Getürkte Hoffnung

Ich bin etwas verwundert, das süßliche Gerede über die Ukraine,Ägypten etcetera.geht mir auf die Nerven, ich höre die falschen Zungenschläge. Überall diese demokratischen Frühlingsgefühle, und die euphemistischen Kommentare dazu, als wären diejenigen, die sich dort nach Demokratie und Freiheit sehnen -oder träumen sie nur wieder von den famosen Warenhäusern?- morgen schon waschechte Demokraten sein könnten.

Sie nennen sich Reporter, dabei schönen sie die Rohheit der Zustände dort, die Brutalität und Gewalt, als wäre der Weg in die Demokratie ein Spaziergang in den nächsten Luftkurort.. Als wüssten wir nicht mehr, wie schwer es den meisten DDR-Deutschen bis heute fällt, die demokratischen Regeln zu lernen, ja wie schwer wir uns selber damit taten, lange Jahrzehnte hindurch.

Ich weiß auch noch, welche Illusionen sie für den Balkan herbeireden wollten, als reiften dort seit heute unerhörte „Kirschen der Freiheit“ und der Selbstbestimmung. Dann sahen sie lange weg, als in Ungarn die Faschisten sich zurück gemeldet haben und Todeslisten anfertigten.
Als ich mich beschwerte darüber, dass sie uns ständig anlügen wollten,die Vermittler und Zuhälter der guten Werte, so täten, als wären wir alle blind, schwiegen sie und schnitten mir das Wort ab, ich gefährdete damit ja Gelder, die man aus Europa immerzu erwartete. Doch in Wahrheit hatten wir nur immer dieselben Hände der alten, flugs umdekorierten Sekuritate und Ustascha zu schütteln. Man braucht ja nur die Erzählungen und Romane lesen, die uns ein echteres Bild vom Balkan geben. Aber so etwas lesen die offiziellen Optimisten ja nicht. Der Dichter Catarescu, mit dem ich mich zwei Tage lang unterhalten konnte, sagte mir: es ist alles wie immer, wie früher, als der Irre herrschte, nur eines ist besser und anders, wir dürfen jetzt raus aus dem Gefängnis und reisen.

Hier aber in der Schönfärberei, in den wellness-Medien will niemand den guten Schein stören und wahrhaben, mit welch feisten Typen wir es zu tun haben, die sich dort überall wie neu geboren an die alten Machthebel schleichen. Die meisten Medien erzählen uns wie kleinen Kindern beruhigende Gute-Nachtgeschichten. Sie betreuen unser demokratisches Bewusstsein.
Anscheinend ist niemand in der Lage, die hässlichen und sehr realen Defizite und Folgen des Betonzeitalters im Ostblock zu schildern.
Sie tun lieber so, als gäb es Schlüssel zur Rückkehr ins Freie.
Als bräuchte man für die Freiheit nur ein gewisses Naturtalent.

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