inhalt.
Der Jammer wurde Lehrinhalt.

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