Deutsche Krankheit

Mit dem griechischen Namen Abderra bezeichnete Christoph Martin Wieland alle mittleren und kleinen Städte, deren auffallendstes Kennzeichen ein schier grenzenloser Mangel an Humor ist. Schilda ist der Name für die größte Dummheit, Abderra für deren Ursachen in den Wüsten der Humorlosigkeit.
Gegen diese Verstocktheit hilft weder Intelligenz noch Bildung. In gleicher Angelegenheit sprach Karl Kraus deshalb polemisch und paradox vom „Bildungspöbel“ und vom „Geistbetrieb“.

Am Wochenende berichtete Gerhard Polt, der bayrische Satiriker von seinen Treffen mit Werner Finck, dem Kabarettisten. Finck wurde wegen seines Humors von den blut-ernsten Nazis sogar ins KZ geworfen. Dort habe er einsehen müssen, berichtet Polt, dass Wissen und Bildung gegen die Barbarei allein nichts ausrichteten. Im Gegenteil, nicht wenige sog. gebildeter Leute hätten an Massenmord und Hetze der Nazis sogar aktiv und ohne geringste Skrupel mitgewirkt.

Gerhard Polt zieht daraus den Schluss, dass, um die Verhältnisse zu bessern, die Miseren und Katastrophen, die der deutsche Bierernst immer noch anrichtet,wenigstens einzudämmen, die Kinder schon in den Schulen mit geballten Ladungen von Humor zu konfrontieren wären. Denn selbst wenn sie keine Neigung und kein Talent zu Humor und Witz verspürten, sie es wenigstens lernten, Ironie und Witz zu verstehen.
Ob da unsere Kulturverwalter und Schulfritzen hingehört haben?
Ich bezweifle es, denn auch sie sind großenteils ironie-und humor- resistent.

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