Die alte Zeit und unsere leeren Tage

unsere Epoche scheint fad und leer, wie füllen wir sie mit neuen Stars, neuen Heldinnen? Doch wie, wenn sie nicht haltbar sind für länger? Drehen wir das Rad noch einmal zurück zu den local heroes von gestern und vorgestern, was sagen sie heute noch?

Ich meine: Sie haben Stars, jede Menge:jung, hübsch und auch die flotten Sprüche dazu, doch viel mehr nicht. Die schnell hoch gekochten Champions aus Musikbranche, Film und Fernsehen, Literatur und Kunst haben kaum mehr zu sagen, als sie bei Lanz und anderen Talkshows so gerne von sich geben . Meist in
plapperndem Lockerdeutsch. Vow, super, wahnsinnig

Also holen sie in diesen erschöpften Zeiten die alten Hasen wieder aus den Ställen: Gerd Schröder, Wolfgang Niedeken, Heinz Rudolf Kunze und wie sie eben alle heißen. Dann kommt wenigstens der alte Sound der Weltanschauungen wieder zum Vorschein, die Sehnsucht nach den alten Epochen, als der Feind noch stimmte und die Ãœberzeugungen schier Hand und Fuß zu haben schienen. Dann kommen Sätze, die sich anhören wie kleine Werkeltags-Hits: „ Fußball funktioniert wie Rock’n Roll“ befindet Wolfgang Niedecken, doch der grüne Pop-Poet bemerkt leider nicht, wie sehr das einst gewiss technisch nützliche Wort „funktionieren“ inzwischen schwächelt, und gar keine semantische Rolle mehr spielt. Es könnte einfach durch das Wort Super ersetzt werden: „Fußball ist super wie…“ aber das klingt ihm zu teeniehaft, zu wenig intellektuell.
Niedecken pflegt noch immer sein Denkerimage von gestern.

Oder wie klingt es, wenn der alte Tatortregisseur Graf plötzlich Filme machen will, „ die Deutschland nicht braucht,“ weil es ihm so weh tut, dass „ die alte Verbindung zwischen Avantgarde und Popularitätsfilm überhaupt nicht mehr möglich scheint.“ Ja warum wohl, hatte er mit seinem faustdicken Realismus nicht dazu beigetragen, dass da nur noch Gähnen ist. Ach ja, die gute alte Realität mit ihren Sozialproblemen, seufzt die Quote und zappt weiter zur nächsten Talkshow, wo sie gerade wieder über Sex und Prostitution herum schreien und jede Menge labern. Zeit für den neuen Knüller von Thilo Sarazin, der demnächst schon erscheint. Als BUCH. Das gibt wieder eine Aufregung, mit der verglichen der alte Kintopp einem doch ziemlich verjährt vorkommt. Aber das will Dominik Graf nicht glauben und denkt deswegen über einen Klassiker nach, über Friedrich Schiller und seine Lovestory mit den zwei Schwestern. Freilich ganz anders. Er will’s noch einmal riskieren mit der Avantgarde und der vermeintlich top-heißen Popularität seines Stoffes.

Aber hören wir noch, was der gute alte Münte schon wieder zu sagen hat, er haut ganz irre Dinger raus, aus dem Thesaurus des Ackerbaues. Für eine neue Rentenpolitik brauche man Mut und dürfe nicht nur auf den nächsten Tag schauen, sondern eben auch auf die „lange Stecke“. So unprätentiös
und kumpelhaft kann nur Franz Müntefering von der Ewigkeit reden. Und dazu haut er gleich noch einen goldenen Kalauer raus: „ Im Sauerland gibt es den Spruch: Man darf die Saatkartoffeln nicht verfüttern.“ Vow. Unter Bauern mag das Begeisterung auslösen, doch das neo-liberale Aufsteigerpeople und die neuen Eliten in der Markenkleidung wird die Weisheit kaum mehr von den Hockern reißen, fürchte ich.
Man sieht, die alte Zeit war gut, hatte sicher ihre Super-Helden, doch für die Gegenwart muss neue Ware her. Mit Personen von der Stange kommen wir, selbst wenn wir sie kurzfristig zu Stars machen, nicht sehr weit nach oben.
Woran liegt das nur? Taugen unser Scouts nichts, ahnt selbst Dieter Bohlen nicht mehr, wo der Wind her weht?

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