Der Mensch eignet sich nicht zur Instanz

Im sozialen Netz herrscht eitel Aufregung über die Steuerhinterzieherin Alice Schwarzer. Ist sie nicht kürzlich erst bei einem Tribunal über den Kachelmann auf einen schönen hohen Ross gesessen, um die Wahrheit zu verkünden?
Eine solche Untat dürfe sich gerade Alice Schwarzer nicht leisten, sagen ihre Gegner, die anderen immerzu die Moral predigt, Männern ihren Sexualverkehr unterhalb der Augenhöhe am liebsten staatlich verbieten ließe.
Nein, also die Schwarzersache, das ist ein Skandal, brüllen die sozialen Netzwerker überall herum. Diese Frau soll sich bloß nicht mehr öffentlich blicken lassen und am besten in die Schweiz ziehen, wo sie ihre Konten hat.
Interessant am Rande nur, dass ausgerechnet das Kampfblatt der Spiegel, wo sie so stolz war, einst publizieren zu dürfen, sie nun verraten hat. Der Spiegel nimmt naturgemäß und skrupellos jeden Skandal, der sich bietet, auch wenn’s eine Hausfreundin trifft.

Ein anderer Skandal sind die Himmlerbriefe an seine Frau. Was, der Drecksack hatte eine Frau, ja und sogar Kinder, die ihm ans Herz gewachsen sind, wie bitte Herz? Der Schweinehund hatte doch kein Herz, ja aber so etwas steht in den Briefen und auch an Weihnachten wurde er wie viele heutige Menschen ganz normal und sentimental. Ist das schon wieder eine Fälschung, wie die Hitler-Tagebücher? Nein, die Briefe wurden auf einem Dachboden in Israel gefunden. Es ist alles nicht zu fassen, die Welt ist absurder, als man sie sich vorstellen kann. Aber trotzdem: dass diese Selbst-Enthüllungen eines Massenmörders irgendetwas zu historischen Bewusstsein beitragen, kann stark bezweifelt werden. Es kommt eben nur wieder heraus, dass auch grauenhafte Typen und Sadisten letztlich leider nur Menschen waren. Und natürlich schießen sehr hohe Auflagen dabei ins Kraut der Leser, jene sind der Hauptzweck und nach den Briefen in Buchform kommt gleich der Film und sicher bald eine Serie und auch im Netz wird man dem Vollidioten mannigfache Aufmerksamkeit zollen. Aufklärung? Nö, eher eine Dokumentation ekelhafter Gefühle. Und dem Mistkerl gaben sich gleich zwei Frauen hin: ich sag’s ja, man soll Frauen wirklich immer ehren, aber man darf sie doch nicht überschätzen. Auch Frauen und Geliebte von Mördern sind, wie gesagt, bloß Menschen.

Eine dritte Sensation, die noch kein ausgewachsener Skandal ist, aber sicher einer werden kann, ist die Berufung der Frau Schavan auf den Botschafterposten beim heiligen Stuhl in Rom. Sie wagt es ohne Doktortitel, den man ihr ja aberkannte, sich unter die macht-lüsternen Betonköpfe des Vatikans zu begeben? Wie unvorsichtig, wie leicht kann die treuherzige gute Frau dort in Affären und Intrigen krimineller Homosexuellenbanden verstrickt werden. Dort musste selbst der hoch-intellektuelle Professor Ratzinger die Segel streichen. Was traut sie sich zu, ich vermute, da will sie jemand in eine Falle locken. Oder ein Spion will sich von ihrem Palast aus, während einer Party bei Nacht und Nebel, ins Machtzentrum des Katholizismus einschleusen und den Papst erdolchen. Die Schavan hat ihm das Trittbrett -unbewusst natürlich unschuldig eigentlich, hingehalten, wird es heißen. Irgend so etwas wird es sein, es wird ihr wie mit ihrem Doktortitel gehen, sie wird noch einmal Schaden erleiden, diesmal als linientreue Katholikin.
Es ist schon gemein,welche Fehlmeldungen über Fehlbesetzungen die hämische Presse tagtäglich abfeiert. Mit uns einfachen Steuerzahlern kann man das ja machen. Wir sind bescheiden genug und glauben das alles.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Der Mensch eignet sich nicht zur Instanz

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s