Die Wirklichkeit ist eine Phrase

Diese diffuse Gesellschaft bietet mir laufend Ansichten von ihr selbst an, an die ich nicht glauben kann. Auch die vielen Umfragen, die die Bilder stützen sollen, halte ich für Gerüchte.
Wenn ich manch anderen z.B. von der scheinbar gemeinsam erlebten Wirklichkeit reden höre, wundere ich mich oft, warum er nicht lieber von seinen Fiktionen spricht. Es machte weniger Lärm, es überzeugte mich mehr als die stets zu pompös und so fern klingende Wirklichkeit.
Wenn immerzu behauptet wird: uns ginge es doch gut, weiß ich nicht woher die Sprecher das überhaupt wissen. Und wem sie das eigentlich immerzu sagen wollen? Lesen sie keine Hartz 4 Zeitungen, kennen sie gar keine ärmeren Leute?
Als Quelle für ihre harten Thesen geben sie immer nur ihre Erfahrung an, die meistens ganz grau und wie ein geflickter, alter Kittel aussieht.
Meinen sie nur sich selbst? Erleben sie nicht auch, wie man ihnen die Zeit stiehlt, wie sie noch im erwachsenen Alter wie Kleinkinder behandelt werden und man sie ansonsten einem geistigen Elend aussetzt, dem gegenüber ein hohes Konsumniveau doch nichts als eine Plattitüde ist. Ein staatlich garantierter „Erlebnisurlaub“ mit Schlagersängern im Hintergrund.

Oder leider auch regional, diese Wortverpestung- – wenn sie hier dauernd sich einreden , bei jeder Gelegenheit, an jedem Honoratiorenbuffet teilnehmend, dass sie in einer „Innovationsregion“ lebten , ja an der „Spitze des Südens“, – ist das nun Wunschdenken oder schamlose Aufschneiderei, weil man im Wirtschaftsleben eben optimistisch sein muss??
Und da sie nicht genug kriegen können, an Aufputschmitteln und Euphemismen, kommen sie einem in einer stilleren Minute auch noch mit dem Bekenntnis zu ihrem „positiven Denken“. Welcher Schlaumeier ihnen diese Pille wohl verschrieben hat? Als ob es das gäbe, Denken ist vorwiegend negativ, ein Negieren.
Aber das verstehen sie eh nicht. Fest steht: Die schwarzweiße, gewiss an sich sehr dürre Realität, – schafft man ihr nur all den Kulissenmist vom Leib,- wollen sie eben für ihre bunten Farbfernsehgehirne um-codieren, auffrisieren, einspeisen. Vielleicht ist das auch eher ein Zwang als ein Wille? Dort im Massenbewusstsein jedenfalls muss permanent um-dekoriert, alles umbenannt werden. -Das schafft Arbeitsplätze für Mentalcoaches, Lebensberater, Gesundheitspäpste und viele andere Quacksalber des guten, gesünderen Lebens. Und das ist doch positiv, sagen sie, seit ich positiv denken lernte, geht es mir besser, heißt es überall, in allen Parallelwelten inzwischen. Jeder kann sich zusammenreißen und in der Früh ein bisschen lächeln oder ein altes Lied pfeifen. Das hilft, das kann man trainieren.

Vorbei die Zeiten, da wenigstens dem Einzelnen, der nicht überall und in all den Betrieben mitmachen wollte, noch ein paar Muße-Stunden blieben, wo er den Informationsstrom abschalten konnte und manchmal sogar in entfernte Bilder-und Gedankeninseln hinaus ruderte. Ohne Aussicht auf Beute oder einen Ertrag,
den man hinterher in den höchst realen Abwasserkanälen wieder nutzen könnte.

Diese Leute müssen sich heute, um zu überleben, als Freaks vermarkten lassen, und moralisch dafür rechtfertigen, dass ihre Faulbettzeiten in Wahrheit der schöpferischen Arbeit im Unbewussten dienten. Das klingt oft kompliziert und hat nicht die beste Presse.
Auch der moderne Archetypus des „ewigen Studenten“ ist inzwischen fast ausgestorben. Er ist schon so verpönt und geächtet wie der Kettenraucher oder der Tierquäler. .
Viele nennen das Wertewandel, ich zähle das eher zu der massenhaft verbreiteten Phantasie-Armut.
Sie bringen es auf die steilsten Karrieren, in die höchsten Ämter, zu größten wissenschaftlichen Leistungen, sie fahren die besten Autos, haben zu Hause die neuste Technik immer präsent und sie sind ganz vorn auf allen Gebieten. Sie fliegen fast jede Woche quer durch die Welt, sie kennen sich dort aus, aber ihre Fantasieräume schrumpfen immer mehr, verschwinden oft ganz.
Die Worldchampions verstehen nämlich ihre eigenen Kinderzeichnungen nicht mehr. Was hilft es ihnen letztlich, wenn sie Ihre Interessen perfekt darstellen und verkaufen? Wenn sie sich selbst stolz als Perfektionisten, Vollprofis ausgeben, für ihr Gefühlsleben aber und ihre erotischen Verhältnisse täglichen Nachhilfeunterricht nehmen müssen? Wenn sie jetzt, wie alle anderen vom Rest der Welt, erschreckt bemerken, dass diese Nachhilfe niemals ein Ende haben wird?
Schwänzen sie dann wieder die Schule?
Sie sind mit ihren starken Egos in der Welt alles geworden, haben jedoch leider ihr Selbst verloren. Das ist der Preis, den nennen sie „die Wirklichkeit“. Oder freie Marktwirtschaft oder Medienlandschaft oder die Märkte.
Für mich sind das notdürftige Fiktionen, denen ich keinen Glauben schenke,solange ich lebe. Man nennt mich deshalb manchmal stur. –

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Ein Gedanke zu “Die Wirklichkeit ist eine Phrase

  1. Mit ihrer Faschismusanalyse sind sie ja auch nicht weit über das Belletristikniveau all der „Freaks“ (ist das wieder so’n Universum-Weltsprache Mega-Star-Wort das keiner versteht?) hinaus gekommen. Jedes einzelne Molekül auf diesem Planeten weiß das alles jemals nur im Nach-Hitler-Faschismus (das NHF-NU, nach Urknall, auch mit „3+2=5“ Buchstaben) existierte. Auch wenn Merkel und Konsorten alle kein „Hitler-Bärtchen“ habe, so doch wenigstens die Mädchen unten und auch die Christen-Islamisten am Schädel. Auch ihre Donau ist grammatisch längst die rosa Lochritze und die braue unterm Schwanz~ und davon die Bifurkation des Universums vom Urknallwissen. Da ist einfach seitens der Natur nichts anderes. „Hier und Jetzt“ ist längst das x-te Faschisten“mantra“ ~ so wahr wie die analytische Mordwaffe „Löffel“, auch Bunny genannt.

    Wirklich, manchmal faszinieren sie mich – „du ~“ (mit De und U! wenn sie was wissen würden), wie Sie seit ehedem diese Erdliche Dumpfviehfaschisten(seuche) – ps. die meisten nennen es ja berechtigt anders, mit anderen Wörtern – umschreiben können. Irgendwie schön das auch Sie als Hilfssonderkomiker noch daran teilnehmen.

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