Es zählt gar nicht

Ohne Arroganz sei hier vermerkt: Es muss natürlich in der Werbung niemals gleich die nackte Wahrheit sein, denn diese ist, wie jeder weiß, nicht gut verkäuflich.
Deshalb sprechen die Marketingleute auch lieber von elementarer Strategie:

„Ein kraftvoller Slogan ist ein wesentliches Element jeder Markenstrategie. Er soll die Besonderheit der Marke auf den Punkt bringen und sich in den Köpfen festsetzen. Im Idealfall wird er zu einem geflügelten Wort und erzeugt eine kommunikative Eigendynamik für die Marke. Leider ist die Realität oft eine andere: „
Doch der Punkt ist schwer zu finden, wenn die Produkte wie Zufälle aussehen. Und sie geben es ja sogar zu, die verkäufer und Marketingfans:

„Erschreckend viele Marken arbeiten mit schwachen Claims“.

Mich erschreckt das zwar gar nicht, aber es zählt und wirkt einfach nicht, wenn Werbeslogans sich so weit von allen Tatsachen entfernen, wie z.B. der Spruch der Südwestpresse:
„Es zählt nur,was Sie lesen.“ Da spürt jeder unwillkürlich die dicke Lüge, die unfreiwillige Komik. Denn auf die Frage, wo lese ich denn,was zählt, weiß jeder, der überhaupt zu lesen versteht, dass die richtige Antwort niemals lauten kann : in der Südwestpresse. Dort herrscht die semantische Wüste, der grausame Durst nach dem Buchstabengeist, dort gibt es für den süchtigen Leser nur Hungerrationen und schlechtes, miserabelstes Deutsch.
Besser klänge schon mediamarktverwandt: „ wir sind ja schön doof, deshalb Südwestpresse kaufen.“

Ähnlich schräg wie dieses Zählen statt des Lesens klingt der Slogan von Radio 7: „Mehr Hits von heute im besten Mix“. Erstens, wer braucht immer mehr Hits und zweitens, was heißt schon Mix? Mischung? Unsaubere Entscheidungslage. Der Geschmack für jedermann, er vertreibt am Ende alle. Das weiß man doch. Oder?
Es ist Gewäsch, nichts mehr. Aus noch mehr hits wird niemals ein geflügelt‘ Wort, zumal die Konkurrenzsender mit ganz ähnlichem Power-Gequatsche aufwarten und somit keiner das begehrte „Alleinstellungsmerkmal“, oder sagen wir’s im Powerdeutsch unserer lieben Radfahrerinnen und Frisöre, die „Poleposition“, erreichen kann.

Die Marketingexperten sagen deshalb: „Eines ist sicher: Für eine Marke ist es besser, keinen Slogan zu haben, als einen schlechten Slogan. Denn im Kampf um die Aufmerksamkeit des Konsumenten ist alles, was nicht klar auf die Marke einzahlt, Rauschen, Ablenkung, Ressourcenverschwendung.“

Deshalb lieber gleich bei der Sparkasse abkupfern: „ wenns um Hits geht, Radio 7“. Oder es gleich sein lassen, die schlichte Wahrheit sagen: „Sie brauchen uns, schon wegen des Kinoprogramms– die Südwestpresse.“
Das wäre ehrlich, markengerecht und sogar in deutscher Sprache. Diese kehrt zurück, glauben Sie’s mir, jetzt da die Amis uns rund um die Uhr immerzu ausspähen werden.. –

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