Große Politik für kleine Leute

Sätze und Gesetze aus Gracians Handorakel

„Nicht aus lauter Güte schlecht sein; der ist es, welcher sich nie erzürnt.“

„ Die Vögel machen sich bald über den Strohmann lustig.
Das Süße mit dem Sauren abwechseln lassen beweist einen guten Geschmack.
Das Süße ganz allein ist für Kinder und Narren.
Es ist sehr übel, wenn man aus lauter Güte in diese Gefühllosigkeit versinkt.“

Ja, es wird einem übel, wenn man gewisse Politikerinnen und Politiker – im Bunde wie auf den platten Lande- über kleine bescheidene Leute reden hört. Wie süß sie dann sind und ihre Stimmen verstellen, wie der Wolf bei den sieben Geißlein. Wie sehr liegen den kleinen Politkern die ganz kleinen Leute am Herzen: die Rentner, die Mütter, die allein stehenden Mütter, die Frauen, auch die jungen Frauen, die allein gerade stehenden Frauen, die Arbeiter, so es sie noch gibt, die Angestellten, die mittelständischen Unternehmer. Sie alle und noch viel mehr bescheidene Landsleute, gerade auch die Migranten unter uns, werden von den politischen Rednerinnen und Rednern mit heiligsten, süßesten Wassern betäubt.

Ausgegrenzt werden nur die bösen Superreichen, diese schweinischen Leute, die nichts arbeiten und ihr ganzes Leben wie im Luxusurlaub verbringen. Besonders die einst linken Parteien stellen die Gruppe der Milliardäre und Millionärinnen scharf an den Pranger. Sie fordern ihnen mehr Geld ab, höhere Steuern, Abgaben, usf. Die Konservativen halten sich zurück, sie wissen, dass den Superreichen eine gesellschaftliche und mediale Ächtung nichts anhaben kann.
Natürlich, die meisten reden über diese Mega-Glücklichen schlecht, nur Schlechtes weil sie heute noch wie früher nur die Könige lebten, ihr Dasein absolut genießen. . Natürlich ist diese vom Neid angetriebene Rhetorik keine edle, ganz gerechte. . Aber diese Superreichen sind doch selbst schuld, wenn sie der geheime Feind aller Volksparteien sein wollen. Sie tun ja nichts dagegen, weil sie wissen, ihre Super-Villen können nicht angezündet werden, denn diese befinden sich längst in den schönsten und steuergünstigsten Landschaften auf der ganzen Welt.

Diejenigen unter den Superreichen, die sich eine Integration ins gut-gemeinte Ganze erkämpfen wollen, müssen ins Fernsehen kommen und dort Buße und Einsicht zeigen. Am besten, Sie geben nennenswerte Summen aus für die Verbesserung der Sozialstrukturen in Afrika oder sie spenden riesige Summen für andere gute Zwecke. Das imponiert besonders den kleinen Leuten und auch den mittelständischen Unternehmen, während die allein stehenden Mütter sich eher denken,warum spendet der Krösus nicht auch für uns mal ein paar höhere Sümmchen?

Einen solchen, der viel Geld hat, aber nicht alles verprasst, sondern sehr bescheiden lebt, ganz ähnlich wie die kleinen Leute, und der aus Solidarität sogar einen Opel fährt manchmal, einen solchen goldenen Opa können sogar die einst linken Volksvertreter akzeptieren.
Also liegen die sauren Wiesen bei der verschwindend kleinen Minderheit der Superreichen, die meistens im Ausland leben. Bleiben die Banken, die schlechten Banken, da kann der politische Agitator das Süßwasser verlassen und drauf hauen, ordentlich Saures geben.
„Wenn gewisse Banken glauben, das Volk, die Kunden..“ so kann eine klassische Attacke von heute gegen die Geldhaie ihr Tempo aufnehmen. .

Aber das ergibt dennoch nie einen Charakter im Sinne Balthasar Gracians, des weisen und klugen Jesuiten.
Er sagte zum Beispiel, womit er uns allen bis heute über den Kopf wächst:
“ Stets zur Probe bereit muss der Kopf, die Klugheit und die Tapferkeit sein, sogar auch die Schönheit. Denn der Tag ihres sorglosen Vertrauens wird der Sturz ihres Ansehens sein.“

Es ist sehr anstrengend heute, ein passabler, ästhetischer Mensch zu sein. Auch erfordert es Tapferkeit, gegen die kleinen Leute, um sie nicht ständig größer und süßer zu machen als sie sind. Am Ende büßen sie auf beiden Seiten, in der Politik und draußen in der kleinen Realität, ihr ganzes Ansehen noch ein.

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Ein Gedanke zu “Große Politik für kleine Leute

  1. Uns geht’s gut! Doch Griechenland ist überall ! ?
    Langsam spürt es jeder: unsere Gesellschaft fällt mehr und mehr auseinander. Etwas läuft gewaltig schief.
    Unsere politische Führung verliert, unabhängig von der sie tragenden Partei, immer stärker ihre Akzeptanz bei den Wählern.
    Politiker und Medien versinken in einer Flut kleingeistiger Randthemen und verlieren die Konzentration auf brennend notwendige Reformen.
    Unsere wirtschaftliche Elite spielt, ungeachtet ihrer sich in den letzten Jahren wiederholenden Niederlagen, weiterhin ungebremst Monopoly.
    Unsere geistige Elite verliert sich in der Beliebigkeit von Werten und Lebensformen.
    Wir alle leben seit Jahrzehnten weit über unsere Verhältnisse. Die Politik versucht dies durch überhöhte Staatsausgaben zu verschleiern. Die Folge ist eine unvorstellbar hohe Verschuldung, die längst unser Gemeinwesen real bedroht.
    All dies sind ernste Zeichen einer Gesellschaft auf dem Weg in die Zweitklassigkeit.
    Sind sie der Anfang vom Untergang oder nur Begleiterscheinungen eines Umbruches, eines Lernprozesses mit der Chance zur Entwicklung einer neuen, hochwertigen, freien und humanen Gesellschaft?
    Der Autor beschreibt bei Schlüsselfunktionen wie Politik, Wirtschaft, Interessengruppierungen, Kirchen und Familien, wie sich die tragenden Themen in unserer Gesellschaft entwickelt haben und wo ein dringender Handlungsbedarf zu deren Korrektur besteht. Er regt dazu mögliche Lösungen als Bestandteil eines ständigen Lernprozesses an, in dem die dann daran beteiligten Akteure sich in aller Bescheidenheit darüber im Klaren sein müssen, dass keine Ideallösungen möglich sind, sondern dass sie nur unzureichende Teillösungen als jeweiligen nächsten Zwischenschritt anbieten können. Allein diese Erkenntnis würde die heute üblichen Kämpfe, mit immer höheren Forderungen von der jeweils nicht in der Verantwortung stehenden Opposition reduzieren und die gegenseitige Handlungsblockade auflösen.
    Er vermittelt die Anforderung, dass unsere Eliten und die, die sich dafür halten, mehr zuhören und lernen müssen, anstatt zu versuchen, ihre eigenen Meinungen und Vorstellungen ständig den Mitmenschen auf zu bürden. Dazu gehören mehr Persönlichkeit, mehr Mut und mehr Bescheidenheit.

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