Die katholische Kirche im "Spiegel" der Zeit

Ich nahm mir heute schon vor, in Zukunft weniger hemdsärmelig zu schreiben, eine feinere Sinnesart zu pflegen. Mehr Schweigen in die Gegenstände zu bringen. Der spanische Jesuit hat mich betört. Nicht in einer groben Epoche selbst noch grob werden, rät er mir. Stattdessen eine Höflichkeit und Konzilianz zur Sprachkunst erheben, das wäre viel nobler, vielleicht die eleganteste Art von Ausflucht?
Denn die menschliche Bestialität verursacht nach wie vor viele Unfälle und natürlich auch die Siege.
Nicht länger durch den Meinungsmatsch überall waten, nahm ich mir vor, alles diesbezügliche auf ganz wenige Sätze reduzieren.
Freilich, es ist meine Lust am Zitat, die mich zur notigen Länge verführt .
Ich möchte den Unsinn zitieren, als ob ich damit jemand aufklären, wachrütteln könnte.
Ich möchte dem falschen Satz, dem Idiotenbegriff par exellence eine komische Maske aufsetzen. Doch wozu? Die meisten verbringen ihr Leben wie im Schlaf. Und die wenigen anderen bedürfen nicht meiner Aufklärungsnotate. Wie kam ich denn dazu?
Zuerst bemerkte ich in der Stille, die ich mein Leben lang suchte, dass die Sprüche, die von draußen hereinkamen hier ganz anders klangen als dort, wo man sie bejubelte und um sie stritt. Draußen im Lärm.

Heute zum Beispiel las ich im „Spiegel“, dem Magazin, wie sie sich über den Papst hermachen, ihn als „global Star“ betiteln, dann als „PR Mann“, um an der nächsten Satzecke zu fragen, ob er denn wirklich mehr könne als „Charisma und große Worte“, denn das werde sich doch wohl noch herausstellen lassen.
Ach, es ist eine Lust den Unsinn zu zitieren, etwa wenn das Autorenkollektiv einen großen Shitstorm massenhafter Katholiken auf ROM prophezeit.

Es ist göttlich, sie haben keine Ahnung, sie reden und schnurren wie in der Operette, sie fühlen sich stark, sie plappern im Klartext der düstern Epoche einfach drauf los. Sie sind am Drücker, wer „Spiegel“ liest kriegt Abitur. Sie suhlen sich im Selbstgenuss.
„Soll mich das alterieren“, fragt Hans Moser in einer kleinen Himmelsschenke den Qualtinger. Nein, winkt Qualtinger mir zu, nur Unsinn machen, einfach Unsinn quer. Die Trotteln werden nicht weniger, aus jedem, den du erschlägst, wachsen zwei neue Trottel.
Ich weiß, sag ich mir, und ich nehme mir fest vor, keinen Trottel mehr zu zitieren, aber bedauerlich bleibt doch, schreib ich meiner geistigen Freundin, der Nonne, dass man in der der Erforschung der Dummheit nicht vorankommt, weil die Vertreter dieses fragwürdigen Gegenstandes selbst die Untersuchungen leiten, nicht aus der Leitung gehen, an ihren Vorstandssitzen buchstäblich kleben.
Aber ich will sachlich bleiben in Zukunft und die Dinge objektiv betrachten.

Ich weiß doch, dass ein Sturmgeschütz der Meinungsepoche in der katholischen Kirche, die man im „Spiegel“ kaum kennt, nur sehr viel dazu recherchiert hat, nichts als Unzeitgemäßheit erkennen kann.
Als müsste sich die Kirche der Zeit anpassen, damit sie von deren Spiegeln akzeptiert werden könnte. Das ist, als wollte ich als Mann öffentlich die Tatsache bewerten, dass immer mehr Frauen die Spitzen der Gesellschaft repräsentieren. Das wäre doch nicht charmant, gesetzt das Urteil fiele anders als schmeichlerisch aus. Und so unhöflich erscheint es mir auch, wenn der „Spiegel“ ausgerechnet dem alten Papst Benedikt vorwirft, er habe die „uralten Dogmen“ weiter verbreitet, statt brandneue Thesen aufzustellen. Der „Spiegel“ wartet noch immer darauf, dass endlich auch ein Papst sich als Schwuler outet. Aber wäre er dann weniger hämisch, es geht ja heute in der ganzen Spiegelaffäre um Sex und da sieht es auch bei den Katholiken nicht gut aus, sie erwarten von ihrer Kirche ähnlich wie der „Spiegel“, triumphiert dieser, weniger Realitätsfremdheit, und viel mehr Zeitgemäßheit, mithin also etwas, das die Kirche in ihren sicheren Untergang führte.
Dass die Kirche auch Fragen zur Sexualität in Latein verhandelt, steht ihr doch zu,
sie kann sich sogar erlauben da zu schweigen, wo die ganze Meute unheimlich beredt wird und in ein wahres Beichtfieber ausbricht. Bei dem netten, dem bodenlos fröhlichen Herrn Lanz und überall.
Nein, das Ganze ist unsäglich, ich werde es übersehen und kein störendes Wort mehr dazu äußern.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s