Wer könnte man denn sein?

Es wurde immer wieder versucht, den echten Menschen aus dem halben Kerl, oder aus der parfümierten Dame herauszulocken, ihn als Kind schon abzufangen, da im Paradies einst doch alles glücken sollte. Immer wieder werden über ihn, den alten Hütten-Menschen allerlei Spekulationen ausgebreitet.
Denken wir nur an den Gipfelstürmer Zarathustra, den Übermenschen. Im samtenen Überzug, aus dem heroische Funken und Sprüche sprühen.
Seine Feder am Hut war schon bald aus der Mode gekommen.

Doch anders als alle utopischen Menschheitsträumer und Pädagogen, anders als die französischen Moralisten, mit ihrem Esprit und ihrer Charakterlehre, verfährt Balthazar Gracian, der spanische Jesuit. Er lehrt uns Lebenskunst als Maskenspiel. Insofern wir öffentliche Subjekte sind, tragen wir Masken, naturgemäß. Entblößen unsere Kleider deren Geist. Die Öffentlichkeit ist nichts als die Kunst der Verstellung.
Dort heißt es schlau sein, die Bestalität des Menschen durch höchste Bildung und Eleganz unsichtbar, unsäglich machen. Dort ziehe man bloß nicht zu viele Feinde an sich und gegen sich. Das offene Wort, die naive Ehrlichkeit dient dort der Lüge, die wie ein offenes Messer ist, in das man läuft. Deshalb gehe man den Gestalten aus dem Weg, die nichts an eigener Ehre zu verteidigen haben. Mit ihnen ist übel zu rechnen,nicht zu handeln, nichts zu tun.
Auf dem Markte spricht der Weise in der gleichen Sprache wie die Toren dort. Doch seine Pausen, seine Fragen verraten sein Weistum.
Er weiß: Das Wesen des Menschen ist Bestialität, die er mit Schläue und einem eleganten Schauspiel der Bildung unsichtbar mache. Es ist alles zu inszenieren, alles zu vertanzen. Zu verschwenden. Gesellschaft ist etwas durchweg Künstliches. Die Natur wird dort wie ein Dämon ausgetrieben, als könne man damit schließlich auch die eigene Bestialität zur Welt hinauskehren.
Das klingt pessimistisch, doch Gracian pflegt einen heiteren Stil, er ist ein graziöser Tänzer, ein Stilist als Rhetoriker. Er spricht nie wie ein grober, deutscher Fundamentalist, von der Humanität, von einer Grundstruktur des Guten im Dasein , obschon er uns immer wie ein Verliebter zur Tugend überreden will.
Überreden, dadurch wirkt er überzeugend.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s