Die jüngste Phrase

sie lautet: am Ende des Tages. Mit dieser Allerweltswendung wollen sie die alten Bedeutungen von „endlich“, „schließlich“, „zuletzt“ vertreiben. Schon bemerkt?
Im Radion, in den Zeitungen, auf den Straßen, in den Kaufhäusern überall dieses Gerede vom Ende des Tages. Am Ende des Tages käme dies oder jenes noch heraus. Welchen Tages, fragt man sich. Aber es ist nie so konkret gemeint, es ist vielmehr der Optimismus des Feierabends, wenn die Sprecher endlich ihr Bierchen trinken können, der Ball, die Oper, die Freizeit beginnt. Das Wort macht eine Stimmung.
Für dies Wellnessfeeling wäre das Wörtchen „schließlich“ viel zu hart, zu endgültig, denn am Ende des Tages erscheint noch die ganze Nacht, in der das Ende des Tages ganz allgemein noch lange nachhallen soll. Besonders in dieser Epoche, wo Viele die Nacht eh zum nicht endenden Tage machen müssen. Vor Arbeit und Kummer. Da wäre das Wort „zuletzt“ zu sehr alles abschließend, zu abgrenzend am Platze.
Man erkennt, der Zeitgeist möchte die Grenzen der Zeit offen lassen, nie mehr ganz schließen. Die Naturzeit möge in Rente gehen, wir machen unsere eigene Zeit. Wir denken ins Unendliche, in das Prozesshafte des Lebens und der Wirtschaft, die Endlichkeit soll uns dabei nicht stören. Zuletzt ist gar nichts in dieser Epoche der Hochgeschwindigkeit, in diesem Trubel der Moden und der body arts. Deshalb sagen wir jetzt immer: „am Ende des Tages“, das klingt weich, elastisch, wellnesslike.

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