Dr. Kulitz und die christliche Werteordnung

Die baden württembergische Landesregierung möchte sich in unseren Schulen stärker für die Interessen der Schwulen und Lesben einsetzen, auch über Trans-und Metrosexuelle möchte sie aufklären. Hinter diesem Konzept im Zeichen des Regenbogens steht eine beträchtliche Anzahl toleranter Bürger, von Schwulen und Lesben, Grünen usw.. (Nur die Asexuellen hatten offenbar keine gute Lobby für diese Politik.)
Gegen diese Großoffensive in den Schulen fanden sich nun sofort sehr viele Gegner bereit, die Petition „kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ zu unterschreiben. Zu diesen Gegnern gehört auch Dr Kulitz, Unternehmer und Präsident der IHK Ulm. Gegen sein Statement erhob sich sofort ein Kasseler Vertreter des IHK-kritischen Bundesverbandes für freie Kammern. Kulitz habe sich politisch zurückzuhalten, ja „eine Verantwortung zur Zurückhaltung“ wahrzunehmen.
Als IHK Präsident habe er ein Höchstmaß an „politischer Objektivität“ zu wahren.

Dr. Kulitz denkt gar nicht daran, dieser Rüge von Kassel Folge zu leisten.
Er, Dr. Kulitz, werde sich auf Grund seiner Präsidentschaft nicht daran hindern lassen, als Privatmann, Familienvater und Bürger an öffentlichen Diskussionen teilzunehmen. Er verstelle sich nicht im Sturm der Meinungen.
Der Bildungsplan der Landesregierung enthalte, so Dr.Kulitz, eine ganz falsche Botschaft. Es könne doch keine Gleichstellung geben zwischen Schwulen und normalen Familien, die sich an der christlichen Werteordnung orientierten. Diese christliche Werteordnung müsse sich doch fundamental und in erster Linie bei allen Lehrplänen niederschlagen. Sicher, so reden die meisten in der CDU.
Dann aber kommt Dr. Kulitz zu einer Aussage, die ich wörtlich zitieren muss, weil sie einen kuriosen Widerspruch enthält.
Dr.Kulitz ist der Meinung: „ Toleranz und Freiheit sind hohe Güter, die es zu verteidigen gilt. Das darf aber nicht verwechselt werden mit der Erziehung zu grundlegenden Werten unserer Gesellschaft.“
Also Toleranz und Freiheit sind im Grunde doch nicht mit den Werten unserer Gesellschaft zu verwechseln? Auch kann unsere Erziehung nicht nur frei und tolerant sein? Sie muss die christliche Werteordnung enthalten und danach den Lehrplan durchsetzen. Inwieweit in diesem christlichen Werte-Plan dann Schwule, Lesben und andere zu Wort kommen können, das müsse man sehen, von Ort zu Ort. An einem ländlichen Gymnasium wird man auf solche Themen gewiss verzichten und in den großen Städten ja, da ließe Dr Kulitz, vermute ich, durchaus mit sich reden.Aber haben Sie bemerkt,in dieser christlichen Gesinnung von Dr Kulitz tobt sich ein moralischer Widerspruch aus. Man spürt den Wackelkontakt in den Sätzen con carne. Das Pathos der „hohen Güter“ verdirbt schon, kaum ist es angeklungen.
Mich dünkt indes: Die Homosexualität ist für die Gesellschaft ein ganz dunkles Feld, das die einen mit Angst, die andern mit einem Achselzucken meiden.

Diejenigen Homosexuellen, die sich offen zu ihrer Perversität bekennen, werden von den homosexuellen Politikerinnen und Politkern in den Hintergrund gedrängt, denn sie wollen ein völlig normales Image, wie die gesamte Heterosexualität es  doch auch genießen darf.  Warum ihnen dieses Image nicht gönnen, voll und ganz zu gute kommen lassen? Dr. Kulitz? Denn in Zukunft wird es noch viel schlimmer kommen. Bald schon werden sich die Homosexuellen erinnern und an die Heterosexualität in der christlichen Werteordnung herantreten und die beinharte Frage stellen: Warum sie als Vertreter der Maria und Josef Familien-Ästhetik im 21. Jahrhundert noch immer so tun wollen, als wären ihre sexuellen Gebräuche und Sitten weniger pervers als die der Homosexuellen?

Noch ist es nicht so weit, noch wird die Frage nicht gestellt, noch sperren die „hohen Güter“ den Zugang zur Wirklichkeit, doch im Kino sind sie längst so weit. Dort sehen wir deutlich die Wölfe der christlichen Wallstreet. Das Kino ist der Schrittmacher der Sittenbilder, die die Masse sich wünscht.

Halten Sie sich nicht zurück, Dr Kulitz, aber treten sie ein Stückchen zurück auf den immer kleiner gewordenen Teppich der christlichen Werteordnung.
Und meine Empfehlung:Gehen sie öfter mal in das perverse, heterosexuelle Kino.-

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4 Gedanken zu “Dr. Kulitz und die christliche Werteordnung

  1. Ich verstehe nicht, warum Sie Bemerkungen von Peter Kulitz in der SWP vom 16.1.2013 für widersprüchlich halten.

    Kulitz hat eine Petition unterschrieben, die sich dagegen ausspricht, dass die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ im Bildungsplan 2015 verankert und in Schulen gelehrt wird.

    Er wendet sich dagegen, eine „Gleichrangigkeit“ von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transgendern, Transsexuellen und Intersexuellen mit Heterosexuellen in Lehrplänen festzuschreiben.

    Kulitz möchte, dass sich Lehrpläne an einer christlichen Werteordnung orientieren und der grundgesetzlich garantierte besondere Schutz der Familie in Lehrplänen zum Ausdruck kommt.

    Toleranz findet für Kulitz dort eine Grenze, wo sie in Beliebigkeit ausartet. Mir gefällt, dass Kulitz klar Position bezieht.

    Mich hätte interessiert, ob Sie seine Haltung unterstützen, ob Sie die Petition ebenfalls unterschrieben haben, ob sie auch der Meinung sind, dass Schwule, Lesben usf. durch die geplante Reform zu viel (und schädlichen) Einfluss auf Schulen erhalten.

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  2. Sie müssten doch längst begriffen haben, dass es mir nie darum geht, mich in die allgemeine Meinungsschlacht zu begeben, ich betreibe Sprackkritik. Und mittels dieser habe ich an einem Zitat des Dr. Kultiz festgestellt, dass sein Bekenntnis nichts als eine wohlfeile Phrase ist. Der Begriff „christliche Werteordnung“, gegen den ich grundsätzlich nichts einzuwenden habe, müsste als Begriff aber schon konkretisiert bzw. genauer erläutert und nicht bloß als Keule benützt werden. Sonst begibt er sich auf das gleiche Niveau wie die Regenbogenleute, die so tun, als sei Homosexualität und alle anderen Spielarten des Sexus etwas völlig Normales, ja Gesundes. Wir wissen weder etwas Gesichertes über Homosexualität, noch woher sie rührt. Wir können sie tolerieren, aber nichts Lehrhaftes darüber aussagen oder sie gar aufklären. Das ist alles Geschwätz. Je mehr wir über den Sexus reden und beichten, desto weiter entfernen wir uns von seiner Bedeutsamkeit.(M. Fouccault) Sicher ist nur, dass der Sex zwischen Mann und Frau der Fortpflanzung dient. Die Lust beim Sex, und zwar in allen Variationen und Verirrungen, geht auf keinen Begriff. Aber wir bewerten sie natürlich, ob christlich oder freudianisch oder gesundheitspolitisch, darüber lässt sich streiten, aber nicht über den Gegenstand, der gar kein Gegenstand ist. ich bedaure die armem Lehrer, die über den Sex etwas Verbindliches, Wahrscheinliches, Halbwahres predigen sollen. Das kann nur schief gehen.

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  3. Ja, ich kenne Ihre Grundsätze, wobei ich aber häufig feststellen konnte, dass Sie den Vorsatz, sich einer Meinungsäußerung zu enthalten, nicht durchhalten. Oft sind es Winzigkeiten, die Ihre Einstellung zeigen. Im vorliegenden Text z.B. die Verwendung des Begriffes „Perversität“

    Interessant finde ich wie Sie die Frage: Was versteht Kulitz unter“christlicher Werteordnung“.

    Auch ich habe gegen diesen Ausdruck nichts einzuwenden, denke aber,dass Kulitz damit etwas völlig anderes meint. Kulitz ist in allen ökonomischen Angelegenheiten ein Neoliberaler aus dem Bilderbuch. Neoliberalismus beisst sich gewaltig mit christlichen Werten.

    Es hätte mir gefallen, wenn Sie deutlicher gesagt hätten „Kulitz drischt leere Phrasen, weil …“

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  4. da sind wir uns also einig, Kulitz‘ Christentum ist Papier, Phrase und schon morgen, beim nächsten liberalistischen Schub, wirft er alles weg. Heute Christ sein, hieße anstößig sein,nicht nur gegen die Regenbogenleute. Verstehen Sie, dass ich nicht deutlicher werden wollte, um erstens nicht in eine Klischeecke gedrängt zu werden , -man muss sich vor einfältigen Lesern schützen- und zweitens ehre ich den mündigen Leser,der selber denkt und für den ich mir nicht beim Denken zuschauen lassen muss.

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